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Herz
Vorbemerkungen
Das normale Herzgewicht variiert mit dem Körpergewicht und der
Körpergröße, es liegt bei etwa 300 - 350 g bei Männern und bei
etwa 250 - 300 g bei Frauen. Die Dicke des linken Ventrikels schwankt
zwischen 13 und 15 mm, die des rechten zwischen 3 und 5 mm. Täglich
fördert das Herz bei einer Auswurffraktion von etwa 70 ml
über die beiden Kammern jeweils etwa 6.000 Liter Blut. Das
Herz passt seine Schlagzahl und -kraft äußeren Erfordernissen
an. Dieser außergewöhnlichen und zumeist auch zuverlässig erbrachten
Leistung wird man gewöhnlich erst dann gewahr, wenn das Herz
(verstanden als Kreislauforgan) an Funktionsfähigkeit einbüßt,
sei es durch Arrhythmien oder sei es durch eine für die Erfordernisse
ungenügende Leistung, eine Insuffizienz.
Anpassungsreaktionen
Wiederholte erhöhte Anforderungen führen zu einer Anpassungsreaktion,
die sich auf mikroskopischer Ebene in einer Hypertrophie der Kardiomyozyten
manifestiert. Die Kardiomyozyten sind vergrößert, erhalten vergrößerte,
leicht hyperchromatische und kastenförmige Kerne und sind reicher
an Zellorganellen, insbesondere an kontraktilen Elemeten und Mitochondrien.
Ein erhöhtes Herzgewicht und eine Verbreiterung der Herzwand zeigen
eine Hypertrophie des Herzens an, eine Vergrößerung des Kammervolumens
eine Dilatation. Eine erhebliche Zunahme des Herzgewichts bezeichnet
man als eine Kardiomegalie. Innerhalb gewisser Grenzen passt sich
der koronare Blutfluss diesen Veränderungen an. Sorfern die erhöhte
Fuktion auf eine erhöhte Druckleistung zurückzuführen ist, ergibt
sich eine konzentrisch geschichtete Hypertrophie des Herzventrikels
vor dem Hindernis, zumeist auf Kosten des Ventrikelvolumens. Wird
dem Herzen eine erhöhte Volumenleistung abgefordert, so durch
Insuffizienz einer Klappe oder einen Herzwanddefekt, ergibt sich
eine exzentrische Hypertrophie, da die Hypertrophie zugleich mit
einer Dilatation der betroffenen Herzhöhle einhergeht.
Herzerkrankungen
Fünf grundsätzliche krankhafte Bedingungen
führen zu einem Herzversagen:
- kardiogenes Pumpversagen
- Ausflußobstruktionen
- Blutrückfluß
- Erregungsleitungsstörungen
- Verbluten
Herzinsuffizienz
Eine nachlassende Pumpleistung des Herzens macht
sich in einem Stau vor dem betreffenden Ventrikel bemerkbar. Die
Linksherzinsuffizienz führt zu einem Stau im Vorhof und nachfolgend
in der Lunge. Die Lungen werden blutreich und schwer. Es resultiert
ein initial perivaskuläres und interstitielles Transsudat, insbesondere
intralobär, das im Röntgenbild an den Kerley-B-Linien erkennbar
wird. Eine Verbreiterung der Alveolarsepten und ein Übertritt
von Ödemflüssigkeit in den Luftraum (alveoläres Östem) folgen.
Gelegentliche treten auch Erythrozyten in den Alveolarraum über,
die dort von Makrophagen verarbeitet werden. Die Makrophagen enthalten
dadurch Eisenpigment (Siderophagen) und werden im Sputum als sogenannte
bräunliche Herzfehlerzellen erkennbar. Ausdruck dieser
Lungenstauung ist die Atemnot (Dyspnoe). In der Niere bewirkt
eine verminderte Herzauswurfleistung eine reduzierte Nierenperfusion,
die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System aktiviert und durch
Retention von Natrium und Wasser zur Erhöhung des Blutvolumens
und interstitieller Ödemflüssigkeit beiträgt. Das Lungenödem kann
hierdurch verstärkt werden.
Ischämische Herzerkrankungen
Diese Erkrankungsgruppe zeichnet sich dadurch aus,
daß dem myokardialen Sauerstoffbedarf ein nur unzureichendes
Sauerstoffangebot gegenübersteht und dadurch eine akute oder
chronische myokardiale Dysfunktion die Folge ist. In der ganz
überwiegenden Mehrzahl der Fälle ist dies auf eine unzureichende
Perfusion bei koronarer Herzkrankheit (KHK) zurückzuführen.
Eine systemische Hypotonie, z.B. beim Kreislaufschock kann jedoch
dieselbe Wirkung haben. Eine Ischämie der Herzmuskulatur
kann auch durch verminderte Sauerstofftransport- oder bindungskapazität
des Bluts oder durch einen erhöhten Sauerstoffbedarf des
Myokard bedingt sein. Anämien, ungenügende Oxygenierung
bei Lungenerkrankungen oder Vergiftungen, z.B. mit Kohlenmonoxid,
können so die Sauerstofftransportkapazität vermindern,
während ein erhöhter Sauerstoffbedarf bei kardialer
Belastung, z.B. bei arterieller Hypertonie oder bei Klappenerkrankungen,
aber auch aufgrund eines erhöhten Stoffwechsels im Myokard
bei Fieber oder Hyperthyreoidismus beobachtet werden kann.
