Lunge und Bronchien
Vorbemerkungen zur Anatomie und Physiologie
Die Lunge dient dem Gasaustausch des Körpers. Der obere Respirationstrakt
hat dabei die Hilfsfunktionen der mechanischen Reinigung der Atemluft,
deren Anwärmung und Anfeuchtung.
Anatomie
Die Lungen sind paarig angelegte Organe, wobei der linke Lungenflügel
zwei und der rechte Lungenflügel drei Lappen besitzt. Diese anatomischen
Einteilungen entsprechen aber nicht notwendigerweise der physiologischen
Nutzung der Lungen, die sich unter diesem Gesichtspunkt in 3 "Geschosse"
unterteilen lassen. Dabei ist das Untergeschoss, im wesentlichen
aus den Unterlappen bestehend, auch in Ruhe tätig. Bei geringer
körperlicher Aktivität werden zusätzlich die Mittelgeschosse belüftet.
Das Obergeschoss, bestehend aus den oberen Anteilen der Oberlappen,
wird erst bei stärkerer körperlicher Betätigung beansprucht.
Die Hauptbronchien verzweigen sich innerhalb der Lungen in Lappen-
und Segmentbronchien, die durch Spangen hyalinen Knorpels stabilisiert
werden. Danach folgen Bronchiolen mit rein membranöser Wandung,
die sich weiter zu den terminalen Bronchiolen mit einem Durchmesser
von etwa 2 mm verästeln. Weiter peripher folgen die Bronchioli
respiratorii und die Alveolen als terminale respiratorische Einheiten.
Die Alveolen sind durch die sog. Kohn'sche Poren untereinander
verbunden. Jeweils 3-5 Alveolen bilden einen Lobulus. Da der linke
Hauptbronchus an der Bifurkation nahezu waagerecht abzweigt, gelangen
Fremdkörper und anderes Aspirat bevorzugt in den rechten Unterlappen.
 
Die Lungen sind von der Pleura visceralis überkleidet,
die an der Lungenwurzel in die Pleura parietalis umschlägt. Die
Pleuraoberfläche wird einer einfachen flachen Zellschicht, dem
Mesothel, gebildet. Bei Einatmung entsteht im Pleuraspalt ein
Unterdruck, die Pleurablätter gleiten aneinander, und die Lungen
entfaltet sich. Das Lungengewebe ist derart hochelastisch, daß
eine normale Lunge zu Faustgröße kollabieren kann.
Histologie
Die Trachea und die Bronchien werden durch ein hochprismatisches
respiratorisches Epithel einschließlich vereinzelter schleimbildender
und einiger neuroendokriner Zellen ausgekleidet. Das respiratorische
Epithel zeichnet sich durch einen Zilienbesatz aus, der an den
o.g. mechanischen Funktionen beteiligt ist. In den terminalen
Bronchiolen endet der Flimmerepithelbesatz und es folgt eine Auskleidung
durch Alveolarepithel. Die terminalen Bronchiolen sind daher ein
locus minoris resistentiae gegenüber Staubpartikeln
geringen Durchmessers. Die Alveolen sind von Alveolarepithelien
ausgekleidet, wobei die Alveolarepithelzellen Typ 1 über 90% der
Alveolarinnenfläche überdecken. Die Alveozyten Typ 2 sind kubische
Zellen, deren Anzahl größer ist als die der Alveozyten Typ 1 und
die das Surfactant, ein für die Herabsetzung der Oberflächenspannung
erforderliches Molekülgemisch, produzieren. Diese Zellen enthalten
elektronenmikroskopisch darstellbare osmiophile lamelläre Körper
als Speicher des Surfactant. Alveolozyten Typ II sind regenerationsfähig
und können weiter zu Deckepithelzellen (Typ I) differenzieren.
Die Alveolozyten sitzen einer Basalmembran auf, die durch ein
schmales Interstitium von der kapillären Basalmembran getrennt
ist. Dadurch entsteht eine minimale Diffusionstrecke für den Gasaustausch.
Im Interstitum befinden sich Fibroblasten, die für verschiedene
Krankheitsprozesse, vor allem für die die Entwicklung der
Fibrose bedeutsam sind.
Immunologie
Durch die Filterwirkung der respiratorischen Schleimhaut
des Nasopharyngealraums und den Zilienschlag der Bronchialschleimhaut
wird die Atemluft mechanisch gereinigt. Diese Funktionen der Luftwege
bewirken zusammen mit den unspezifischen Mechanismen (Enzyme,
Komplement, Phagozyten etc.) und den spezifischen Mechanismen
der humoralen (hoher Gehalt des Bronchialschleims an IgA ! ) und
der zellulären Immunität, daß in den Alveolen der Lunge eine steriles
Milieu vorherrscht. Die Zellen des lokalen Immunsystems sind z.T.
in dem Bronchus-assoziierten lymphatischen Gewebe (BALT) angesiedelt.
Physiologie
Der Gasaustausch hält die Blutgase innerhalb physiologischer
Grenzen, wobei für den normalen PaO2
10,7 - 13,3 kPa (80 - 100 mm Hg) und für den normalen PaCO2
4,7 - 6,0 kPa (35 - 45 mm Hg) gemessen werden. Die verschiedenen
Volumina und Kapazitäten der Lunge sind nebenstehend abgebildet.
Für die Ruheatmung ist nur ein geringer Teil der Vitalkapazität
erforderlich. Die Lungen haben daher erhebliche Reserven, die
bei körperlicher Arbeit für den verstärkten Gasaustausch zur Verfügung
stehen. Teile dieser Reserven können auch durch Krankheitsvorgänge
ausgeschaltet werden, ohne daß dieses notwendigerweise schon in
Ruhe erkennbar wird. Die Defekte werden dann unter Belastung deutlich.
Ein wichtiger Messwert ist die Sekundenkapazität, also das Volumen,
das bei forcierter Expiration innerhalb einer bzw. innerhalb von
drei Sekunden ausgeatmet werden kann. Im Normalfall umfasst es
83% bzw. 97% der Vitalkapazität. Innerhalb der Alveolen ist von
einer Ventilation von etwa 4,2 l pro Minute in Ruhe auszugehen.
Respiratorische Insuffizienz
Eine respiratorische Insuffizienz äußert sich (bei
normalem Hämoglobingehalt des Bluts) in einer zentralen Zyanose
mit einem arteriellen Sauerstoffpartialdruck von weniger als 6,7
Kilopascal (50 mm Quecksilbersäule). Bewußtlosigkeit tritt bei
einem PaO2 von weniger als 4,0
kPa (30 mm Hg) auf.
Man kann 2 Typen der respiratorischen Insuffizienz
unterscheiden. Der Typ 1 der respiratorischen Insuffizienz
zeichnet sich durch einen niedrigen O2-Partialdruck
(Hypoxämie) bei normalem CO2-Partialdruck
(Normokapnie) aus. Die alveoläre Ventilation ist erhalten, jedoch
ist der Gasaustausch an der Alveolarmembran behindert. Von Veränderungen
der Diffusionsstrecke ist insbesondere der Sauerstoffpartialdruck
betroffen, da die Unterschiede zwischen den Partialdrucken im
Blut und in der Atemluft gering sind. Für Kohlendioxyd hingegen
sind diese Gradienten erheblich, so daß sich eine verlängerte
Diffusionsstrecke nicht so schnell nachteilig auswirkt.
Der Typ 2 der respiratorischen Insuffizienz
weist einen niedrigen Sauerstoffpartialdruck und einen erhöhten
Kohlendioxydpartialdruck aus (CO2
> 6,7 kPa = 50 mm Hg). Dieser Typ ist bei Ventilations- und Zirkulationsstörungen
anzutreffen, da hierbei kein normaler Gasaustausch zustande kommt
und somit auch CO2 zurückgehalten
wird. Eine akute Hyperkapnie zeichnet sich durch Tremor, schnellen
Puls, Vasodilatation, erhöhten kardialen Output und zerebrale
Dysfunktion bis hin zum Koma aus.
Respiratorische Insuffizienz Typ I:
PaO2 niedrig, PaCO2
normal
(alveoläre Ventilation erhalten)
Respiratorische Insuffizienz Typ II:
PaO2 niedrig, PaCO2
erhöht (> 6,7 kPa = 50 mm Hg)
(alveoläre Ventilation behindert)
Unter Berücksichtigung der Pathophysiologie
können diffuse Lungenschäden folgendermaßen eingeteilt
werden: Restriktive Lungenerkrankungen gehen mit einer
Einschränkung der Totalkapazität einher. Sie beruhen
entweder auf Thoraxwanddefekten, die die Entfaltung der (ggf.
völlig intakten) Lungen behindern, oder auf Lungenveränderungen,
die eine Redukion der Alveolarfläche bzw. eine Störung der
Diffusion, also ein Mißverhältnis zwischen alveolärer Perfusion
und Ventilation, zur Folge haben. Wenn die Atemwege verlegt sind
oder die Atmung behindert ist, entsteht eine obstruktive Lungenerkrankung.
Viele Lungenerkrankungen weisen jedoch, ggf. in
Abhängigkeit vom Stadium und Ausmaß, Aspekte sowohl
einer obstruktiven als auch einer restriktiven Erkrankung auf.
Belüftungsstörungen: Atelektasen
Ein Kollaps des Lungengewebes bezeichnet man als
eine Atelektase. Eine häufige Ursache für eine
Atelektase ist die Belüftung des Pleuraspalts (Pneumothorax)
z.B. durch eine Thoraxverletzung. Eine solche Atelektase kann
gegebenenfalls auch angeboren vorkommen, wenn eine unreife Lunge
durch Fehlen des Surfactant nicht entfaltet werden kann oder Mißbildungen
(z.B. Zwerchfellhernie) vorliegen. Neben der Totalatelektase gibt
es auch verschiedene andere Formen erworbener Atelektasen wie
die Kompressionsatelektase, z.B. durch Zwerchfellhochstand, Hernien
oder Tumoren hervorgerufen, und Resorptionsatelektasen, die sich
an unbelüfteten Lungenabschnitten durch Resorption der vorhandenen
Luft durch das Blut bilden. Umschriebene Belüftungsstörungen
werden als Dystelektasen bezeichnet.
Lungenkollaps = Atelektase
Vaskuläre und hämodynamische Erkrankungen
Auswirkungen respiratorischer Insuffizienz
Die chronische respiratorische Insuffizienz wirkt
sich unmittelbar auf das kardiovaskuläre System aus. Ein niedriger
PaO2 bewirkt über den von Euler-Liljestrand-Mechanismus
eine arterielle Konstriktion. Bei lokalisierten Belüftungsstörungen
veranlaßt dieser Mechanismus, daß nur ein Minimum an Blutvolumen
durch die minderbelüftete Lungenanteile fließt. Eine globale
respiratorische Insuffizienz wirkt sich jedoch auf die gesamte
Lungenstrombahn aus und erzeugt eine Hypertonie im kleinen Kreislauf,
die sich bei längerem Bestehen in einem Umbau des Gefäßsystems
manifestiert. Zu diesen Auswirkungen zählen die Ektasie und Liposklerose
der großen Pulmonalarterienäste sowie die muskuläre Hypertrophie
und Wandsklerose der kleineren Äste. Der ständige Aufbau des erhöhten
Drucks im kleinen Kreislauf belastet den rechten Herzventrikel,
der dementsprechend hypertrophiert. Es bildet sich ein Cor
pulmonale. (Eine Rechtsherzhypertrophie kann natürlich
auch z.B. aufgrund einer Linksherzinsuffizienz entstehen. Dieses
wird dann nicht als Cor pulmonale bezeichnet.) Weiterhin
ist aufgrund der respiratorischen Insuffizienz die Sauerstoffsättigung
des Blutes vermindert, es entsteht daher eine Polyzytämie bzw.
