Willkommen bei Pathologie-Online

Vorwort

Dieses Online-Skript der Pathologie richtet sich an Studenten der Humanmedizin. Es basiert auf einer Sammlung von Vorlesungs- und Kursskripten zur Allgemeinen und zur Speziellen Pathologie. Zwar erhebt dieses Skript den Anspruch auf Vollständigkeit, es ist aber nicht vollständig.

Es ist beabsichtigt, im Laufe der Zeit nicht nur die Lücken zu füllen, sondern das Skript auch um weitere Bilder von Spezialfärbungen, immunhistologischen Markierungen, Darstellungen elektronenmikroskopischer und molekular-pathologischen Befunde etc. zu ergänzen. Weiterhin sollen Abbildungen bzw. Beschreibungen typischer makroskopischer und klinischer Befunde sowie der normalen Histologie nach und nach eingefügt werden.

Die Teile der Allgemeinen und Speziellen Pathologie gliedern sich entsprechend den Semesterwochen in jeweils 14 Kapitel, die mit dem Gegenstandskatalog des IMPP (nach alter ÄAppO) abgestimmt sind. Den übergeordneten Kapiteln (= Vorlesung) sind jeweils etwa 10 histologische Präparate (= Kurs) zugeordnet, in denen einzelne Aspekte an Fallbeispielen vertieft werden.

Aufgaben der Pathologie

Die Pathologie (= Krankheitslehre) als medizinsiche Disziplin hat mehrere Aufgaben: Die Diagnostik (= Erkennung) von Krankheiten anhand morphologischer Untersuchungstechniken soll beitragen, die Grundlage für eine geeignete Therapie zu schaffen. Die Forschung in der Pathologie zielt auf die Erkennung von Ursachen (Ätiologie, kausale Pathogenese) sowie das Verständnis der Entstehungswege und Abläufe des Krankheitsgeschehens, die zur Ausbildung eines bestimmten Krankheitsbildes führen (formale Pathogenese). Ein weitere Schwerpunkt betrifft die Lehre, die traditionell in die Allgemeine und die Spezielle Pathologie gegliedert ist, und schließlich die Weiterbildung, zu der die Pathologie, meist in Form klinisch-pathologischer Konferenzen, beiträgt.

In der Diagnostik ergeben sich drei Arbeitsbereiche, die autoptische, die bioptische und die zytologische Diagnostik. Die klinische Autopsie (Sektion, Obduktion) hat zum Ziel, in Fällen eines natürlichen Todes die morphologischen Korrelate der Grund- und Nebenkrankheiten festzustellen und, ggf. unter Beiziehung von Informationen zum Krankheitsverlauf, eine Todesursache zu ermitteln. Die Autopsiepathologie wendet primär die Techniken der makroskopischen Diagnostik (= pathologische Anatomie) an und zieht bei Bedarf histologische, mikrobiologische u.a. Methoden hinzu. Ein großer Teil der seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gewonnenen Erkenntnisse fußt auf der Autopsietätigkeit; aber auch viele Erkenntnisse zu Arzneimittelnebenwirkungen und Erkrankungen wie der erworbenen Immunschwäche (AIDS) stammen aus dem Sektionssaal! Die Autopsie kann eine erhebliche Bedeutung für die klinischen Qualitätskontrolle haben, sofern man Autopsien durchführt. Von der autoptischen Tätigkeit des (klinischen) Pathologen ist die Tätigkeit des forensischen Pathologen (= Gerichtsmediziners) zu unterscheiden. Ziel der forensischen Pathologie ist die Ermittlung bzw. der Ausschluß einer nicht-natürlichen Todesursache. Dementsprechend arbeitet die forensiche Pathologie eng mit der Kriminalistik zusammen und setzt spezielle Zusatzmethoden, z.B. des Giftnachweises (= Toxikologie), ein.

Im Vordergrund der bioptischen Diagnostik steht die Untersuchung von Gewebsproben, die im Zusammenhang mit therapeutischen Eingriffen (z.B. Operationspräparate) oder diagnostischen Eingriffen (z.B. mittels endoskopischer Verfahren) gewonnen wurden. Bei entsprechender Größe des Präparats kommen auch hier die Methoden der Makroskopie zum Zuge, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der feingeweblichen Untersuchung (= Histologie). Ein besonders verantwortungsvolles Aufgabengebiet liegt in der intraoperativen Schnellschnittdiagnostik, deren Ergebnisse oft für das weitere Vorgehen des Operateurs entscheidend sind.

Die zytologische Diagnostik beschäftigt sich mit der Analyse der in Körperflüssigkeiten (Urin, Sputum, Blut, Knochenmarksaspirat, Ergüssen), Abstrichenpräparaten (Exfolitivzytologie z.B. der Cervix uteri) und Punktaten (z.B. Feinnadelpunkatate aus Organen wie der Schilddrüse, aus Geschwülsten usw.) enthaltenen Zellen. Die Methoden sind z.T. diesem Fachgebiet eigen (z.B. die Durchflußzytometrie), überwiegend jedoch denen der Histologie verwandt .

Einige Untersuchungsverfahren der Pathologie werden in einem eigenen Kapitel dargestellt.

Eine weitere Aufgabe der Pathologie ergibt sich auch in der Befunddokumentation, -archivierung und -auswertung, so der Klassifikation von Erkrankungen, Todesursachen usw. Die Ergebnisse dieser Arbeit gehen in epidemiologische Datensammlungen ein und bilden u.U. sachliche Grundlagen für gesundheitspolische Entscheidungen.

Kurze Geschichte der Pathologie

Der Begriff “Pathologie” findet sich erstmalig beim Griechischen Arzt Galenus (129-201) benutzt. Es leitet sich ab von den Wörtern pathos = Leiden, Krankheit und logos = Lehre, Wissenschaft, bedeutet also soviel wie “Die Lehre von den Leiden”.

In seiner heutigen Form geht die Pathologie auf den Italienischen Forscher Giovanni B. Morgagni (1682-1771) zurück, der mit seinem fünfbändigen Werk “De sedibus et causis morborum” (“Vom Sitz und den Ursachen der Krankheiten”) im Jahre 1761 den Grundstein für die wissenschaftlichen Forschungen legte.

Bereits im Altertum wurden in Ägypten und Griechenland Leichenöffnungen durchgeführt, die aber mehr der anatomischen Bildung dienten. Erst mit Ende des 18. Jahrhunderts wurden aufgrund des zunehmenden Verständnisses für die Bedeutung der Leichenschau erste Fachvertreter, die eigens für die Sektionen verantwortlich waren, bestellt. Der erste sogennannte “Prosektor” (lat. prosecare = vorschneiden) begann 1796 am Wiener Allgemeinen Krankenhaus seine Arbeit. Der erste Lehrstuhl für Pathologie wurde 1819 in Straßburg eingerichtet (Jean-Frédéric Lobstein 1777-1835). Als Prüfungsfach wurde Pathologie im Jahre 1844 in Wien eingeführt.

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