Koronare Herzerkrankung
Unter dem Begriff der koronaren Herzerkrankung (KHK)
werden alle Erkrankungen der Koronargefäße, die zu einer Minderdurchblutung
des Herzens führen, zusammengefaßt. Das Herz wird durch
drei Koronararterien versorgt, die rechte Koronararterie (RCA)
und die linke Koronarartie, deren Hauptstamm sich in den Ramaus
interventricularis anterior (RIVA) alias linke anteriore
deszendierende Arterie (LAD) und den Ramus circumflexus (RCX)
aufteilt. Entsprechend ihrem Versorgungsgebiet gehen Verschlüsse
der einzelnen Äste mit anatomisch unterschiedlich lokalisierten
Herzinfarktarealen einher. Ein Verschluß der RCA führt zum Hinterwandinfarkt,
zum Teil mit Übergreifen auf den rechten Ventrikel, der des LAD
führt zum Vorderwand- und Septuminfarkt und ein Verschluß
des Ramus circumflexus zum Seitenwandinfarkt.
Aufgrund von Einengungen der Herzkranzgefäße, meist
verursacht durch eine Atherosklerose, wird das Myokard schlechter
durchblutet. Es kommt zu einem Mißverhältnis von Sauerstoffbedarf
und Sauerstoffangebot im Herzmuskel mit dem Auftreten einer Angina
pectoris als klinisches Zeichen der Koronarinsuffizienz.
Die Angina pectoris bezeichnet einen klinischen Symptomenkomplex,
der durch Thoraxschmerzen, Engegefühl und retrosternalen Druck
gekennzeichnet ist. Man unterscheidet die stabile von der instabilen
Angina pectoris. Die stabile Angina pectoris wird durch körperliche
Anstrengung ausgelöst und spricht gut auf Medikamente (Nitrate)
an. Bei der instabilen Angina pectoris nimmt die Häufigkeit und
Dauer der Schmerzanfälle zu (Crescendo-Angina), sie tritt auch
in Ruhe auf. Am Myokard kommt es zu einer vermehrten interstitiellen
Fibrose, die Kardiomyozyten zeigen oft zytoplasmatische Aufhellungen
mit einem Verlust von Myofibrillen. Die betroffenen Kardiomyozyten
liegen in der Innenschicht (subendokardial) des linken Ventrikels
die am schlechtesten durchblutet wird (= "letzte Wiese").
Herzinfarkt
Unter einem Myokardinfarkt versteht man eine Koagulationsnekrose
von Herzmuskelzellen, die durch eine anhaltende Ischämie bei absoluter
Koronarinsuffizienz auftritt. Die Myokardperfusion ist soweit
reduziert, daß das Angebot an Sauerstoff und Nährstoffen den Bedarf
des Herzens nicht mehr deckt. Hält dieser Zustand über einen längeren
Zeitraum an (30 min bis 2 h), führt dies zu einem irreversiblen
Funktionsverlust durch Zelltod. Ursächlich ist eine Koronarsklerose.
Der Übergang von einer stabilen Angina pectoris in einen akuten
Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod ist meist auf eine spontane
Veränderung der Plaque-Morphologie zurückzuführen. Dabei ist das
initiale Ereignis die Zerreißung des stenosierenden Plaques durch
Einblutung in den Plaque mit nachfolgender Volumenzunahme, Plaqueruptur
oder Einriß mit Freilegung von thrombogenen Plaquesubstanzen,
oder aber Ulzeration bzw. Erosion mit Freilegung von thrombogenen,
subendothelialen Basalmembrananteilen. Erste irreversible Veränderungen
sind bereits nach 30-60 min in der Elektronenmikroskopie
sichtbar. Die Mitochondrien der Kardiomyozyten sind geschwollen
und zeigen eine Fragmentierung der Cristae. Das wichtigste Kriterium
einer irreversiblen Schädigung ist das Auftreten von amorphen
Körperchen innerhalb der mitochondralen Matrix, die am ehesten
auf Kalziumphosphat-Ausfällungen und/oder Lipidbestandteile zurückzuführen
sind. Das Zellkernchromatin ist deutlich marginalisiert, nach
etwa 2 Std. werden Defekte in der Zellmembran sichtbar. Ab diesem
Zeitpunkt können Makromoleküle wie herzspezifische Enzyme oder
Proteine im Serum nachgewiesen werden. Mit Hilfe der Lichtmikroskopie
können histopathologische Veränderungen innerhalb der ersten
4-12 Std. erkannt werden. Es lassen sich dann die typischen Koagulationsnekrosen
nachweisen, die sich in der Routinefärbung (Hämatoxylin / Eosin)
intensiv eosinrot darstellen. Durch die Schädigung der Herzmuskelzellen
werden Entzündungsmediatoren freigesetzt und aktiviert, wodurch
nach etwa 12 Std. Entzündungszellen in das Infarktareal einwandern.
Bei diesen Entzündungszellen handelt es sich vor allem um neutrophile
Granulozyten, deren Anzahl am 2. bis 3. Tag am höchsten ist. Ab
dem 3. Tag entwickelt sich Granulationsgewebe, welches aus Entzündungszellen
wie Granulozyten, Lymphozyten und Makrophagen sowie aus Kapillaren
und lockerem Bindegewebe besteht. Ab der 2. Woche nimmt die Vaskularisierung
zugunsten der Narbenbildung durch Fibroblasten ab. Nach etwa 6
Wochen ist das Infarktareal durch kollagenes Bindegewebe ersetzt.
Nachdem eine Infarktnarbe entstanden ist, läßt sich das Alter
des stattgehabten Infarktes nicht mehr bestimmen. Makroskopisch
ist ein Myokardinfarkt gewöhnlich erst nach 8-12 Std. zu
diagnostizieren. Das nekrotische Areal hebt sich gegenüber dem
gesunden Myokardgewebe durch eine Abblassung und lehmgelbe Verfärbung
ab. Der Randbereich demarkiert sich durch einen roten, hyperämischen
Randsaum. Ab dem 3. bis 7. Tag imponiert das vom Randbereich her
einsprießende Granulationsgewebe rötliche und ist gegenüber dem
normalen Gewebe auf der Schnittfläche eingesunken. Die nach etwa
6 Wochen entstandene Narbe ist dann makroskopisch als weißes Schwielengewebe
sichtbar. Häufig ergibt sich das Problem, daß der Herzinfarkt
nach Auftreten der Symptome weniger als 12 Std. überlebt wurde,
und somit makroskopisch noch keine Veränderungen sichtbar sind.