Polyglobulie mit den Folgen verstärkter Viskosität des Bluts und
u.a. eines erhöhten Thromboserisikos.
Die chronische respiratorische Insuffizienz
kann eine pulmonale Hypertonie und eine Polycythämie/Polyglobulie
(erhöhte Viskosität, Thromboserisiko!) verursachen. Die pulmonale
Hypertonie schädigt die Lungengefäße.
Lungenödem
Beim Lungenödem finden wir innerhalb der Alveolen
ein Transudat oder Exsudat anstelle von Luft. Die wichtigste Ursache
für die Entstehung eines Lungenödems ist die Blutstauung in den
Lungenkapillaren aufgrund einer Linksherzinsuffizienz. Es kommt
dabei durch den Rückstau zu einer Druckerhöhung in den Kapillaren,
wodurch Flüssigkeit durch in die Alveolarwand und dann in die
Alveolarlichtung gepresst wird (AP-3-2).
Dabei treten oft auch kleinere Hämorrhagien auf. Die dabei in
den Luftraum verlagerten Erythrozyten werden von Makrophagen abgebaut,
die dann bräunliches Eisenpigment aufweisen und dementsprechend
in der Berliner Blau-Reaktion positiv reagieren. Diese Makrophagen
können auch im Sputum als sog. Herzfehlerzellen nachgewiesen
werden. Ein Lungenödem kann auch auf toxisch-chemischem Wege durch
Arzneimittel, Drogen (Heroin !), Säuredämpfe, Reizgase u.a. infolge
einer Permeabilitätserhöhung oder aber durch Lymphgefäßblockade,
z.B. bei Lymphgefäßkarzinose, hervorgerufen werden.
Die häufigste Ursache des Lungenödems ist die
Blutstauung in den Lungenkapillaren aufgrund einer Linksherzinsuffizienz.
Anfänglich liegt jedes Lungenödem naturgemäß
als interstitielles Ödem vor, muß aber in dieser Form
jedoch nicht eindeutig sichtbar sein. Als häufigen Obduktionsbefund
findet man ein alveoläres Ödem in Abwesenheit eines
nenneswerten, makroskopisch sichtbaren interstitiellen Ödems.
Das alveoläre Ödem ist am Abfließen schaumiger
Flüssigkeit von den Schnittflächen erkennbar, das interstitelle
Ödem findet man an der Pleura visceralis in Form verbreiterter
Septen des Lungengerüsts mit prall gefüllten Lymphbahnen.
Embolie, Infarkt
Im Blutstrom können Partikel transportiert werden,
die in Abhängigkeit von ihrem Durchmesser die Strombahn des
nächstgelegenen Filters verschließen können. Diesen
Vorgang bezeichnet man als Embolie. In den meisten Fällen
wird ein solcher Verschluß durch losgelöste Thromben verursacht
(Thrombembolie). Autochthon, also ortsständig entstandene Thromben,
findet man in der Lunge außerordentlich selten. In der Mehrzahl
der Fälle entstehen die Pulmonalarterienembolien auf dem Boden
einer Thrombose der großen Bein- und Beckenvenen. Die Prävention
einer Thrombose stellt daher auch die Prävention einer Lungenarterienembolie
mit allen ihren Komplikationen dar. Werden größere Thromben losgeschwemmt,
dann kann es zu einem kompletten Verschluß der Strombahn und Stillstand
des Kreislaufs kommen. Es resultiert eine fulminante Pulmonalarterienembolie
(fulmen, der Blitz) mit Reflextod. Sind noch geringe Anteile
der Strombahn offen, so wird die Embolie kurzfristig überlebt.
Es folgt ein Tod im Rechtsherzversagen, erkennbar an dert
starker Dilatation des rechten Ventrikels (akutes Cor pulmonale),
da der rechte Ventrikel dieser plötzlichen Überbeanspruchung nicht
lange Zeit gewachsen ist. Kleinere Thromben, z.B. aus den Wadenvenen
und den kleinen Beckenvenen, verlegen lediglich Segmentarterien
oder noch kleinere Pulmonalarterienäste. Bei normalen Kreislaufverhältnissen
heilen diese Embolien weitgehend folgenlos aus. Die Thromben werden
dabei von der Gefäßwand her "organisiert". Es bleibt
dabei eine diskrete Verdickung der Intima, gegebenenfalls als
ein sog. "strickleiterförmiges" Thrombenorganisat, zurück.
Eine disseminierte Embolie kleiner und kleinster Pulmonalerterienäste
äußert sich in der Symptomatik einer restriktiven Lungenerkrankung.
Pulmonale Emboli verursachen nur selten einen
Lungeninfarkt.
Im Normalfall führt eine Lungenembolie nicht zu
einem Infarkt, da die Lunge über eine doppelte Gefäßversorgung
verfügt (Pulmonalgefäße des kleinen Kreislaufs und Bronchialgefäße)
und die Bronchialarterien einen hinreichenden Sauerstoffpartialdruck
aufweisen, um das vom kleinen Kreislauf getrennte Lungenparenchym
bei kleineren Schäden ausreichend zu versorgen. Ist der bronchialarterielle
O2-Partialdruck ungenügend und
liegt zusätzlich eine Linksherzinsuffizienz vor, so resultiert
ein hämorrhagischer Lungeninfarkt. Die geschädigte Alveolarwand
wird durchlässig, das in den Lungenvenen vor dem linken Herzventrikel
gestaute Blut tritt retrograd in das Infarktareal über, die Lufträume
füllen sich mit Blut. Eine Komplikation des hämorrhagischen Infarkts
ist bei entsprechender bakterieller Besiedlung der Lunge (Bronchitis,
siehe unten) der Lungenabszeß (siehe unten).
Neben der Thrombembolie als häufigster Form
können weitere Stoffe Embolien verursachen, wie z.B. Luftbläschen
(z.B. bei Luftinjektion, Verletzung zentraler Venen, Caisson-Krankheit),
Tumorfragmente, Fruchtwasser, Knochenmark oder Fetttröpfchen.
Fettembolien werden insbesondere im Schock nach größeren
Traumata gefunden und entstehen durch eine Deemulgierung von Blutfetten.
Durch direkte Mobilisation von Knochenmark entstehen Embolien
z.B. bei Rippenserienfrakturen aufgrund von Wiederbelebungsmaßnahmen.
Als Schwangerschaftskomplikation ist die Fruchtwasserembolie
zu nennen. Tumorthromben findet man z.B. beim fortgeschrittenen
Nierenzellkarzinom mit Einbruch in die Nierenvene bzw.Vena cava
inferior.
Pulmonale Vaskultiden
Verschiedene Erkrankungen oder Noxen können
eine pulmonale Vaskulitis bzw. Arteriitis verursachen.
Dazu zählen die Wegenersche Granulomatose, das Churg-Strauss-Syndrom
(eosinophile Granulomatose) und der systemische Lupus erythematodes
und Nebenwirkungen von Medikamenten.
Da sich diese Veränderungen im wesentlichen auf der Ebene der
Kapillaren abspielen, führen sie zu einer restriktiven Lungenerkrankung.
Der M. Wegener ist eine nekrotisierende granulomatöse
Vaskulitis der oberen Atemwege, der Lunge und der Niere mit Bildung
von Autoantikörpern des Typs c-ANCA (anti-neutrophil cytoplasmatic
antibodies, cytoplasmic).
Chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen
Hierbei handelt es sich um ein Spektrum ätiologisch
unterschiedlicher Erkrankungen, bei denen es zu einer chronischen
Einschränkung des Luftstroms in die Lungen kommt. Dabei ist der
Luftstrom vermindert, entweder weil der Atemwegswiderstand erhöht
ist oder weil die Elastizität der Lunge herabgesetzt ist und dadurch
der endexpiratorische Druck vermindert wird. Die wichtigsten Erkrankungen
aus dieser Gruppe sind das Emphysem, das die Alveolen bzw.
Lobuli und die Bronchioli respiratorii betrifft und mit einem
Parenchymverlust einhergeht, ferner die chronische Bronchitis
des gesamten Bonchialbaums, das Asthma bronchiale, das
an den Segmentbronchien bis hinunter zu den Bronchioli eine Verengung
der Luftwege bewirkt, und schließlich die Bronchiektasie,
bei der lokalisiert ein irreversibler Umbau mit entweder sackförmiger
oder zylindrischer Erweiterung der Bronchien entsteht.
Chronische Bronchitis, Emphysem und Asthma treten
oft nebeneinander als gemischtes Krankheitsbild auf.
Diese Erkrankungen werden daher unter den Begriffen
der chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (chronic obstructive
lung disease, COLD, bzw. chronic obstructive pulmonary disease,
COPD, u.a.) zusammengefaßt. Mehrheitlich sind diese Erkrankungen
exogen verursacht, wobei der Zigarettenkonsum und die zivilisatorische
Luftverschmutzung im Vordergrund stehen, im Einzelfall u.a. aber
auch Berufserkrankungen differentialdiagnostisch
zu erwägen sind.
Emphysem
Mit dem Begriff des Emphysems werden im klinischen
Alltag die verschiedenen Formen des Lungenparenchymverlusts mit
Dilatation des Luftraums bezeichnet. Unter den diffusen
Emphysemformen kann man das zentroazinäre Emphysem und
das panacinäre bzw. panlobuläre Emphysem unterscheiden.
Das generalisierte Emphysem ist durch eine Dilatation
der Lufträume oder durch eine Destruktion der Alveolarwände ohne
Narbenbildung gekennzeichnet.
Das zentroazinäre Emphysem ("small airway
disease") findet man mit oder ohne Staubeinlagerung. Es wird
im Allgemeinen durch Staubpartikel geringen Durchmessers ausgelöst.
Diese Staubpartikel erreichen die terminalen Bronchiolen und bleiben
dort liegen, da es hier kein Flimmerepithel und keine schleimbildenden
Zellen gibt. Die Stäube werden phagozytiert und können ggf.
eine Entzündungsreaktion mit Aktivierung von Elastase u.a. Proteasen
auslösen. Wenn diese Enzymaktivität nicht adäquat
durch Inhibitoren abgepuffert wird, folgt ein Abbau elastischer
Fasern und anderer extrazellulärer Matrix. Bei Hustenstößen kommt
es zu einer Ausstülpung wandgeschwächter Areale. Schließlich
resultiert zusammen mit einem Strukturumbau eine Ektasie der terminalen
Bronchiolen, während die weiter peripher gelegenen Alveolen noch
erhalten sind sind. Man findet das zentroazcinäre Emphysem häufig
in den Oberlappen. Es ist oft der Ausgangspunkt einer chronischen
Bronchitis oder Bronchiolitis.
Für die Destruktion von Lungenparenchym ist der
alpha1-Antitrypsin-Mangel besonderes wesentlich. Raucher
sind von den Folgen dieser häufigen Erbkrankheit besonders
betroffen. alpha1-Antitrypsin wird in der Leber gebildet. Wenn
dieses Enzym aufgrund von Mutationen nicht sezerniert werden kann,
wird es in den Hepatozyten abgelagert und induziert eine Zirrhose
(siehe AP-14-10).
