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Die Pathologie (= Krankheitslehre) als medizinsiche Disziplin
hat mehrere Aufgaben: Die Diagnostik (= Erkennung) von Krankheiten
anhand morphologischer Untersuchungstechniken soll beitragen,
die Grundlage für eine geeignete Therapie zu schaffen. Die
Forschung in der Pathologie zielt auf die Erkennung von Ursachen
(Ätiologie, kausale Pathogenese) sowie das Verständnis
der Entstehungswege und Abläufe des Krankheitsgeschehens,
die zur Ausbildung eines bestimmten Krankheitsbildes führen
(formale Pathogenese). Ein weitere Schwerpunkt betrifft die Lehre,
die traditionell in die Allgemeine und die Spezielle Pathologie
gegliedert ist, und schließlich die Weiterbildung, zu der
die Pathologie, meist in Form klinisch-pathologischer Konferenzen,
beiträgt.
In der Diagnostik ergeben sich drei Arbeitsbereiche, die autoptische,
die bioptische und die zytologische Diagnostik. Die klinische
Autopsie (Sektion, Obduktion) hat zum Ziel, in Fällen eines
natürlichen Todes die morphologischen Korrelate der Grund-
und Nebenkrankheiten festzustellen und, ggf. unter Beiziehung
von Informationen zum Krankheitsverlauf, eine Todesursache zu
ermitteln. Die Autopsiepathologie wendet primär die Techniken
der makroskopischen Diagnostik (= pathologische Anatomie) an und
zieht bei Bedarf histologische, mikrobiologische u.a. Methoden
hinzu. Ein großer Teil der seit der Mitte des 19. Jahrhunderts
gewonnenen Erkenntnisse fußt auf der Autopsietätigkeit;
aber auch viele Erkenntnisse zu Arzneimittelnebenwirkungen und
Erkrankungen wie der erworbenen Immunschwäche (AIDS) stammen
aus dem Sektionssaal! Die Autopsie kann eine erhebliche Bedeutung
für die klinischen Qualitätskontrolle haben, sofern
man Autopsien durchführt. Von der autoptischen Tätigkeit
des (klinischen) Pathologen ist die Tätigkeit des forensischen
Pathologen (= Gerichtsmediziners) zu unterscheiden. Ziel der forensischen
Pathologie ist die Ermittlung bzw. der Ausschluß einer nicht-natürlichen
Todesursache. Dementsprechend arbeitet die forensiche Pathologie
eng mit der Kriminalistik zusammen und setzt spezielle Zusatzmethoden,
z.B. des Giftnachweises (= Toxikologie), ein.
Im Vordergrund der bioptischen Diagnostik steht die Untersuchung
von Gewebsproben, die im Zusammenhang mit therapeutischen Eingriffen
(z.B. Operationspräparate) oder diagnostischen Eingriffen
(z.B. mittels endoskopischer Verfahren) gewonnen wurden. Bei entsprechender
Größe des Präparats kommen auch hier die Methoden
der Makroskopie zum Zuge, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der
feingeweblichen Untersuchung (= Histologie). Ein besonders verantwortungsvolles
Aufgabengebiet liegt in der intraoperativen Schnellschnittdiagnostik,
deren Ergebnisse oft für das weitere Vorgehen des Operateurs
entscheidend sind.
Die zytologische Diagnostik beschäftigt sich mit der Analyse
der in Körperflüssigkeiten (Urin, Sputum, Blut, Knochenmarksaspirat,
Ergüssen), Abstrichenpräparaten (Exfolitivzytologie
z.B. der Cervix uteri) und Punktaten (z.B. Feinnadelpunkatate
aus Organen wie der Schilddrüse, aus Geschwülsten usw.)
enthaltenen Zellen. Die Methoden sind z.T. diesem Fachgebiet eigen
(z.B. die Durchflußzytometrie), überwiegend jedoch
denen der Histologie verwandt .
Einige Untersuchungsverfahren der Pathologie werden in einem
eigenen Kapitel dargestellt.
Eine weitere Aufgabe der Pathologie ergibt sich auch in der Befunddokumentation,
-archivierung und -auswertung, so der Klassifikation von Erkrankungen,
Todesursachen usw. Die Ergebnisse dieser Arbeit gehen in epidemiologische
Datensammlungen ein und bilden u.U. sachliche Grundlagen für
gesundheitspolische Entscheidungen.
Kurze Geschichte der Pathologie
Der Begriff "Pathologie" findet sich erstmalig beim
Griechischen Arzt Galenus (129-201) benutzt. Es leitet sich ab
von den Wörtern pathos = Leiden, Krankheit und logos = Lehre,
Wissenschaft, bedeutet also soviel wie "Die Lehre von den
Leiden".
In seiner heutigen Form geht die Pathologie auf den Italienischen
Forscher Giovanni B. Morgagni (1682-1771) zurück, der mit
seinem fünfbändigen Werk "De sedibus et causis
morborum" ("Vom Sitz und den Ursachen der Krankheiten")
im Jahre 1761 den Grundstein für die wissenschaftlichen Forschungen
legte.
Bereits im Altertum wurden in Ägypten und Griechenland Leichenöffnungen
durchgeführt, die aber mehr der anatomischen Bildung dienten.
Erst mit Ende des 18. Jahrhunderts wurden aufgrund des zunehmenden
Verständnisses für die Bedeutung der Leichenschau erste
Fachvertreter, die eigens für die Sektionen verantwortlich
waren, bestellt. Der erste sogennannte "Prosektor" (lat.
prosecare = vorschneiden) begann 1796 am Wiener Allgemeinen Krankenhaus
seine Arbeit. Der erste Lehrstuhl für Pathologie wurde 1819
in Straßburg eingerichtet (Jean-Frédéric Lobstein
1777-1835). Als Prüfungsfach wurde Pathologie im Jahre 1844
in Wien eingeführt.
Fortsetzung folgt.....
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