In diesen Fällen ist es möglich, unfixiertes Herzgewebe in eine
Nitroblau-Tetrazolium-Salzlösung (NBT) zu legen, um frische Nekrosen
von normalem Gewebe zu unterscheiden. Intaktes Myokard verfärbt
sich in dieser Lösung blau, während ein Infarktareal oder eine
Narbe keinen Farbumschlag zeigt. Der Farbumschlag beruht auf eine
chemische Reaktion der NBT-Lösung und den intakten Enzymen im
Zytoplasma der Kardiomyozyten. Mit Hilfe dieser histochemischen
Färbung gelingt die Infarktdiagnostik makroskopisch bereits nach
etwa 2-3 Std. Allerdings kann nur Frischgewebe untersucht werden.
Diese Reaktion ist nur bis 18 Std. post mortem verläßlich.
Die pathomorphologischen Veränderungen sind tabellarisch
zusammengefaßt.
Komplikationen eines Herzinfarkts
Durch den Verlust an kontraktiler Herzmuskelmasse
kann sich eine Herzinsuffizienz, ein Lungenödem und ggf. ein kardialem
Schock ausbilden. Eine schwerwiegende Komplikation nach Myokardinfarkt
ist die Myokardruptur. Die Ruptur ist dort lokalisiert,
wo Herzmuskelgewebe untergegangen ist, also im Infarktgebiet.
Eine Herzwandruptur führt zum Austritt von Blut in den Herzbeutel
und somit zur tödlichen Herzbeuteltamponade.
Durch eine Ruptur des Septums kann ein Ventrikelseptumdefekt
entstehen. Diese seltene Komplikation hat eine schlechte Prognose.
Durch die Einbeziehung eines Papillarmuskels in das Infarktareal
mit anschließendem Papillarmuskabriß kommt es zu einer
Mitralinsuffizienz mit schlechter Prognose.
Durch Aktivierung des Endokards im Bereich der Infarktzone können
sich parietale Thromben als Abscheidungsthromben bilden,
welche embolisieren können. Herzwandaneurysmen bestehen
überwiegend aus kollagenem Narbengewebe, in manchen Fällen ist
das Aneurysma mit thrombotischem Material ausgefüllt und kann
schließlich verkalken. Es besteht die Gefahr der Embolisierung.
Zusätzlich können vom Gebiet des Aneurysmas Rhythmusstörungen
wie Kammertachykardien oder Kammerflimmern ausgehen.
Die Perikarditis nach einem akuten Myokardinfarkt (Pericarditis
epistenocardiaca) ist ein häufiges Ereignis mit einer Inzidenz
von 7 - 20%. Sie entwickelt sich innerhalb der ersten
Woche nach dem Infarkt und manifestiert sich klinisch durch Perikardreiben.
Sie ist in der Regel transient und meist von keinem signifikanten
Perikarderguß begleitet. Histologisch findet man Fibrinauflagerungen
auf dem Epikard unmittelbar über dem infarzierten Myokard. Wenn
diese Auflagerungen nicht organisiert und abgebaut werden, können
narbige Verwachsungen resultieren.
Erkrankungen des Endokards
Das Endokard stellt die innere Auskleidung des Herzens
dar. Es besteht aus einer einlagigen Endothelzellschicht mit darunterliegendem
lockeren Bindegewebe. Die Herzklappen sowie die Sehnenfäden werden
vom Endokard überzogen. Die Entzündungen des Endokards werden
unterschieden in:
- Nicht infektiöse
(abakterielle) Endokarditiden (Endocarditis verrucosa rheumatica,
Endocarditis thrombotica simplex, Endocarditis thrombotica Libman-Sacks
und Endocarditis parietalis fibroplastica Löffler)
- Infektiöse
(bakterielle) Endokarditiden (akute Endocarditis ulceropolyposa,
subakute Endocarditis lenta)
Nicht infektiöse (abakterielle) Endokarditis
Die Endocarditis verrucosa rheumatica ist
eine allergische Reaktion auf Streptokokken-Antigene am Klappen-Endokard.
Nach einem Intervall von 10-20 Tagen im Anschluß an eine Infektion
mit ß-hämolysierenden Streptokokken tritt eine allergische
Systemerkrankung auf, die sich in den drei Bildern der rheumatischen
Endokarditis/Karditis, der akute Polyarthritis und der Chorea
minor manifestieren kann. Aufgrund der Möglichkeit einer
Antibiotikatherapie mit gutem Ansprechen der Streptokokken auf
Penicillin ist die Endocarditis verrucosa rheumatica heutzutage
seltener geworden. Nach Ausheilung der Endokarditis kommt es zu
einer Gefäßeinsprossung mit Narbenbildung. Häufig sind dabei die
Klappen des linken Herzens betroffen. Die Endocarditis thrombotica
simplex findet man bei etwa 2-3% aller Autopsien im Erwachsenenalter.
Sie tritt auf bei Patienten mit konsumierenden Krankheiten wie
einem Tumorleiden oder allgemeinen Marasmus auf. Deshalb wird
diese Endokarditis auch marantische Endokarditis genannt. Die
Endocarditis thrombotica Libman-Sacks tritt bei Patienten
mit systemischem Lupus erythematodes (SLE), aber auch bei anderen
Kollagenosen auf. Die Entzündung manifestiert sich in Form kleiner
Wärzchen, auf denen sich sekundär Thromben ablagern können. Die
Endokarditis parietalis fibroplastica Löffler betrifft
nicht nur Klappenendokard, sondern auch das Endokard der beiden
Ventrikel betroffen. Ätiologie und Pathogenese sind unbekannt,
die Patienten haben jedoch eine ausgeprägte Bluteosinophilie.