Das panazinäre oder panlobuläre Emphysem
wird gleichfalls durch ein Ungleichgewicht von Proteasen und Proteaseinhibitoren
begünstigt. Man findet diese Emphysemform wiederum häufig
bei Rauchern. Anders als bei dem zentroacinären Emphysem spielen
sich die Umbauvorgänge an der gesamten Alveolarwand ab und
sind nicht unmittelbar mit der Ausbildung entzündlicher Infiltrate
assoziiert.
Die klinischen Unterschiede zwischen den beiden
Emphysemformen werden gut durch die Begriffe des "Pink Puffers"
und des "Blue Bloaters" veranschaulicht: Der am panlobulären Emphysem
Erkrankte ist dyspnoisch, weist keine Zyanose und keine Hyperkapnie
auf (Typ 1 der repsiratrischen Insuffizienz) und zeigt im Thorax-Röntgenbild
deutliche Zeichen einer Überblähung. Der Tod tritt bei diesem
Pink Puffer meist in der respiratorischen Insuffizienz ein. Der
Blue Bloater leidet überwiegend an einer Bronchiolitis und entwickelt
ein zentroacinäres Emphysem. Aufgrund der Ventilationsstörung
kommt es auch neben der Hypoxie zur Hyperkapnie und zu einer reaktiven
Polyglobulie sowie Zyanose (Typ 2 der repsiratrischen Insuffizienz).
Im Thorax-Röntgenbild zeigt der Blue Bloater eine vermehrte Gefäßzeichnung.
Der Tod ereilt ihn durch Rechtsherzversagen.
Mit dem Begriff des Emphysems werden auch andere
Formen teils lokalisierter Dilatationen von Lufträumen und pulmonaler
Parenchymdefekte bezeichnet.
Das Traktions- oder Narbenemphysem, auch als irreguläres
Emphysem bezeichnet, bildet sich in der Umgebung von Narbenherden,
z.B. Silikoseknötchen (AP-4-4).
In der Nähe von Narben kann es auch zu einem kompensatorischen
bzw. Überdehnungsemphysem kommen. Für die senile Lungenüberdehnung
mit Bildung subpleuraler Blasen ist der Begriff des bullösen Emphysems
gebräuchlich. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff
des chronisch-substanziellen Emphysems verwendet. Subpleurale
Emphysemblasen können bei Überdruck, z.B. bei kräftigen Hustenstößen
(Keuchhusten !), rupturieren und einen Spontanpneumothorax zur
Folge haben oder ein interstitielles Emphysem bilden, dessen Folge
dann zunächst ein Mediastinal- und schließlich ein im Kragenbereich
zuerst auftretendes Hautemphysem mit Knistergeräuschen bei Betastung
ist.
Chronische unspezifische Bronchitis
Die chronische Bronchitis führt zu einem erhöhten
Strömungswiderstand in den großen Luftwegen.
Nach der WHO-Definition liegt eine chronische Bronchitis
vor, wenn Husten, Auswurf und vermehrte Schleimsekretion über
jeweils 3 Monate in 2 aufeinander folgenden Jahren zu verzeichnen
sind. Die chronische Bronchitis ist dementsprechend eine sehr
häufige Erkrankung und betrifft Patienten in Gegenden mit starker
Luftverschmutzung und, bevorzugt, Raucher. Das mikroskopische
Bild ist variable und gekennzeichnet durch ein Schleimhautödem,
durch eine Hypertrophie der Schleimhaut mit verstärkter Fältelung
der Oberfläche, durch eine Becherzellhyperplasie und durch eine
muskuläre Hypertrophie. Diese Faktoren können unterschiedlich
stark und unabhängig voneinander ausgeprägt sein. Terminal geht
die Erkrankung ggf. in eine Atrophie der Schleimhaut über.
Asthma bronchiale
Das Asthma bronchiale ist durch eine reversible
Obstruktion kleiner Luftwege gekennzeichnet und beruht auf einer
komplexen chronisch-entzündlichen Reaktion der Bronchialschleimhaut.
Man kann dabei allergische von nicht allergisch
bedingten Zuständen unterscheiden kann. Das allergische ausgelöste
Asthma läßt sich durch Allergenkarenz bzw. Hyposensibilisierung
behandeln, bei den nicht allergisch bedingten Asthmazuständen
bleibt nur die symptomatische Therapie. Das mikroskopische Bild
ist demjenigen der chronischen uncharakteristischen Bronchitis
sehr ähnlich, zusätzlich treten eine deutliche Hyalinisierung
und Verbreiterung der Basalmembran sowie unterschiedlich dichte
Infiltrate aus eosinophilen Granulozyten auf. Im zytologischen
Ausstrichpräparat kann man im Schleim bei Asthma bronchiale
oft die sog. Curschmann'schen Spiralen und die aus den
eosinophilen Granulozyten stammenden Charcot-Leyden'schen Kristalle
nachweisen.
Ein Asthmaanfall kann durch Allergene, kalte Luft,
Rauch u.a. direkt, aber auch indirekt z.B. durch Stress ausgelöst
werden. Der Asthmaanfall ist ein u.U. lebensbedrohlicher Notfall.
Durch die Konstriktion von Bronchiolen und die Massen zähen
Schleims wird vor allem die Ausatmung behindert. Dadurch kommt
es zu einer Überblähung der Lungen: die Lungen eines
im Status asthmaticus Gestorbenen zeigen nach Eröffnung
des Thorax eine Überlappung der Lungenränder über dem Mediastinum.
Bronchiektasie
Unter einer Bronchiektasie versteht man eine
abnorme Ausweitung des Bronchialbaums. Bronchiektasen begünstigen
Infektionen.
Zwei Formen können unterschieden werden: sackförmige,
lokalisierte Bronchiektasen und generalisierte, zylindrische Bronchiektasen.
Bronchiektasen können auch in angeborener Form auftreten, sind
aber meist erworben und finden sich insbesondere bei Rauchern.
Durch die Ausweitung ist die Entleerung des Bronchialsekrets erschwert.
Das retinierte Bronchialsekret begünstigt Infektionen. Bronchiektasen
sind daher insbesondere bei Patienten mit Immundefekten ein klinisches
Problem.
Bronchiektasen finden sich oft auch bei angeborenen
Schleimhauterkrankungen wie der Mucoviszidose (AP-14-8)
mit abnormer Viscosität des Bronchialsekrets und beim Syndrom
der ziliären Dyskinesie. Bei diesem Syndrom (Kartagener-Syndrom)
sind die Zilienarchitektur und -funktion und daher die Sekretdrainage
gestört. Ein Teil der Patienten weist einen Situs inversus
auf. Andere Ursachen von Bronchiektasen können Obstruktionen
proximal der Ektasie, z.B. durch Tumoren oder Fremdkörper, sein.
Als ursächlich werden auch rezidivierende und persistierende Infekte
angenommen, die die Bronchuswände schwächen. Ferner gibt es Bronchiektasien,
die nicht eindeutig mit Infektionszuständen oder exogenen Noxen
in Zusammenhang gebracht werden können (idiopathische Bronchiektasien).
Bronchiolitis obliterans
Die Bronchiolitis obliterans mit organisierender Pneumonie (BOOP)
ist eine in den Bronchioli angreifende Entzündung mit Epitheldestruktion
und Bildung eines fibrinreichen Exsudates in den Bronchioli und
den angrenzenden Alveolen. Durch Organisation des Exsudats entstehen
Bindegewebspfröpfe, die aus den Bronchioli in die Alveolen
hineinreichen. Ursächlich können u.a. verschiedene Medikamente
sein.
Restriktive Lungenerkrankungen
Das wichtigste Merkmal restriktiver Lungenerkrankungen
ist eine diffuse Schädigung der Alveolarwände (DAD).
Nach dem zeitlichen Verlauf der Symptomatik kann
man akute und chronische restriktive Lungenerkrankungen unterscheiden.
Gemeinsames Merkmal akuter restriktiver Lungenerkrankungen ist
die diffuse Schädigung der Alveolarwände (DAD, diffuse alveolar
damage).
ARDS, IRDS
Das Atemnotsyndrom des Erwachsenen (ARDS) ist
eine akute restriktive Lungenerkrankung auf dem Boden einer diffusen
Alveolarschädigung (DAD).
Als Prototyp akuter restriktiver Lungenschädigung
gilt die Schocklunge (Atemnot-Syndrom des Erwachsenen,
ARDS, adult respiratory distress syndrome). Die Schockreaktion
verläuft in der Lunge in drei Phasen: Initial die Bildung
eines proteinreichen hämorrhagischen alveolären Exsudats,
sodann Ödem und Entzündung des Interstitiums und, drittens,
Organisation des Exsudats mit Bildung eines faserreichen Narbengewebes.
 
Das Atemnotsyndom des Neugeborenen (IRDS; infant
respiratory distress syndrome) ist eine restriktive Lungenerkrankung,
die sich bei unreifen Neugeborenen infolge eines absoluten oder
relativen Surfactantmangels bildet.
Durch die versuchte Belüftung entsteht eine
Überdehnung der terminalen Bronchiolen, während die
Kapillaren kollabiert bleiben. Ggf. treten sekundäre Schäden,
z.B. durch Sauerstofftoxizität, hinzu. Sowohl beim ARDS als
auch beim IRDS ist das führende histologisch Zeichen die Ausbildung
sog. hyaliner Membranen. Unter hyalinen Membranen werden tapetenartig
die Alveolen auskleidende, unterschiedlich dicke, PAS-positive
(hoher Gehalt an Glykokonjugaten !) Niederschläge verstanden (AP-13-8).
Nicht-infektiöse restriktive Lungenerkrankungen
Diesen Erkrankungen unterschiedlicher Ätiologie
sind die Entzündung und Fibrose der Alveolarwände gemeinsam.
Das Bild der Entzündung, die zelluläre Zusammensetzung
und das Ausmaß der Mitbeteiligung von Alveolen sowie der
zeitliche Verlauf der Erkrankung sind unterschiedlich. In vielen
Fällen bleibt die Ätiologie ungeklärt (idiopathische
interstitielle Pneumonie). Dementsprechend werden verschiedene
Formen der nicht-infektiösen interstitiellen Pneumonie (IP)
unterschieden: die gewöhnliche (usual IP, UIP), die gewöhnliche
IP mit Bronchiolitis obliterans (BIP), die desquamative IP (DIP),
die lymphozytäre IP (LIP), die Riesenzell-IP (giant cell
IP, GIP) und, mit akutem Verlauf, die akute IP (AIP, Hamman-Rich-Syndrom).
In einem Teil der Fälle kann die Lungenerkrankung
auf Immunreaktionen (Immunvaskulitis, allergische Alveolitis u.a.)
oder auf exogene Noxen (z.B. Pneumokoniosen wie die Berylliose,
exogen-allergische Reaktionen auf organische Stäube bzw.
Inhalationsallergene, Medikamente
wie Busulfan, Bestrahlung u.a.) zurückgeführt werden.
In anderen Fällen ist die Lungenschädigung mit System-
bzw. Autoimmunerkrankungen (rheumatoide Arthritis, Dermatomyositis,
Sklerodermie, M. Bechterew, systemischer Lupus erythematosus u.a.)
assoziiert.
Bei einige Systemerkrankungen wie der Sarkoidose
und einigen Pneumokoniosen sind Granulome das charakteristische
histologische Merkmal.
Die Sarkoidose äußert sich in einer granulomatösen
Entzündung mit Fibrose innerhalb des Lungenparenchyms.
Oft sind auch broncho- und pulmohiläre Lymphknoten betroffen,
die dann aufgrund ihrer Vergrößerung eine Kompression von Bronchien
verursachen können (siehe auch AP-6-1)
.