Initial sieht man eine Endomyokarditis mit deutlich vermehrten
eosinophilen Granulozyten im Endokard. Dies führt zu einer Thrombenbildung
am Endokard mit nachfolgender Organisation und Vernarbung und
einer Beeinträchtigung der Ventrikelfunktion (=Restriktion). Weitere
Komplikationen können durch embolische Thrombenverschleppung auftreten.
Infektiöse (bakterielle) Endokarditis
Die akute Endocarditis ulceropolyposa wird
durch Bakterien oder andere Mikroorganismen verursacht. Meist
handelt es sich um pyogene Bakterien wie Staphylococcus aureus,
Pneumokokken, Streptokokken oder auch Pilze. Die Bakterien besiedeln
häufig vorgeschädigte Klappen im Rahmen einer Bakteriämie. Prädilektionsstellen
sind der Schließungsrand der Klappen im linken Ventrikel sowie
die Sehnenfäden. Bei drogenabhängigen Patienten sind oft die Klappen
des rechten Ventrikels, bedingt durch kontaminierte Spritzen,
betroffen. Charakteristisch für die bakterielle Endokarditis ist
die Destruktion der Herzklappe mit Ausbildung von Ulzera und aufliegendem
thrombotischen Material. Dieses ist meist bakteriell besiedelt
und mit Granulozyten durchsetzt. Unbehandelt kann die Herzklappe
zerstört werden und somit eine Klappeninsuffizienz oder ein septischer
Schock mit bakteriellen Thrombembolien entstehen. Die subakute
Endocarditis lenta ist eine schleichend verlaufende Endokarditis
mit mäßig virulenten Erregern (Streptococcus viridans).
Morphologisch ähnelt diese Endokarditis der akuten Form.
Erworbene Herzklappenfehler
Die meisten erworbenen Herzklappenfehler sind durch
eine rheumatische Endokarditis verursacht. Überwiegend sind die
Klappen des linken Ventrikels betroffen, bedingt durch stärkere
mechanische Beanspruchung. Durch den breiteren Einsatz von Antibiotika
ist eine rheumatische Genese in jüngster Zeit seltener. Jetzt
stehen zunehmend defekt verheilte infektiöse Endokarditiden, aber
auch primär degenerative Veränderungen als Ursache eines
Herzklappenfehlers im Vordergrund. Im Falle der Mitralklappenstenose
ist die Öffnungsfläche durch eine entzündlich bedingte
Segelvernarbung vermindert. Dadurch staut sich das Blut vor dem
linken Vorhof mit der Folge einer Dilatation des Vorhofs, die
Patienten häufig eine Vorhofrhythmusstörung mit einer Tachyarrhythmia
absoluta bewirkt. In dem nicht effizient kontrahierenden Vorhof
können sich Parietalthromben bilden, die embolisieren können.
Das Blut kann sich in die Lungen zurückstauen und eine Dyspnoe
veranlassen. Durch eine Schlußunfähigkeit entsteht bei der Mitralklappeninsuffizienz
bei jeder Ventrikelkontraktion ein Rückfluß des Blutes in den
linken Vorhof. Die Ursachen hierfür sind vielfältig:
neben einem Papillarmuskelabriß nach Herzinfarkt oder einer Zerstörung
der Klappenmatrix durch eine infektiöse Endokarditis kommen ein
Mitralklappenprolaps, z.B. bei Marfan-Syndrom, oder eine Insuffizienz
durch linksventrikuläre Dilatation mit Aufweitung des Klappenansatzringes
in Betracht. Durch den Blutreflux in den linken Vorhof resultiert
eine Volumenbelastung des linken Vorhofs, aber auch des linken
Ventrikels, durch eine vermehrte Volumenarbeit. Der Druck im linken
Vorhof steigt erst dann stärker an, wenn der linke Ventrikel insuffizient
wird. Bei der Aortenklappenstenose verursacht die Einengung
der Öffnungsfläche eine Druckbelastung des linken Ventrikels.
Es entsteht eine konzentrische Hypertrophie. Im fortgeschrittenen
Stadium kommt es zu einer zusätzlichen Dilatation mit Erhöhung
des enddiastolischen Volumens. Die Aortenklappenstenose kann auf
eine rheumatische Endokarditis oder primär degenerative Verkalkungen
zurückzuführen sein. Bei der Aortenklappeninsuffizienz
liegt eine Schlußunfähigkeit der Aortenklappe mit einer Volumenbelastung
des linken Ventrikels vor. Ursachen sind infektiöse Endokarditiden
mit Klappendestruktion, rheumatische Endokarditiden, die Dilatation
der Aorta ascendens und das Aneurysma dissecans.
Myokardiale Erkrankungen: Kardiomyopathien
Entsprechend der WHO Klassifikation der Kardiomyopathien
aus dem Jahr 1995 werden Kardiomyopathien als Myokarderkrankungen
definiert , die mit einer Herzfunktionsstörung einhergehen. Damit
wurde mit der bis zu diesem Zeitpunkt gültigen Festlegung gebrochen,
daß Kardiomyopathien per definitionem Herzmuskelerkrankungen
unklarer Genese sind. In der neuen WHO-Klassifikation werden folgende
Kardiomyopathien unterschieden:
- Dilatative Kardiomyopathie
- Hypertrophe Kardiomyopathie
- Restriktive Kardiomyopathie
- Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie
- Spezifische Kardiomyopathie
- Unklassifizierbare Kardiomyopathie
Die dilatative Kardiomyopathie (DCM) ist
durch eine Dilatation des linken und/oder rechten Ventrikels mit
begleitender schwerer Einschränkung der Pumpfunktion gekennzeichnet.
Herzrhythmusstörungen, thrombembolische Ereignisse sowie ein plötzlicher
Herztod können in jedem Stadium der Erkrankung auftreten. Morphologie:
Die Kammerwandstärke ist normal oder leicht verdickt, und Parietalthromben
werden häufig gefunden. Aufgrund der Dilatation und der Verschiebung
der Papillarmuskeln zur Herzspitze kann es zu einer Insuffizienz
der Mitral- und Trikuspidalklappe kommen. Histologisch sowie ultrastrukturell
sieht man unspezifische Veränderungen. Neben hypertrophierten
Kardiomyozyten zeigt das Interstitium Fibrosierungen unterschiedlichen
Ausmaßes. Die Ursache ist noch unbekannt. Es wird angenommen,
daß die Pumpfunktionsstörung auf den Verlust von kontraktilem
Gewebe zurückzuführen ist. Pathophysiologisch werden unterschiedliche
Ursachen diskutiert:
- Autoimmune
und familiär/genetische Genese. In etwa 20% der Fälle findet
man eine familiäre Häufung. Neueste Untersuchungen an belasteten
Familien zeigten Keimbahnmuationen der Proteine Aktin und Desmin.
Andere Patienten, die an einer DCM leiden, und deren symptomfreien
Angehörigen konnten in erhöhtem Maß herzspezifische Antikörper
im Serum identifiziert werden.
- Einige
Autoren sehen die Ursache der DCM in einer chronischen lymphozytären
Myokarditis, deren Ursache auf eine virale Infektion zurückzuführen
ist.
- In jüngster
Zeit wird die Apoptose, der programmierte Zelltod, als eine
Ursache der DCM diskutiert. Im Endstadium einer DCM ist ein
Verlust von Kardiomyozyten auf den Prozeß der Apoptose zurückzuführen.
Die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) ist
eine primäre myokardiale Erkrankung, die sich durch einen deutlich
hypertrophierten und nicht dilatierten linken Ventrikel auszeichnet.
Eine begleitende kardiale oder systemische Erkrankung, die diese
Hypertrophie erklären könnte, wie beispielsweise eine Aortenklappenstenose
oder ein systemischer Hypertonus, liegt definitionsgemäß
nicht vor. Obwohl eine symmetrische linksventrikuläre Hypertrophie
beschrieben wird, ist die asymmetrische Hypertrophie des Ventrikelseptums
ein klassisches Kennzeichen der Erkrankung. Die diastolische Herzfunktion
ist eingeschränkt und die systolische Funktion hyperdynamisch.
Bei Nachweis eines subaortalen Gradienten ist ein lautes systolisches
Herzgeräusch zu auskultieren. Das jährliche Risiko bei Patienten
mit HCM, einem plötzlichen Herztod zu erliegen, liegt bei 2-4%,
auch wenn sie asymptomatisch sind! Makroskopisch ist eine
linksventrikuläre Hypertrophie, insbesondere im Herzseptum, auffällig.
Das Septum wölbt sich in das Ventrikelkavum vor, wodurch eine
Obstruktion auftreten kann. Das Verhältnis zwischen Wanddicke
des Septum und der freien Wand beträgt 3:2. Das Herzgewicht liegt
bei 500g oder höher. Im histologischen Bild charakteristisch,
aber nicht spezifisch ist der Nachweis eines myozytären Disarrays,
also einer Texturstörung. Diese ist durch myozytäre Verzweigungsstörungen
hypertrophierter Kardiomyozyten gekennzeichnet, wobei die normale
parallele Anordnung aufgehoben ist und durch vermehrte seitliche
Verzweigungen und Seit-zu-Seit-Verbindungen ersetzt wird. Zusätzlich
ist das Interstitium bindegewebig umgebaut, wobei das Ausmaß der
Fibrose stärker ist als bei einer Hypertrophie auf dem Boden eines
Hypertonus. Ein myozytäres Disarray wird auch bei einer Herzhypertrophie
anderer Genese beobachtet, jedoch nicht im selben Ausmaß wie bei
der HCM. Die Fläche des Disarrays beträgt hier über 30% des untersuchten
Myokards, hingegen nur bis zu 5% bei einer Herzhypertrophie anderer
Genese. Kleine intramurale Arterien zeigen in 80% der Fälle eine
Wandverdickung mit Vermehrung der Intima- und Mediakomponenten.
Diese Veränderungen werden häufig in der Nähe von Narbenfeldern
beobachtet, so daß ein kausaler Zusammenhang vermutet wird. Genetische
Untersuchungen zeigen, daß die HCM in etwa 50% der Fälle autosomal
dominant vererbt wird. Die restlichen 50% sind sporadische Fälle,
wobei in dieser Gruppe auch Neumutationen oder eine autosomal
rezessive Vererbung mit reduzierter Penetranz vorliegen können.
Die Gene, welche für die familiäre HCM verantwortlich sind, liegen
auf dem langen Arm des Chromosoms 14 und kodieren das kardiale
a- und b- Myosin Heavy Chain (MHC)-Protein. Neuere Untersuchungen
konnten weitere Mutationen an den Genen für das a-Tropomyosin
und Troponin T aufzeigen.
Die restriktive Kardiomyopathie zeichnet
sich durch eine eingeschränkte diastolische Funktion der Ventrikel
mit normalem oder reduziertem diastolischen Volumen aus. Es können
ein oder beide Ventrikel befallen sein, die systolische Ventrikelfunktion
ist nicht eingeschränkt und die Wandstärke ist normal. Man unterscheidet
eine idiopatische und eine spezifische Form, die mit anderen Erkrankungen
assoziiert ist. Die letztere Form ist definitionsgemäß den spezifischen
Kardiomyopathien zuzuordnen. Die restriktive Kardiomyopathie ist
in einigen Teilen Afrikas, Indiens, Südamerikas und Asiens endemisch.
Die idiopathische restriktive Kardiomyopathie
tritt gelegentlich familiär auf und kann mit einer distalen
Skelettmuskelerkrankung verbunden sein. Das Herzgewicht kann leicht
bis mäßig erhöht sein. Gewöhnlich sind beide Vorhöfe vergrößert
und können Thromben in den Herzohren aufweisen. Linker und rechter
Ventrikel haben eine normale Größe mit regelrechter Wandstärke.