Eine pulmonale Eosinophilie (sog. Eosinophilenpneumonie)
findet man oft bei Pilzallergien, bei Medikamentenreaktionen,
dem Churg-Strauss-Syndrom und, differentialdiagnostisch wichtig,
bei Pneumozoonosen (z.B. bei einer Wurmpassage).
Bei anderen Syndromen ist das vorherrschende Bild
das der diffusen pulmonalen Hämorrhagie (diffuse pulmonary
hemorrhage, DPH), z.B. beim Goodpasture Syndrom, bei Nephropathien
ohne immunologische Ursache, bei der idiopathische Lungensiderose
und bei verschiedenen Vaskulitiden wie dem M. Wegener und dem
Lupus erythematosus und bestimmten Medikamentenreaktionen.
Das Goodpasture-Syndrom wird durch Autoantikörper gegen
Basalmembran-Kollagen der Lunge und der Niere (AP-11-2)
hervorgerufen.
Bei den Alveolar-Proteinosen kommt es zu einer intraalveolären
Ablagerung hyaliner Massen stark PAS-positiv reagierender Glykoproteine.
Die interstitelle Ablagerung von Amyloid kann ebenfalls
eine restriktive Lungenerkrankung bewirken.
Chronische interstitielle Lungenerkrankungen
sind durch eine Entzündung und Fibrose der Alveolarwände gekennzeichnet.
Im Endstadium dieser Erkrankungen zeigt das Lungenparenchym oft
eine Vernarbung und einen Umbau unter den Bildern der sog. Lungenzirrhose,
der emphysematösen Lungensklerose bzw. der Wabenlunge
(honeycomb-lung).
Das Endstadium der chronischen interstitiellen
Lungenfibrose ist oft die Wabenlunge (honeycomb lung).
Pneumokoniosen
Pneumokoniosen sind respiratorische Erkrankungen,
die durch Inhalation von anorganischen oder organischen Stäuben
bedingt sind.
Es handelt sich also um Berufs-
und Umwelterkrankungen. Es kommt nach Art der Noxe zu einer
restriktiven, einer obstruktiven oder einer kombinierten Schädigungsform.
Anthrakose
Mit zunehmendem Alter lagert sich in der Lunge Kohlenstaub (Anthrax)
ein. Der Kohlenstaub stammt einerseits aus Verbrennungsabgasen
des Straßenverkehrs, dem Hausbrand oder insbesondere auch
aus dem Zigarettenrauch. Die Anthrakose ist vergleichsweise harmlos,
da die Kohlenstaubpartikel meist chemisch inert sind. Sie werden
von Makrophagen aufgenommen und transportiert, um dann im Lungengerüst
oder in lymphatischem Gewebe ablagert zu werden. Durch die Ablagerung
anthrakotischen Pigments werden auch häufig die Septen des Lungengerüsts
nachgezeichnet und an der Pleura erkennbar. Sofern die Anthrakose
mit einer Quarzstaubablagerung verbunden ist und damit Krankheitscharakter
erhält, bezeichnet man sie als Anthrakosilikose.
Silikose
Die Silikose wird durch Inhalation quarzhaltiger
Stäube verursacht.
 
Diese Stäube werden in Makrophagen unter Bildung
von Kieselsäure abgebaut. Dieser Prozess geht sehr langsam vor
sich, so daß bei entsprechender chemischer-physikalischer
Zusammensetzung die Stäube ggf.sehr lange erhalten bleiben. Kieselsäure
ist für die Makrophagen toxisch, sie gehen an den Kristallen zugrunde
und setzen kontinuierlich, inesondere aber beim Zelltod immer
wieder von neuem eine Reihe von Mediatoren, Enzymen etc. frei,
wobei jeweils eine Entzündungsreaktion mit starker Aktivierung
ortsständiger Fibroblasten entsteht. Da die Makrophagen die
Quarzkristalle ebenso wie den Kohlenstaub in bestimmten Arealen
anreichern, verstärken sich diese Effekte, so daß sich im
Lungenparenchym kleine Knötchen ausbilden, die sich - die entsprechende
chemische Zusammensetzung der Stäube vorausgesetzt - progredient
vergrößern können.
Es gibt in Abhängigkeit von der Menge und
der physiko-chemischen Beschaffenheit der Stäube die leichte
und die schwere (progrediente) Verlaufsform der Bergmannslunge.
Aufgrund der Freisetzung von Enzymen findet man
im Zentrum dieser Narbenknoten teilweise auch eine Erweichung
("erweichte Schwiele"). Abgesehen von der Destruktion
des Lungenparenchyms innerhalb der kleinen knötchenförmigen Narben,
spielen die Veränderungen des umgebenden Parenchyms im Sinne des
Traktions- oder Narbenemphysems eine große Rolle (siehe AP-4-4).
Entsprechend zahlreiche diffus verteilte Knötchen können daher
eine schwere obstruktive Lungenerkrankung verursachen. Das Risiko,
an einer aktiven Lungentuberkulose zu erkranken, ist bei SIlikosekranken
stark erhöht.
Asbestose
Asbest verursacht einige wichtige Erkrankungen
der Lunge und der Pleura. Eine Asbestose führt zu einer Lungenfibrose,
die Fasern sind in der Lunge nachweisbar. Die Asbestexposition
ist mit bestimmten malignen Tumoren, vor allem dem Pleuramesotheliom,
verquickt.
Die Verwendung von Asbest und entsprechend die berufliche
Exposition gegenüber Asbest war bis vor kurzem weit verbreitet
(Isolierungen, Bremsbeläge, Asbestzement). Zwei mineralische
Formen des Asbest, weißer (Serpentin-) Asbest und Amphibolasbest
können unterschieden werden, wobei zumeist längeren
Fasern (> 10 mm) der Amphibolasbeste die längste Verweilzeit
im Körper und die stärksten pathogenen Wirkungen haben.
Dosis- und zeitabhängig erzeugen Asbeststäube eine Lungenfibrose.
An der parietalen Pleura sind als Nebenbefund oft charakteristische
plattenförmige hyaline Ablagerungen (sog. Pleuraplaques) zu finden,
in denen aber keine Asbestnadeln abgelagert sind. Darüberhinaus
wirken Fasern des Amphibolasbestes kanzerogen, da man nach Asbeststaubexposition
eine erhöhte Inzidenz des malignen Mesothelioms an der Pleura,
dem Perikard, dem Peritoneum und, neuerdings ebenfalls als Berufserkrankung
anerkannt, des Bronchialkarzinoms und des Kehlkopfkarzinoms findet.
In schweren Fällen können die Asbestnadeln bereits lichtmikroskopisch
im Lungenparenchym auffallen (siehe AP-4-3).
Pneumonien
Unter einer Pneumonie wird eine infektiöse Lungenentzündung verstanden.
Normalerweise sind die tiefen Abschnitte des Lungengewebes steril.
Eine Pneumonie tritt daher erst dann auf, wenn die Erreger entweder
eine sehr hohe Infektiosität besitzen, also schon wenige Organismen
eine Erkankung bewirken, bzw. die Widerstandskraft systemisch
oder lokal herabgesetzt ist.
Eine infektiöse Entzündung und Verdichtung der
Lunge wird als Pneumonie bezeichnet. Prädisponierende Faktoren
für Pneumonien sind Schädigungen der Bronchialschleimhaut
durch Virusinfektionen.
Man kann die Pneumonien nach verschiedenen Gesichtspunkten
unterteilen, die aus dem jeweiligen Blickwinkel durchaus sinnvoll
sind. Zum einen kann man eine mikrobiologische Klassifikation
vornehmen und dem Erreger entsprechend z.B. von einer Pneumokokken-,
Haemophilus- oder Klebsiellen-Pneumonie, Influenza-Virus-, Pneumocystes
carinii- oder Pilzpneumonie sprechen. Diese Einteilung ist insbesondere
dann sinnvoll, wenn eine gezielte mikrobiologische Diagnostik
und eine adäquate Therapie möglich sind. Andere Einteilungen richtet
sich mehr nach klinischen und epidemiologischen Kriterien. So
kann man nosokomiale von nicht nosokomialen Pneumonien
trennen, da sich das Erregerspektum und dementsprechend die antibiotische
Therapie deutlich voneinander unterscheiden. Unter diesen Gesichtspunkten
kann man auch Pneumonien bei immunkompetenten von denjenigen bei
immunsupprimierten Patienten abgrenzen, da bei letzteren opportunistische
Infektionen öfter auftreten. Ferner kann man unter
einer primären Pneumonie eine solche ohne einen Lungenvorschaden
und unter einer sekundären Pneumonie eine Lungenentzündung
auf dem Boden einer vorgeschädigten Lunge verstehen. Pneumonien,
die unter besonderen Bedingungen und mit besonderem Verlauf auftreten,
werden dann auch als atypische Pneumonien bezeichnet (z.B.
die Psittakose-Pneumonie oder die Pneumocystes carinii-Pneumonie).
Nach dem zeitlichen Verlauf und dem Reaktionsmuster
kann man die Pneumonien zunächst in akute und chronische
Formen, dann nach dem anatomisch-pathologischen Bild in
alveoläre und interstitielle Pneumonien, und die
alveolären Pneumonien schließlich in die Lobärpneumonie
und die Herdpneumonie einteilen. Ätiologisch oder
epidemiologisch orientierte Pneumonie-Klassifikationen sind jedoch
nicht ohne Weiteres auf pathologisch-anatomische Befunde zu übertragen,
da nur wenige Erreger charakteristische morphologische Veränderungen
bewirken.
Lobärpneumonie

Eine Lobärpneumonie tritt auf, wenn die Erreger
die Alveolarräume so ausgedehnt und rasch befallen, daß
sie erst vor anatomischen Grenzen (z.B. einem Lappenspalt) Halt
machen.
Die Kohn'schen Poren sind für die rasche Ausbreitung
wesentlich. Die Lobärpneumonie setzt schlagartig mit Fieber, Schüttelfrost
und Dyspnoe ein und ist in 50 - 85% der Fälle durch Pneumokokken
verursacht. Da Pneumokokken antibiotischer Therapie gut zugänglich
sind, findet man die Lobärpneumonie weitaus seltener als früher.
Weitere Erreger von Lobärpneumonien sind Staphylococcus
aureaus und Klebsielle pneumoniae. Die Lobärpneumonie
ist überwiegend in Unterlappen lokalisiert, rechts häufiger als
links. Bei Befall mehrerer Lappen können in den Lappen unterschiedliche
Stadien der Erkrankung synchron auftreten.
Morphologisch sind 4 charakteristische Stadien
der Lobärpneumoniezu zu unterscheiden:
1. Anschoppung (1. -2. Tag) (AP-5-2)
Das betroffene Lungengewebe ist schwer, blutreich,
dunkelrot und verfestigt, der Luftgehalt ist vermindert. Perkutorisch
findet man eine Dämpfung. Beim Einschneiden fließt eine trübe,
zähflüssige oder auch schaumige Flüssigkeit ab. Das Sputum ist
"pflaumenbrüh"-artig. Als Ausdruck einer Immunstörung
kann ein Herpes labialis hinzutreten.
Mikroskopisch zeigt sich eine seröse Entzündung
mit einweißreichem Exsudat in den Alveolen, wobei hier auch Pneumokokken
oder auch andere Erreger gegebenenfalls nachweisbar sind. Die
Kapillaren sind hyperämisch und prall gefüllt. Auf Grund bereits
beginnender Kapillarschädigung kommt es zu einer Anreicherung
des Exsudates mit Erythrozyten, wobei allerdings noch wenige Leukozyten,
Makrophagen usw. vorhanden sind.
2. Rote Hepatisation (2.-3. Tag)
Jetzt findet man ein festes und brüchiges Lungengewebe mit dunkelroter
Schnittfläche durch eine zunehmende Gerinnung. Die Schnittfläche
ist trocken und durch Fibrinpfröpfe körnelig. Es tritt eine fibrinöse
Begleitpleuritis auf. Mikroskopisch zeigt sich eine hämorrhagische
Entzündung mit Zunahme der Fibrinexsudation und Ausbildung eines
Netzwerkes von Fibrin innerhalb der Alveolen. Die Kapillaren sind
weit und blutgestaut. Im Exsudat kommt es zunehmend zum Zerfall
der Erythrozyten, die Infiltration mit Leukozyten und Makrophagen
setzt ein.
3. Graue Hepatisation (4.-6. Tag)
Die Schnittfläche wird körnelig, grau, trocken und brüchig. Das
Lungengewicht nimmt erheblich zu. Mikroskopisch findet man eine
vorherrschend fibrinöse Entzündung mit einem dichten Fibrinnetz,
das über die Kohn'schen Poren miteinander in Verbindung steht.
Die Erythrozyten sind bereits weitgehend lysiert und man findet
durch Öffnung der in den vorherigen Stadien verschlossenen Arteriolen
eine massive Leukozytenimmigration. Es folgt eine Resorption des
Fibrinnetzwerkes und eine zunehmende Anreicherung des Exsudats
mit Makrophagen, dadurch erfolgt auch eine Volumenzunahme. In
diesen Zeitraum fällt auch die Entwicklung typenspezifischer Antikörper
gegen Pneumokokken.
4. Gelbe Hepatisation (7.-8. Tag)
Makroskopisch zeigt sich eine weniger körnelige Schnittfläche,
vielmehr treten gelbliche, trüb-schmierige und später auch eitrige
Massen auf, die dem Messer anhaften. Mikroskopisch findet man
massenhaft Granulozyten (Eiter), durch deren Enzyme das Fibrinnetz
verdaut wird. Die zerfallenen Leukozyten werden durch Makrophagen
resorbiert, die auf Grund der Zunahme der Membranbestandteile
einen Schaumzellcharakter entwickeln und dem Gewebe eine gelbliche
Färbung vermitteln. Die Mikrozirkulation beginnt wieder einzusetzen.
Gleichzeitig kommt es zu einer trüben Expektoration.
Die Lyse und Regeneration mit restitutio ad integrum dauert
4-8 Wochen und wird von Fieber eingeleitet, das Zeitgleich mit
dem Auftreten typenspezifischer Pneumokokkenantikörper zusammenfällt.
Man findet auskultatorisch ein Entfaltungsknistern, die Crepitatio
redux.
Komplikationen
Wenn die Pneumonieresiduen 4 Wochen nach Entfieberung noch auftreten,
spricht man von einer verzögerten Lyse und von einer chronischen
Lobärpneumonie, wenn noch 6 Wochen nach Entfieberung Pneumonieresiduen
erkennbar sind. Wenn die Lyse infolge eines Granulozytenmangels
ausbleibt, dann folgt eine Organisation des Fibrinnetzwerkes durch
ein Granulationsgewebe, das von den Bronchioli respiratorii den
Ausgang nimmt. Dieses kann bereits im Stadium der grauen Hepatisation
beginnen. Diese Lysestörungen kommen unter antibiotischer Therapie
häufiger vor, weil hier ein relativer Leukozytenmangel vorliegt.
Diese Karnifikation führt zu Vernarbungen und damit zu
Sekundärkomplikationen. Begleiterscheinungen der Lobärpneumonie
sind die serofibrinöse Pleuritis und, seltener, die eitrige Pleuritis
mit Pleuraempyem. Da in etwa jedem achten Fall von Pneumokokken-Lobärpneumonie
eine Bakteriämie durch die Blutkultur nachweisbar ist, können
durch hämatogenen Streuung Meningitiden, und ggf. auch ulcerothrombotische
Herzklappenentzündungen, Knochenmarks- und Gelenksentzündungen
auftreten. In weniger als 10% der Fälle entstehen auf Grund einer
eitrigen Einschmelzung Lungenabszesse. Die Lobärpneumonie
wird bei etwa 1% der an einer Pneumonie Verstorbenen diagnostiziert.
Die Mortalität ist altersabhängig und liegt bei über 60-jährigen
bei über 20%.
Herdpneumonie
 
Die lobuläre oder Herdpneumonie tritt unter den Formen der Bronchiopneumonie
(aerogen oder endobronchial), einer konfluierten Pneumonie, einer
peribronchialen Herdpneumonie (Durchwanderungspneumonie) oder
in Form einer septikopyämischen Herdpneumonie auf.
Eine Bronchopneumonie findet man, wenn Erreger
die Bronchien befallen haben und sich auch auf die Alveolen ausbreiten.
Im Gegensatz zur Lobärpneumonie ist die Bronchopneumonie (AP-5-3)
nicht selten und gehört heute zu den häufigsten Todesursachen.
Makroskopisch findet man auf der Schnittfläche der Lunge multiple
Herdbildungen, in deren Zentrum meist ein kleinerer Bronchus anzutreffen
ist. Die für die Lobärpneumonie typischen Stadien können hier
innerhalb kleiner Areale nebeneinander zeitgleich vorkommen. Man
findet eine fibrinöse, teils auch fibrinös-eitrige Pleuritis.
Bei Konfluenz mehrerer Herde kommt es oft zu Einschmelzungen (Abszessen).
Diese Komplikation tritt bei verminderter Widerstandsfähigkeit
des Organismus, bei Alkoholkrankheit, hohem Alter, Immunsuppression,
Agranulozytose usw. vermehrt auf.
Nosokomiale Pneumonien werden meist durch gramnegative,
nicht-nosokomiale Pneumonien werden häufig durch grampositive
Bakterien verursacht.
Im Vergleich zu den Lobärpneumonien findet man bei Herdpneumonien
ein weitaus breiteres Erregerspektrum. Staphylokokken-Pneumonien
sind typische nosokomiale Infektionen, die sich z.B. auf virale
Luftwegsinfektionen aufpfropfen. Die Erreger werden aerogen übertragen
und bewirken eine stark eitrige Entzündung, oft mit Abszessen,
mit einem Begleitempyem und, bei subpleuraler Lage von Einschmelzungen,
mit einem Pneumothorax.
Streptokokken breiten sich initial meist bronchogen-deszendierend
nach Masern und Grippe-Infektionen aus und verteilen sich später
lymphangisch in den Lungensepten. Dieses führen fast regelmäßig
zu einer Mitbeteiligung der Pleura und zu Abszessen, deren Bildung
durch bakterielle Enzyme wie Streptokinase und Hyaluronidase gefördert
werden. Durch lokale Vernarbungen und Umbauvorgänge am Bronchialbau
entstehen durch Streptokokken-Infektionen oft Bronchiektasen.
Die Friedländer-Pneumonie wird durch das gramnegative
Stäbchenbakterium Klebsiella pneumoniae hervorgerufen.
Man findet an den Lungen eine eine Herd- oder Lobärpneumonie
mit viskös-schleimiger, fadenziehender Schnittfläche.
In dem Exsudat ist das Bakterium oft in Massen nachweisbar.
Die Legionärskrankheit (Legionellose) wurde 1976
erstmals bei Teilnehmern eines Kongresses der American Legion
in Philadelphia beobachtet. Diese Herdpneumonie wird durch Legionella
pneumophila hervorgerufen, das sich aerogen z.B. über
Klimaanlagen verbreitet. Die Infektion verläuft insbesondere
bei immungeschwächten Individuen mit einer hohen Letalität.
Herdpneumonien durch gramnegative Erreger wie Haemophilus
influenzae, Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa
und Salmonellen findet man häufig alsi sekundäre Pneumonien,
vor allem bei nosokomialen Infektionen und bei Abwehrschwäche.
Diese Pneumonien sind wegen der hohen Antibiotika-Resistenz einiger
Erreger oft schwierig zu behandeln und haben eine hohe Letalität.
Als seltene Erreger von Herdpneumonien sind Meningokokken,
Bacillus anthracis (Milzbrand-Pneumonie), Yersinia pestis
(Pestpneumonie), Francisella tularensis (Hasenpest-Pneumonie)
und Actinobacillus mallei (Rotzpneumonie) zu nennen. Besonders
betroffen sind bestimmte Endemiegebiete (Pest) und Personen, die
beruflichen Umgang mit Pferden
(Rotz), Wolle und Fellen infizierter Tiere (Milzbrand) oder wildlebenden
Kaninchen und Hasen (Tularämie) pflegen.
Sekundäre Pneumonien: Aspirationspneumonie
Eine Aspirationspneumonie wird durch eine chemische
und infektiöse Schädigung der Lunge verursacht.
Die Aspirationspneumonie ist eine Sonderform, da hier chemische
Noxen (saurer Magensaft, proteolytische Enzyme) und bakterielle
Erreger zusammentreffen. Bei frischen Aspirationspneumonien durch
Magensaft findet man auch postmortal eine weitere Einschmelzung
des Gewebes durch die Enzym- und Säurewirkung. Die Aspiration
von Mageninhalt kann ggf. geruchlich diagnostiziert werden, in
späteren Stadien wird der olfaktorische Eindruck vom jauchigen
Zerfall bestimmt. Das Erregerspektrum ist breit, und Mischhinfektionen
sind häufig. Besonders gefährlich sind die hier möglichen
Infektionen durch Anaerobier, die rasch progrediente gangräneszierende
Infektonen hevorrufen.
Interstitielle Pneumonien
Erregerbedingte interstitielle Pneumonien sind hauptsächlich
auf Mykoplasmen, Chlamydien, Rickettsien und Viren zurückzuführen
und zeigen gewöhnlich eine akute Verlaufsform. Das klinische
Bild ist meist das einer atypischen (also ungewöhnlichen)
Pneumonie. Dieses gilt insbesondere auch für die bei Immunsupprimierten
auftretenden Cytomegalovirus (CMV)-Pneumonie und die Pneumocystis
carinii-Pneumonie (PcP). Die morphologischen Veränderungen
sind mit Ausnahme bestimmter Virusinfektionen und der PcP meistens
uncharakteristisch. Man findet zumeist neben Epithelschäden
interstitielle lymphozytäre Infiltrate. Durch bakterielle
Superinfektionen kann dieses Bild aber verschleiert werden.
Mykoplasmen, Chlamydien und Rickettsien sind intrazelluläre
Bakterienformen. Mykoplasmen werden aerogen durch Kontakt mit
Erkrankten übertragen und vermehrern sich im respiratorischen
Epithel. Chlamydia ornithosis bzw. psittaci als
Erreger der Ornithose-/Psittakose-Pneumonie werden von Vögeln
(Papageien, Tauben, Enten, Wellensittichen u.a.) übertragen.
Diese Erreger schädigen das Bronchialepithel und die Alveolardeckzellen.
Coxiella burneti als Erreger des Q-Fiebers wird als Epizoonosen
durch Insekten, aber auch aerogen und durch Genuß roher
Milch übertragen. Die Lungen sind daher bei dieser Rickettsiose
nur in einem Teil der Erkrankungsfälle in Form einer interstitiellen
Pneumonie betroffen.
Virusinfektionen der Lunge führen zu einer Entzündung
des Lungeninterstitiums.