Bei einem bestehenden pulmonalen Hochdruck kann eine Rechtsherzhypertrophie
vorliegen. Histologisch fäät eine interstitielle Fibrose
unterschiedlichen Ausmaßes, die fleckförmig im Myokard verteilt
ist, auf.
Unter den spezifischen restriktiven Kardiomyopathien ist die kardiale
Amyloidose außerhalb der tropischen Länder die häufigste
Form. Eine kardiale Beteiligung sieht man häufig im Rahmen einer
primären Amyloidose, z.B. bei Plasmozytom. Die sekundäre Amyloidose
wird durch eine Ablagerung anderer Proteine verursacht und kann
familiär, im Alter oder bei einer chronischen Erkrankung auftreten.
Pathophysiologisch wird ein Prozess angenommen, bei dem normales
Myokard untergeht und durch interstitielle Amyloidablagerungen
ersetzt wird. Die Herzhöhlen haben häufig normale Dimensionen,
können jedoch auch verkleinert oder leicht vergrößert sein. Gelegentlich
finden sich Thromben in den Herzohren. Die linksventrikuläre Wand
kann verbreitert sein, was sich in einer deutlichen Verschlechterung
der Prognose niederschlägt. Histologisch können die interstitiellen
Amyloidablagerungen in allen vier Herzhöhlen nachgewiesen werden.
Das Perikard, die Herzklappen sowie die Koronararterien sind mit
einbezogen. Mit Hilfe von Endomyokardbiopsien läßt sich die Diagnose
sichern und das Amyloid
mittels Immunhistochemie weiter differenzieren.
Die endomyokardiale Fibrose und die Löffler`sche Endokarditis
scheinen unterschiedliche Manifestationen einer restriktiven
Kardiomyopathie zu sein, die beide mit einer Eosinophilie einhergehen.
Es wird angenommen, daß der Inhalt der intrazellulären Granula
der Eosinophilen einen toxischen Effekt auf das Myokard hat. Das
Herz ist normal groß, die Ventrikelhöhlen sind häufig durch eine
exzessive Endokardverbreiterung mit aufgelagerten Thromben obliteriert.
Die Endokardverbreiterung setzt sich auch auf die Papillarmuskeln
fort, was mit einer Klappendeformation und Klappeninsuffizienz
einhergeht.
Die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie
(ARCM) ist erst in der WHO-Klassifikation von 1995 als eigenständige
Entität hinzugekommen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde diese
Erkrankung als arrhythmogene rechtsventrikuläre Dysplasie (ARVD)
bezeichnet. Die arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie
zeichnet sich durch eine segmentale bis globale Kontraktionsstörung
des rechten Ventrikels aus. Das klinische Erscheinungsbild umfaßt
asymptomatische Fälle, die fast ausschließlich bei systematischem
Familienscreening entdeckt werden, über Patienten mit Kammertachykardien
bis hin zum plötzlichen Herztod. In etwa 30% der Fälle läßt sich
eine familiäre Häufung feststellen. Makroskopisch erkennt
man im normalen oder vergrößerten rechten Ventrikel eine vermehrte
Fetteinlagerung, die vom Epikard bis an das Endokard reicht. Histologisch
ist die Erkrankung durch eine interstitielle Lipomatose und vermehrtem
interstitiellen Bindegewebe gekennzeichnet. Zusätzlich können
die Kardiomyozyten degenerative Veränderungen aufweisen. Aufgrund
der segmentalen Ausbreitung der Erkrankung ist die Interpretation
einer negativen Endomyokardbiopsie schwierig, ein positiver Befund
kann die Diagnose entscheidend erhärten. Erschwerend kommt hinzu,
daß diese Erkrankung selten das Interventrikularseptum befällt,
welches üblicherweise biopsiert wird. Die Ätiologie ist noch nicht
bekannt. Es gibt Hinweise, daß Mutationen im Gen des Ryanodin-Rezeptors
bei einigen Familien einer ARCM zugrunde liegen. Neben einer gestörten
sympathischen Innervierung des Myokards wird auch eine entzündliche
Genese angenommen. Es gibt ferner die Auffassung, daß die Apoptose
(programmierter Zelltod) eine Rolle in der Pathogenese spielen
könnte.
In die Gruppe der unklassifizierbare Kardiomyopathie
fallen diejenigen Erkrankungen, die nicht in eine der bisher
genannten Kategorien passen. Dazu gehört die Fibroelastose, die
minimale Kardiomyopathie, sowie die mitochondriale Kardiomyopathie.
Zur Gruppe der spezifischen Kardiomyopathien
werden diejenigen Herzerkrankungen gezählt, bei denen Ätiologie
und Pathogenese bekannt sind. Die Erkrankung zeigt sich klinisch
meist unter dem Bild einer dilatativen Kardiomyopathie. Die ischämische
Kardiomyopathie zeichnet sich durch eine kardiale Dysfunktion
des nichtischämischen oder des nicht direkt infarktgeschädigten
Myokards aus. Die Störung der Herzfunktion läßt sich somit nicht
durch die koronare Herzerkrankung erklären. Die Ursache liegt
in einem Remodelierungs-Prozess mit einer Hypertrophie der Kardiomyozyten
und der Ausbildung von vermehrtem interstitiellen Bindegewebe
und einer perivaskulären Fibrose. Bei der valvuläre Kardiomyopathie
überschreitet die kardiale Dysfunktion das Maß, welches
man bei einem reinen Klappenfehler erwarten würde. Die hypertensive
Kardiomyopathie (Cor hypertensivum) bewirkt eine Hypertrophie
des linken Ventrikels und vermehrter interstitieller Fibrose und
Verbreiterung der intramuralen Gefäße. Daraus resultiert eine
diastolische und im Verlauf der Erkrankung eine systolische Funktionsstörung.