Viruspneumonien sind nicht nur auf die im eigentlichen
Sinne pneumotropen Viren (Influenza-, Parainfluenza-, Newcastle
disease-, RS-Viren) beschränkt, sondern finden sich auch
im Sinne einer Begleitpneumonie bei anderen Virusinfektionen (Masern,
Mumps, Varizellen, Adenoviren, CMV u.a.). Die Grippe-Pneumonie
(Influenza) kann u.U. perakut und dann meist tödlich
mit ausgedehnten alveolären Hämorrhagien verlaufen.
Häufiger sind jedoch Influenza-Fälle, bei denen weniger
der zytopathische Effekt der Virusinfektion als vielmehr die bakterielle
Superinfektion verlaufsbestimmend ist. Einige Viruserkrankungen
sind morphologisch (ggf. unter Beiziehung der Immunhistologie
oder der in situ Hybridisierung zum Nachweis viraler Genprodukten
in infizierten Zellen) diagnostizierbar, entweder weil die Virus-infizierten
Zellen (Virozyten) eine besondere Form annehmen oder zytoplasmatische
bzw. nukleäre Einschlußkörperchen aufweisen. Hierzu
zählen die Masern-Pneumonie (Hechtsche Riesenzellen), die
RS (respiratory syncytial) Virus-Pneumonie (zytoplasmatische Einschlüsse),
die Adenovirus- und Varizellen-Pneumonien (Kerneinschlüsse
in ein-bis- zweikernigen Riesenzellen) und die CMV-Pneumonie mit
Bildung der pathognomonischen "Eulenaugenzellen" (siehe
auch (AP-4-12).
Immunsupprimierte Patienten entwickeln oft Pneumonien
im Rahmen opportunistischer Infektionen.
Eine überwiegend interstitelle Entzündungsreaktion
verursacht, trotz intraalveolärer Lage seiner Kolonien, der
opportunistische Erreger Pneumocystis carinii (siehe AP-4-12).
Pneumomykosen
Pilzinfektionen der Lunge rufen eine destruierende
Entzündung hervor.
Pilze können die Lunge vorwiegend in Form direkter
Besiedelung (invasive und nicht-invasive Mykosen) und durch Allergie
auf Pilzprodukte wie Sporen usw. (Mykoallergosen) schädigen.
Pilze sind ganz überwiegend fakultativ pathogene bzw. opportunistische
Keime, die nur bei herabgesetzter Immunabwehr lokale, aber auch
- nach hämatogener Streuung - systemische und dann z.T. tödliche
Infektionen (Pilzsepsis, siehe AP-5-9)
verursachen können.
Die wichtigsten europäischen Pneumomykosen
sind die Candidose, die Aspergillose (siehe auch AP-4-11)
und die Kryptokokkose, die meist aerogen bzw. bronchogen, seltener
hämatogen das Lungenparenchym erreichen. Candida- und Aspergillus-Arten
bewirken Nekrosen der näheren Umgebung, die bei entsprechender
Größe makroskopisch als zentral trockene und kittartige,
gelbliche Herde auffallen. Von diesen Herden kann eine hämatogene
Aussaat ihren Ausgang nehmen. An belüfteten Schleimhäuten
können ggf. Sporenträger (Sporangien) ausgebildet werden.
Neben den invasiven Mykosen durch die genannten Pilze sind insbesondere
Aspergillen in der Lage, die Oberflächen präformierter
Hohlräume (Bronchiektasen, Kavernen usw.) lokal nicht-invasiv
zu besiedeln und dort Myzelien in Form eines Pilzballes ("Aspergillom")
auszubilden.
Pneumozoonosen
Die Lunge ist bei einigen Protozoonosen
gelegentlich mitbetroffen, z.B. bei der Amöbiasis mit der
möglichen Ausbildung von Lungenabszessen, bei der Toxoplasmose
und der Leishmaniose (pulmonale Kala-Azar).
Die Lunge ist bei bestimmten Helminthosen
eine Passagestation im Zuge der Larvenentwicklung einiger Würmer
(z.B. bei Ascaris lumbricoides). Die Larven treten nach
Vollendung ihres Lungen-typischen Entwicklungsschritts in das
Bronchiallumen über, werden abgehustet und verschluckt. Die
Lunge wird meist auf dem auf dem Blutwege, in einigen Fällen
aber auch transpleural (z.B. bei Paragonimus westermani)
erreicht. Bei der Zystizerkose und der Echnikokkose kann die Lunge
endgültiger Absiedlungsort der Würmer bzw. ihrer Entwicklungsformen
sein. Die Parasiten werden von oft dichten Infiltraten eosinophiler
Granulozyten begleitet.
Tuberkulose
 
Die Immunreaktion auf Mykobakterien wird von der individuellen
Abwehrlage und dem zeitlichen Verlauf bestimmt. Die initiale Mykobakterieninfektion
der Lunge verursacht eine umschriebene Herdpneumonie, also eine
exsudative Reaktion, meist im rechten Unterlappen. Die Granulozyten
können den Mykobakterien jedoch nichts anhaben, diese vermehren
sich in den Makrophagen. Da noch keine Abwehr aufgebaut ist, wandern
die infizierten Makrophagen in den tributären Lymphknoten.
Wenn jetzt die T-Zell-vermittelte Abwehr (Typ IV) einsetzt (Tuberkulin-Reaktion
wird positiv !), kommt es an beiden Orten zu einer produktiven
granulomatösen Reaktion (siehe AP-6-2).
Es bildet sich der Ghon'sche Primärkomplex (Anton Ghon, Prag
1912), der im weiteren vernarbt (etwa 3 Monate), verkalkt (3 -
5 Jahre), verknöchert (10 Jahre) oder sogar versteinert (Jahrzehnte).
Die Größe richtet sich nach den Ausmaßen der
ursprünglichen Verkäsung. Bei Kindern ist der Lymphknotenherd
oft größer als der Lungenherd, bei Erwachsenen ist dagegen der
Lungenherd gewöhnlich größer als der Lymphknotenherd. In
der Mehrzahl der Fälle ist die Primärinfektion mit der
unkomplizierten Abheilung des Primärkomplexes beendet. Die Narben
des Primärkomplexes können jedoch noch über Jahre
hinweg lebensfähige Mykobakterien enthalten.
Je nach Abwehrlage und Virulenz des Erregers kann die Primärinfektionsperiode
jedoch fortschreiten, wobei die Erkrankung vom Lungenherd, dem
Lymphknotenherd oder von beiden ausgehen kann (progressive Tuberkulose).
Aus dem Lungenherd kann die Infektion unter dem Bild einer exsudativen
Entzündung zur Einschmelzung des Lungengewebes per continuitatem
führen (Primärherdphthise). Es können sich eine
Kaverne ("Primärkaverne"), die sich bei Anschluß
an das Bronchialsystem "reinigt" (bronchogene Streuung,
offene Lungentuberkulose!), oder eine Pleuritis exsudativa bilden.
Aus dem Lymphknotenherd kann sich eine Hilus-Tuberkulose entwickeln,
die ebenfalls per continuitatem als lymphonoduläre
Perforationsphthise auf angrenzendes Lungenparenchym und die Pleura
übergreifen kann. Bei geringer Virulenz bzw. geringer Bakterienlast
induziert die hämatogene Frühstreuung apikale Herde
in den Lungenoberlappen (Simon'sche Spitzenherde, Simon 1924).
Bei hoher Virulenz bzw. hoher Erregerlast entsteht eine gerneralisierte
Streuung mit Ausbildung hirsekorngroßer Granulome in potentiell
allen Organen (Miliartuberkulose; milium = Hirsekorn).
Aus der Miliartuberkulose können sich verschiedenartige Organtuberkulosen
(z.B. "Kittniere" bei Urogenitaltuberkulose, basale
Meningealtuberkulose, Knochentuberkulose usw.) bilden. Nach Abheilung
dieser Herde kommt es auch hier zu einer Latenz der Erreger, die
z.T. Jahrzehnte andauern kann.
Nach Ausheilung von Herden der Primärinfektionsperiode kann
eine postprimäre Tuberkulose durch Reinfektion (Sekundärinfektion)
eintreten, die bei guter Abwehr lokal durch eine granulomatöse
Reaktion beantwortet wird. Die andere Möglichkeit ist eine
Exazerbation der Herde der Primärinfektionsperiode aufgrund
einer momentanen Abwehrschwäche (z.B. "Hungertuberkulose").
Es können bei verminderter Abwehr die genannten Lokalkomplikationen
der Kavernenbildung, der kanalikulären Streuung und auch
eine miliare Spätstreuung mit Organtuberkulosen entstehen,
die entsprechend der Abwehrlage und der Virulenz der Erreger wiederum
entweder vorwiegend exsudativ-käsig oder eher proliferativ-granulomatös
verlaufen.
Tumoren
Der überwiegende Teil der primären Lungentumoren geht
vom Epithel der Bronchien und Bronchiolen aus. In den größeren
Bronchien können Papillome, meist in Form von Plattenepithelpapillomen,
vorkommen. Sie unterscheiden sich nicht von denjenigen der oberen
Atemwege (siehe unten). Von den peribronchialen Drüsen können
Adenome ausgehen, deren morphologisches Spektrum dem der
Speicheldrüsentumoren ähnlich ist. Der häufigste
gutartige Tumor der Lunge ist das Hamartom, das auf eine
Entwicklungsstörung des Bronchialsystems zurückgeführt
wird und das sich aus unterschiedlichen Mischungen mesenchymaler
und epithelialer Anteile zusammensetzt. Am häufigsten sind
Hamartome mit größeren Anteilen von hyalinem Knorpel,
sog. Chondrohamartome. Die meist gut umschriebenen Hamartome können
sich radiologisch als Rundherd darstellen (Differentialdiagnose!).
Mesenchymale Tumoren sind selten.
Die häufigsten malignen Lungentumoren sind sekundäre
Tumoren, d.h. Metastasen.
Das Bronchialkarzinom (Lungenkarzinom) ist die weltweit
am häufigsten zum Tode führende Organkrebserkrankung.
Es werden weltweit jährlich etwa 1,3 Mio. Neuerkrankungen
diagnostiziert, dabei sind ganz überwiegend Männer betroffen.
Etwa 1 Mio. Menschen sterben jährlich am Lungenkarzinom.
Die Inzidenz steigt weltweit, in den westlichen Ländern jetzt
auch bei Frauen. Die 5-Jahres-Überlebensrate der Lungenkarzinome
ist insgesamt gering.
Die Inzidenz des Bronchialkarzinoms korreliert - um etwa 20 Jahre
versetzt - gut mit dem Anstieg des Zigarettenkonsums nach
dem 2. Weltkrieg. Im Zigarettenrauch sind zahlreiche hochwirksame
Karzinogene nachweisbar, darunter Benzpyren, aromatische Amine
und Metallverbindungen. Das Lungenkrebsrisiko eines Zigarettenrauchers
liegt bei chronischem Konsum von 10 Zigaretten pro Tag etwa 15-fach,
bei 40 Zigaretten täglich etwa 60-fach über dem eines
Nichtrauchers. Angesichts dieser Datenlage ist auch das sog. Passivrauchen
als Risikofaktor einzustufen. Andere exogene Ursachen, darunter
die allgemeine Luftverschmutzung in Großstädten, und
berufliche Belastungen durch
Asbest-, Metall- und Holzstäube, radioaktive Strahlung u.a.
treten demgegenüber in der Bedeutung zurück. Letztere
sind aber im Einzelfall unbedingt abzuklären (Meldepflicht!).