Arznei- und Genußmittel können eine medikamentös-toxische
Kardiomyopathie verursachen. Alkohol kann eine Herzfunktionsstörung
bewirken, wobei jedoch nicht bekannt ist, welche Alkoholmenge
diese Schädigung verursacht. Ebenso können Medikamente wie z.B.
trizyklische Antidepressiva, Lithiumcarbonat und auch Adriamycin
eine Kardiomyopathie verursachen. Die inflammatorische Kardiomyopathie
wurde 1995 erstmals in die Klassifikation aufgenommen. Sie
ist als Entzündung des Myokards mit einer Funktionseinschränkung,
die histologisch und immunhistochemisch am Gewebe diagnostiziert
wird, definiert. Ursächlich für diese Form sind Virusinfektionen,
Trypanosomiasis (Chagas-Myokarditis)
und immunologische Prozesse.
Myokarditis
Die Myokarditis ist als Pumpfunktionsstörung auf
dem Boden einer Entzündung im Myokard definiert. Klinisch zeigt
sich häufig ein plötzlicher Beginn der Herzinsuffizienz mit Rhythmusstörungen
sowie einer Assoziation mit einer grippeähnlichen Erkrankung einige
Wochen zuvor. Das makroskopische Bild ist uncharakteristisch und
reicht von normalem Myokard über eine schlaffe Ventrikeldilatation
zu einer scheckigen, getigerten Myokardschnittfläche. Histologisch
imponiert eine Durchsetzung des Myokards mit überwiegend rundzelligen
Entzündungszellen, bestehend aus T-Lymphozyten und Makrophagen.
Nach der Dallas-Klassifikation kann eine Myokarditis nur diagnostiziert
werden, wenn zum Entzündungsinfiltrat zusätzlich Myozytennekrosen
oder zumindest eine Degeneration von Myozyten sichtbar sind. Häufig
sind die Entzündungszellinfiltrate nicht diffus, sondern fleckförmig
im Myokard verteilt, so daß die Läsionen u.U. im Biopsiematerial
nicht repräsentiert sind. Dies könnte ein Grund für die schlechte
Korrelation zwischen Klinik und Pathologie sein. Die Dallas-Klassifikation
unterscheidet ferner eine "borderline" Myokarditis mit
wenigen Entzündungszellen ohne Myozytenschädigungen. Einige Autoren
bezeichnen dieses Bild als chronische Myokarditis, welches das
Äquivalent zur inflammatorischen Kardiomyopathie darstellt. Durch
die Charakterisierung des Entzündungszellinfiltrates läßt sich
die Ursache bzw. die Differentialdiagnose (Tabelle) weiter eingrenzen.
Die häufigste Ursache einer lymphozytären Myokarditis
ist eine Infektion mit kardiotropen Viren. Am häufigsten sind
die Infektionen mit Coxsackie B, Zytomegalie und Adenoviren Therapeutisch
steht an erster Stelle die medikamentöser Therapie der Herzinsuffizienz
und strikte Bettruhe. Bei nicht beherrschbarer Herzinsuffuzienz
ist die Implantation eines Linksherz-Unterstützungssystems (LVAD)
zu erwägen. Mit diesem System ist die Überbrückung des Patienten
bis zur Herztransplantation möglich, in Einzelfällen ist auch
eine Erholung der Herzfunktion am LVAD beobachtet worden, wodurch
der Ausbau des Systems ohne Durchführung einer Herztransplantation
möglich war. Inwieweit eine immunsuppressive Therapie nützlich
ist, wird kontrovers diskutiert.
Herztumoren
Herzmetastasen maligner Tumoren, zumeist von Melanomen
und Karzinomen, sind selten, treten aber weitaus häufiger
auf als herzeigene Tumoren. Wichtigste Differentialdiagnose eines
im Herzbeutel ausgebreiten malignen Tumors ist das Mesotheliom.
Primäre Tumoren des Herzens sind selten und meist
gutartig und überwiegend im linken Vorhof zu finden. Im Kindesalter
sieht man am häufigsten das Rhabdomyom, im Erwachsenenalter das
Myxom. Rhabdomyome kommen fast ausschließlich nur im Säuglings-
und Kindesalter vor. Sie können solitär oder multipel auftreten.
Histologisch erkennt man aufgetriebene Myozyten mit fast leerem
Zytoplasma und feinen Strängen der Zellmatrix. Der Kern ist häufig
wie aufgehängt im Raum der Zelle weshalb diese Zelle auch Spinnenzelle
(Spider cell) genannt wird. Das Myxom ist ein gutartiger
Tumor, der von undifferenzierten, subendokardial gelegenen Mesenchymzellen
ausgeht. Meist liegt ein gestielter Tumoren im linken Vorhofs
vor. Makroskopisch findet man ein glasig-gallertiges Gewebe von
gräulich bis dunkelroter Farbe. Die dunkelrote Farbe ist bedingt
durch frische und ältere Gewebseinblutungen. Histologisch besteht
das Myxom aus polygonalen Mesenchymzellen die in einer myxoiden
Grundsubstanz eingebettet sind. Daneben sind auch zahlreiche primitive
Blutgefäße mit reichlich Eisenpigment zu sehen.
Fehlbildungen des Herzens
Die embryonale Herzentwicklung ist in der 8. bis 9. Schwangerschaftswoche
abgeschlossen. Die kongenitalen Fehlbildungen des Herzens entstehen
während dieser Zeit durch Störungen der normalen Herzentwicklung.
Von 1000 lebend geborenen Kindern zeigen etwa 8-10 einen Herzfehler.