Bronchial- bzw. Lungenkarzinome sind mit Umweltfaktoren,
insbesondere dem Zigarettenrauchen, eng assoziiert.
Dem invasiven Karzinom gehen nicht invasive Vorstufen voraus,
nämlich Basalzellhyperplasien und gering- bis hochgradige
Dysplasien. Letztere gelten als fakultative bzw. obligate Präkanzerosen.
Nach ihrer Lokalisation in der Lunge bzw. im Bronchialbaum lassen
sich periphere und zentrale Karzinome unterscheiden. Zentral gelegene
Karzinome werden zwar meist eher symptomatisch als periphere,
aufgrund der Lokalisation liegen sie aber oft doch schon in einem
weiter fortgeschrittenen Tumorstadium vor (Ausdehnung in Richtung
des Hilus und lymphoregionäre Metastasierung). Dementsprechend
ist die Prognose zentraler Karzinome im allgemeinen eher schlechter
als die der primär peripher gelegenen Karzinome.
Die Bronchialkarzinome können sich lokal per continuitatem,
lymphogen, hämatogen und, bei Einbruch in die Pleurahöhle, kavitär
ausbreiten.
Die lymphogene Ausbreitung im Interstitium kann zu einer schweren
restriktiven Lungenfunktionsstörung mit Dyspnoe führen. Die subpleurale
Lymphangiosis carcinomatosa bedingt oft einen Pleuraerguß,
dem bei Einbruch des Tumors in die Pleurahöhle auch Tumorzellen
beigemischt sein können. Pleuraergüsse sollten daher zytologisch
untersucht werden! Die Verlegung des Bronchiallumens durch einen
Tumor kann in der Peripherie zu Atelektasen führen und eine Pneumonie
begünstigen.
Häufige initiale Symptome von Bronchialkarzinomen
sind Husten, Giemen, Dyspnoe, Hämoptysen und Thoraxschmerzen.
Die Tumorerkrankung liegt dann oft schon in einem fortgeschrittenen
Stadium vor.
Die Bronchialkarzinome können nach ihrem histologischen
Bild in der Übersichtsfärbung in kleinzellige (SCLC,
small cell lung carcinoma) und nicht-kleinzellige (NSCLC) Karzinome
eingeteilt werden. Diese Unterteilung ist aufgrund der Unterschiede
in der Behandlung eine für den Kliniker zur Orientierung
wichtige Information.
Man unterscheidet vier histologische Typen von
Lungenkarzinomen: das kleinzellige undifferenzierte Karzniom und
die nicht-kleinzelligen Karzinome: Plattenepithelkarzinom, Adenokarzinom
und großzelliges undifferenziertes Karzinom.
Der histologische Typ und das Ausmaß der Tumorausbreitung
zum Zeitpunkt der Erstdiagnose (Stadium) sind wesentliche Prognoseparameter.
Das kleinzellige undifferenzierte Bronchialkarzinom
zeigt ein gleichmäßiges Bild kleiner Zellen mit
relativ vergrößerten, hyperchromatischen Kernen. Die
Kerne sind druckempfindlich und verschlieren leicht. Oft kann
man daher in kleinen Gewebsproben die sichere Karzinomdiagnose
erst mit Hilfe der Immunhistologie stellen. Immunhistologisch
lassen sich dabei Zytokeratine und neuroendokrine Differenzierungsmarker,
darunter Chromogranine und Neuron-spezifische Enolase (NSE) nachweisen.
Erhöhte NSE-Spiegel sind dann oft auch im Serum zu finden.
Das kleinzellige Karzinom ist somit ein hochmaligner neuroendokriner
Tumor, der z.T. einer Radio- und Chemotherapie zugänglich
ist.
Unter den nicht-kleinzelligen Karzinomen ist das
Plattenepithelkarzinom der häufigste Typ. Plattenepithelkarzinome
sind meist eine zentral lokalisiert und können verhornen.
Gut differenzierte Tumoren wachsen langsamer und haben dann eine
bessere Prognose. Adenokarzinome entstehen öfter in
der Lungenperipherie. Aufgrund der Desmoplasie (d.h., der Fibrose)
des Tumorstromas können diese Karzinome die oberhalb gelegene
Pleura einziehen, so daß das Bild einer Narbe ("Narbenkarzinom")
entsteht. Adenokarzinome können, zumindest in einem kleinen
Teil der Zellen, Schleim produzieren. Man unterscheidet auch hier
hoch, mittelgradig und schlecht differenzierte Tumoren. Ein besonderer
Typ des hochdifferenzierten Adenokarzinoms ist das bronchioloalveoläre
Karzinom, das seinen Ausgang von Pneumozyten Typ II bzw. Clara-Zellen
nimmt, die Alveolen tapetenartig auskleidet und initial unter
dem Bild einer chronischen Pneumonie auftreten kann. In einem
Teil der Adenokarzinome kann man die Expression von Surfactant
als Tumormarker nachweisen. Das großzellige Lungenkarzinom
zeigt konventionell-histologisch keine Differenzierung. Man
kann aber in vielen großzelligen Tumoren ultrastrukturell
oder mit Hilfe der Immunhistologie Zeichen einer plattenepithelailen,
drüsigen oder neuroendokrinen Differenzierung Differenzierung
erkennen. Bronchialkarzinome sind nicht immer eine streng getrennte
Differenzierung in einen der vier histologischen Typen auf. Untersucht
man größere Gewebsproben, z.B. am Operationspräparat,
so kann man z.T. gemischte Differenzierungen finden.
In vielen Fällen machen Bronchialkarzinome
bei kleinem Primärtumor anfänglich durch Metastasen
auf sich aufmerksam. Durch den seit kürzerer Zeit verfügbaren
immunhistologischen Nachweis des Kernproteins TTF-1 (thyroid transcription
factor-1) können solche Fälle mit geringerem Aufwand
also zuvor geklärt werden: TTF-1 findet man in Follikelepithelzellen
der Schilddrüse, wo der Faktor die Expression des Thyreoglobulins
steuert, und in Lungenepithelzellen, wo TTF-1 die Expression von
Surfactantproteinen reguliert.
Ein besonders oft bei Bronchialkarzinomen, insbesondere
bei Kleinzellern, zu beobachtendes Phänomen ist das der paraneoplastischen
Symptome. Diese mittelbar auf den Tumor, also nicht auf lokales
infiltrierendes Wachstum, zurückzuführenden und nicht-metastatischen
Symptome findet man allerdings auch bei Plattenepithelkarzinomen
und, seltener, bei den beiden anderen histologischen Typen des
Bronchialkarzinoms. In einigen Fällen können die Symptome
durch eine ektope Hormonproduktion seitens der Tumorzellen erklärt
werden, so z.B. das sekundäre Cushing-Syndrom durch ACTH-Sekretion
bei kleinzelligen Karzinomen oder die Hyperkalzämie durch
Parathormonsekretion bei Plattenepithelkarzinomen.
Neben den hochmalignen neuroendokrinen Karzinomen
kennt man neuroendokrine Tumoren geringeren Malignitätspotentials,
die früher als Karzinoide bezeichnet wurden. Herde neuroendokriner
Zellen ohne Zeichen invasiven Wachstums bezeichnet man als Tumorlets.
Man nimmt an, daß aus diesen Herden klein- und großzellige
neuroendokrine Karzinome entstehen können. Im Bronchus-assoziierten
lymphatischen Gewebe (BALT) können Non-Hodgkin-Lymphome entstehen,
die oft einen Phänotyp ähnlich den niedrig malignen
Lymphomen der Magenschleimhaut aufweisen (Marginalzonenphänotyp).
Diese BALT-Lymphome können in der Abgrenzung zu interstitiellen
Pneumonien Probleme bieten.
Pleura, Mediastinum
  
Pleura
Erkrankungen der Pleura können restriktive Lungenfunktionsstörungen
nach sich ziehen. Am häufigsten sind Ausfüllungen des
Pleuraspalts durch Transsudate, Exsudate (blutig, eitrig, chylös
usw.) und Luft.
Ein Pneumothorax (Luft im Pleuraspalt) entsteht durch
Traumata, iatrogen (Punktionen) oder durch spontane Pleuraeinrisse,
z.B. bei bullösem Emphysem.
Die Pleuritis ist meist infektiös bedingt. Häufig tritt
sie als Begleitpleuritis bei Pneumonie auf.
Die häufigsten Pleuratumoren sind Karzinommetastasen
Das maligne Mesotheliom ist einer der bösartigsten Tumoren und
ist mit der Asbestexposition assoziiert.
 
Die Diagnose eines Mesothelioms begründet den
Verdacht auf Vorliegen einer Berufserkrankung.
Mediastinum
Die Mediastinitis ist eine lebensbedrohliche
Erkrankung.
Mediastinale Raumforderungen unterscheiden sich
entsprechend der Lokalisation:
- Superiores
Kompartiment: Struma
- Anteriores
Kompartiment: Thymome, Keimzelltumoren, seröse Zysten
- Inferiores
Kompartiment: Zwerchfellhernien
- Mittleres
Kompartiment: vergrößerte Hiluslymphknoten
- Posteriores
Kompartiment: Aortenaneurysmata, neurogene Tumoren
Eine wichtige Differentialdiagnose vergrößerter
Hiluslymphknoten ist, von Absiedelungen maligner Tumoren (Metastasen)
abgesehen, die Sarkoidose (M. Boeck).
Obere Atemwege
Vorbemerkungen
Nase, Nasennebenhöhlen, Anteile des Pharynx, Larynx und
Trachea bilden die oberen Atemwege. Die Nasennebenhöhlen
kommunizierent mit den Nebenhöhlen, und der Nasopharynx ist
über die Tuba Eustachii mit dem Mittelohr verbunden. Durch
diese besonderen Lagebeziehungen erklären sich viele Symptome,
die bei Erkrankungen der oberen Atemwege zu beobachten sind. Gleichfalls
durch die anatomischen Beziehungen begünstigt werden der
Übergriff von Erkrankungen der Zähne auf die Kieferhöhlen
und der Übergriff von Erkrankungen der Nebenhöhlen auf
die Augenhöhle und die Schädelhöhle. Am Dach der
Nasenhaupthöhle findet sich das Haupt-Riechepithel, am Septum
nasi das vomeronasale Organ, in dem gleichfalls olfaktorische
Rezeptoren vorkommen. Von einigen Aralen abgesehen sind die oberen
Atemwege von respiratorischen Zylinderepithel ausgekleidet. Mehrschichtiges
Plattenepithel findet man im Naseneingang sowie in Anteilen des
Phyrynx und des Larynx. Mechanische u.a. Belastungen können
jedoch auch anderensorts zur (metaplastischen) Bildung von Plattenepithel
führen.
Nase, Nasennebenhöhlen, Nasopharynx
Die Nasenhaut ist dem Licht besonders dauerhaft ausgesetzt und
zeichnet sich durch einen Reichtum an Talgdrüsen aus. Viele
dermatologische Erkrankungen manifestieren sich bevorzugt an der
Nase. Die Nasenhaut ist darüber hinaus Prädilektionsort
des Lupus erythematodes discoides und der Rosacea. Die
Acne rosacea geht mit Teleangiektasien und Hyperplasie von Talgdrüsen
einher und kann an der Nase zum Bild des Rhinophyms, der
Kartoffelnase, führen. Diese Erkrankungen sowie das Basaliom
als häufiger Tumor der Nasenhaut werden an anderer Stelle
(Thema 12) besprochen. Bei unzureichender Versorgung können
Traumata eine Septumdeviation und damit eine Nasenatmungsbehinderung
bewirken. Der Zusammenbruch des knorpeligen Nasengerüsts
führt zur Sattelnase. Zu den funktionellen Störungen
zählen neben der Atmungsbehinderung die Anosmie, die
entweder obstruktiv oder sensineural (z.B. durch Hirntumoren,
Pharynxtumoren, Esthesioneuroblastom u.a.) bedingt sein kann.
Die häufigsten nasenbezogenen Symptome beziehen sich aber
auf das Nasenbluten, die Epistaxis, und die Rhinitis. Prädilektionsort
des Nasenblutens ist der Locus Kiesselbachi. Rezidiviertes Nasenbluten
kann einerseits traumatische bedingt sein (Schlag oder hartnäckiges
Nasenbohren), aber u.U. auch Hinweise auf eine systemische Gefäßerkrankung,
Hypertomie oder eine hämorrhagische Diathese liefern.
Entzündungen
Viele Entzündungen der oberen Atemwege zeigen Gemeinsamkeiten,
so daß diese am Besipiel der Rhinitis und Sinusitis besprochen
werden sollen. Die akute infektiöse Entzündung respiratorischer
Schleimhaut der Nase (Rhinitis), der Kieferhöhle (Sinusitis maxillaris),
der Trachea und Bronchien (Tracheobronchitis) wird ganz überwiegend
durch Viren, insbesondere Rhinoviren, ausgelöst. Als prädisponierende
Faktoren werden Zirkulationsstörungen, die durch Austrocknung
der Schleimhäute und Temperaturschwankunen ausgelöst werden, angenommen.
Die virale Zellschädigung führt gegebenenfalls zur Nekrose und
bereitet damit bakteriellen Superinfektionen den Weg.
Die akute Tracheobronchitis ist meist viral bedingt,
bakterielle Superinfektionen sind häufig.
Neben viralen gibt es auch weitaus seltenere primär bakterielle
Infektionen, so die Diphtherie, ausgelöst durch Corynebacterium
diphtheriae, die zu flächenhaften Nekrosen und heftiger exsudativer
Reaktion führen. Das Exsudat bildet die charakteristischen Pseudomembranen,
die im Gegensatz zu Membranen nicht ohne erneutes Aufreißen
der Läsion und erneuter Exsudation von der Unterlage abgehoben
werden können.
Die infektiöse Entzündung des respiratorischen Epithels zeichnet
sich durch ein Th1-Muster der beteiligten Lymphozyten aus. Im
Gegensatz dazu zeigt die allergische bzw. neurovaskuläre
Entzündung ein entzündlichens Infiltrat mit erhöhtem
Gehalt an Eosinophilen, Plasmazellen und Mastzellen und einem
Th2-Muster der beteiligten T-Lymphozyten. Die Entzündung wird
durch Allergene wie z.B. Pollen (Heuschnupfen), Hausstaub, Tierhaare
u.a. ausgelöst.
Akute Schädigungen können auch durch inhalative Noxen, wie
z. B. Rauchgase, Chlorgas u. a. ausgelöst werden, die flächenhafte
Nekrosen des respiratorischen Epithels bewirken und durch Ödem
an Engstellen (Larynx!) zu lebensbedrohlichen Situationen führen
können.
Es lassen sich ein hyperplastischer und ein atrophischer Typ
der chronischen Entzündung unterscheiden. Der hyperplastische
Typ tritt vorwiegend bei allergischen Entzündungen auf. Charakteristisch
sind eine Verdickung und Hyalinisierung der Basalmembran, eine
mukoide Metaplasie der Drüsen, ein kräftiges Ödem sowie lymphoplasmazelluläre
und eosinophile Infiltrate. Das Ödem führt zu lokalen Schwellungen,
wobei an den Umschlagfalten durch Zugwirkungen Fibrosen im Stroma
entstehen. Auf diese Weise kommt es zu einem fortschreitenden
Umbau der Schleimhaut mit starker Polyposis, die zu Obstruktionen
führen kann. Der atrophische Typ der chronischen Entzündung
wird bei inhalativer Schädigung beobachtet. Wenn die Atrophie
auch auf die ortsständigen Drüsenkomplexe übergreift, kann eine
Sicca-Symptomatik (Schleimhautaustrocknung) die Folge sein. Bestimmte
exogene Noxen, z. B. Kokain, bewirken eine Vasokonstriktion und
können daher bei nasaler Applikation eine Septumperforation zur
Folge haben.
Die Tuberkulose kann an der Nase zu ausgedehnten Nekrosen
der Weichteile führen (Totenkopfgesicht). Das durch Klebsiella
rhinoscleromatosis ausgelöste Rhinosklerom zeichnet sich
durch zytoplasmatische Ansammlungen von Klebsiellen innerhalb
schaumzelliger Makrophagen (Mikulicz-Zellen) aus. Beim Morbus
Wegener ist bei vielen Patienten auch die Nasenschleimhaut
betroffen.
Der M. Wegener ist eine nekrotisierende granulomatöse
Vaskulitis der oberen Atemwege, der Lunge und der Niere mit Bildung
von Autoantikörpern des Typs c-ANCA (anti-neutrophil cytoplasmatic
antibodies, cytoplasmic).
Durch die mit Granulomen einhergehende Vaskultis entstehen Ulcera
und Nekrosen. Solche Befunde sollten daher immer histologisch
untersucht werden, gleichzeitig sollte der serologische Nachweis
von c-ANCA geführt werden. Die Histologie ist allerdings
nur beweisend, wenn auch die pathognomonischen Veränderungen,
nämlich Granulome und Gefäßläsionen, auch
tatsächlich enthalten sind.
Zu den Erbkrankheiten, die sich an der respiratorischen
Schleimhaut manifestieren, zählt die Mukoviszidose,
und die mukoziliäre Dyskinesie (Kartagener-Syndrom). Die
Mukoviszidose ist auf Mutationen eines Chlorid-Ionenkanalproteins
(CFTR) zurückzuführen. Es bildet sich eine zäher Schleim,
der leicht superinfiziert. Im Gegensatz zur häufigen allergischen
Sinusitis fehlen eosinophile Granulozyten. Eine Schleimabflußstörung
liegt auch beim Kartagener-Syndrom vor. Hier beruht die Transportstörung
nicht auf der Zusammensetzung des Schleims, sondern auf der Unbeweglichkeit
der Zilien. Einige Patienten mit dem Kartagener-Syndrom zeigen
einen Situs inversus.
Tumoren
Echte gutartige Tumoren der respiratorischen Schleimhaut sind
vergleichsweise selten. Wichtig ist dabei das Papillom, das insbesondere
als invertiertes Papillom die Umgebung, darunter auch den
Knochen, destruieren kann. Das Papillomepithel ist in den meisten
Fällen transitionalzellig differenziert, zeigt also nicht notwendigerweise
ein respiratorisches Zylinderepithel entlang der Oberfläche. Herdförmig
können auch Plattenepithelmetaplasien auftreten. Bei nicht vollständiger
Resektion besteht eine hohe Rezidivneigung, insbesondere wenn
stärkere Kernatypien vorliegen. Der häufigste Tumor innerhalb
der oberen Atemwege ist jedoch das Plattenepithelkarzinom.
Weitaus seltener sind Tumoren, die von den ortsständigen Drüsenkomplexen
ausgehen und zumeist das Bild eines adenoid-zystischen Karzinoms
aufweisen.
Ein besonderer Tumor des Nasenrachenraumes ist das juvenile
Angiofibrom, das gefäßreich ist und leicht blutet.
Das undifferenzierte Nasopharynxkarzinom (NPC) ist ein
in Südostasien häufiger Tumor, der eine besondere Morphologie
und Ätiologie aufweist. Die Tumorzellgruppen liegen inselartig
in einem lymphozytenreichen Stroma, weswegen diese Karzinome früher
auch als "Lymphoepitheliome" bezeichnet wurden. Die
undifferenzierten Nasopharynxkarzinome sind fast alle mit dem
Epstein-Barr-Virus (EBV) assoziiert, wobei in diesen Tumoren
(ebenso wie beim Morbus Hodgkin) eine besondere Form der latenten
Infektion auftritt, die durch die Expression eines viralen Membranantigens
(LMP-1, Latenzphasen-Membranprotein-1) charakterisiert ist.
Das undifferenzierte Nasopharynxkarzinom ist ein
häufiger Tumor in Ostasien und ist mit dem Epstein-Barr-Virus
(EBV) eng assoziiert.
Dieses LMP1 bewirkt eine dauerhafte Stimulierung des TNF-Rezeptor-Signaltransduktionsweges,
wodurch eine permanente Proliferationsstimulation ausgelöst wird.
Das LMP1 bewirkt normalerweise als virales Fremdantigen eine zelluläre
Immunreaktion, die zur Vernichtung der LMP1-positiven Zellen führt.
Diese immunologische Reaktion ist bei den Nasopharynxkarzinom-Patienten
offensichtlich ausgeschaltet oder wirkungslos, so daß sich
in der Normalisierung der Immunreaktion mögliche Ansätze für eine
Prävention und Therapie dieses Karzinoms ergeben könnten.
Larynx, Trachea
Aufgrund seiner besonderen Anatomie zeigt der Larynx einige spezielle
Läsionen. Viele Veränderungen manifestieren sich bevorzugt an
den Stimmlippen und verursachen dadurch eine Heiserkeit.Das allergische
bzw. angioneurotische Ödem (Quincke-Ödem) sowie die akute
toxische Laryngitis durch Reizgase können lebensbedrohliche Zustände
durch Verschluss der Stimmritze bewirken. Eine gleichfalls gefährliche
Komplikation der Infektion durch Hämophilus influenzae ist die
akute Glottitis. Eine besondere Form der chronischen Schädigung
ist das sog. Reincke-Ödem, bei dem das Stroma hyaline Ablagerungen
und eine fibrinoide Vequellung und ggf. auch Blut und Blutungsresiduen
zeigt. Häufige Befunde sind die sogenannten Schrei- oder
Sängerknötchen, bei denen ein zum Teil verdicktes Plattenepithel
oberhalb myxoid abgewandelter Stromaanteile vorliegt. Kleine Knötchen
als Ursache einer Heiserkeit können auch durch einfache Zysten
der ortständigen Drüsen darstellen. Das laryngeale Epithel
ist öfter Sitz der Infektion mit humanen Papillomviren (HPV),
meist der Typen 6 und 11. Ausdruck dieser Infektion können
solitäre Papillome, aber auch rasenartige Papillomansammlungen
(Papillomatose) sein.
Die chronische Laryngitis, insbesondere bei Rauchern, ist mit
Epithelschäden assoziiert. Eine Reaktionsform auf derartige
chronische Reize ist die Leukoplakie, die bei zusätzlichen geringgradigen
Dysplasien eine fakultative, bei stärkergradigen Dysplasien bzw.einem
Carcinoma in situ eine obligate Präkanzerose des invasiven
Plattenepithelkarzinoms darstellt. Durch die Fixierung des Stimmbandes
wird das Plattenepithelkarzinom der Glottisregion vergleichsweise
früh auffällig und kann dann in einem weniger weit fortgeschrittenen
Stadium operiert werden. Die selteneren supraglottischen und die
noch selteneren subglottischen Plattenepithelcarcinome zeigen
mehrheitlich jedoch eine schon weiter fortgeschrittene Kontinuitätsausdehnung,
bevor sie die Stimmbänder erreichen und auf diese Weise symptomatisch
werden. Die Prognose dieser Karzinome ist daher deutlich schlechter.
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