Diese sind multifaktoriellen Ursprungs. Die Hälfte aller Kinder
mit einem Herzfehler haben zusätzlich weitere Fehlbildungen. Bekannte
Ursachen von Herzfehlern sind neben einzelnen chromosomalen Anomalien
(Trisomie 13, 18 und 21) das Di-George-Syndrom, mütterliche Erkrankungen
(Rötelninfektion während der Schwangerschaft, Alkoholkrankheit,
Diabetes mellitus, Phenylketonurie) und Medikamente (Thalidomid,
Hydantoin). Aufgrund klinischer und funktioneller Aspekte können
die angeborenen Herzfehler folgendermaßen unterschieden werden:
- Arterio-venöse Shuntvitien,
- Venoarterielle Shuntvitien mit verminderter
oder mit erhöhter Lungendurchblutung,
- Obstruktive Herzfehler
Arterio-venöse Shuntvitien
Zu den arterio-venösen Shuntvitien gehören der Vorhofseptumdefekt,
Ventrikelseptumdefekt, Endokardkissendefekt, offener Ductus arteriosus
Botalli und das aortopulmonale Fenster.
Vorhofseptumdefekt
Der Vorhofseptumdefekt (ASD) stellt eine angeborene offene Verbindung
zwischen beiden Vorhöfen dar. Man unterscheidet:
1. Ostium primum-Defekt (ASD I)
Ein seltener, tiefsitzender Vorhofseptumdefekt, der bis zur Atrioventrikular
(AV)- Klappenebene reicht. Häufig ist zusätzlich eine Anomalie
der AV-Klappen (= partieller AV-Kanal) und ein Ventrikelseptumdefekt
(= totaler AV-Kanal) vorhanden. Ursächlich liegt hier eine Hemmungsmißbildung
der Endokardkissen vor. Der ASD I ist sehr viel seltener und durch
AV-Klappenfehler hämodynamisch bedeutsamer als der ASD II.
2. Ostium secundum-Defekt (ASD II)
Häufiger Defekt der Fossa ovalis, verursacht durch eine Entwicklungshemmung
des Septum secundum. Aufgrund des geringen Druckgradienten zwischen
dem linken und rechten Vorhof (links 10 mm Hg, rechts 5 mm Hg)
sind die hämodynamischen Auswirkungen gering.
3. Sinus venosus-Defekt
Seltener hoher Vorhofdefekt an der Grenze zur oberen Hohlvene,
meist kombiniert mit einer Fehlmündung der V. pulmonalis. Die
Lungenvene mündet statt in den linken Vorhof in den rechten.
Ventrikelseptumdefekt
Der Ventrikelseptumdefekt (VSD) stellt eine angeborene offene
Verbindung zwischen beiden Ventrikeln dar. Der VSD ist ein häufiger
Defekt und tritt zur einen Hälfte isoliert und zur anderen Hälfte
in Kombination mit anderen Anomalien auf. In 70-80% der Fälle
besteht ein hochsitzender, subaortal gelegener Defekt der Pars
membranacea. Muskuläre Defekte sind selten.
Aufgrund des hohen Druckgradienten zwischen dem linken und rechten
Ventrikel kommt es zu einem Links-rechts-Shunt. Daraus resultiert
eine rechtsventrikuläre Volumenbelastung mit nachfolgender exzentrischer
Hypertrophie und pulmonaler Hypertonie. Die pulmonale Hypertonie
(erhöhter Druck im Lungenkreislauf) verursacht Veränderungen an
den Pulmonalarterien (Pulmonlarteriensklerose), daß der Lungengefäßwiderstand
ansteigt, wodurch es zu einer Druckbelastung im rechten Ventrikel
kommt. Übersteigt der Druck im rechten Ventrikel den des linken
Ventrikels, kommt es zu einem Rechts-links-Shunt. Diese Shuntumkehr
bezeichnet man als Eisenmenger-Reaktion.
Offener Ductus arteriosus Botalli
Der offene Ductus arteriosus ist eine über die Neugeborenperiode
hinaus funktionierende Kurzschlußverbindung zwischen Pulmonalarterie
und dem Anfangsteil der Aorta descendens. Im fetalen Kreislauf
fließen über diese Verbindung 2/3 des vom rechten Ventrikel gepumpten
Blutes unter Umgehung der Lungen in die Aorta. Nach der Geburt
kommt es physiologisch zu einem kontraktionsbedingten funktionellen
Verschluß des Ductus innerhalb von 20 Std. Bei fehlendem Verschluß
kommt es zu einem Links-rechts-Shunt, da der Druck nach der Geburt
in der Aorta höher ist als in der Pulmonalarterie. Es resultiert
eine Volumenbelastung des Lungenkreislaufs und des linken Herzens.
Aortopulmonales Fenster
Das aortopulmonale Fenster ist eine Kurzschlußverbindung der
Aorta ascendens und der Pulmonalarterie. Die Klink und die hämodynamischen
Konsequenzen sind dem des offene Ductus arteriosus Botalli ähnlich.
Chirurgisch muß, anders als bei der Korrektur des offenen Ductus,
das aortopulmonale Fenster mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine
operiert werden, da immer die Aorta ascendens im Inneren korrigiert
wird.
Venoarterielle Shuntvitien
Bei den venoarteriellen Shuntvitien unterscheidet man solche
mit vermehrter Lungendurchblutung (Transposition der großen Gefäße)
und verminderter Lungendurchblutung (Fallot-Tetralogie).
Als Transposition der großen Gefäße bezeichnet man eine
Gruppe von Fehlbildungen, die sich durch eine Vertauschung der
Lagebeziehung der A. pulmonalis und der Aorta zur Ventrikelebene
auszeichnet. Es werden die typische einfache Transposition und
die korrigierte Transposition unterschieden.
Bei der typischen einfachen Transposition entspringt die
Aorta ascendens aus dem rechten Ventrikel und liegt links ventral
vom Truncus pulmonalis. Der Truncus pulmonalis entspringt aus
dem linken Ventrikel und liegt dorsal von der Aorta. Durch diese
Transposition werden beide Kreisläufe parallel geschaltet wodurch
zwei separate Kreisläufe vorliegen. Dieser Zustand ist nur mit
dem Leben vereinbar, wenn zusätzlich Shuntverbindungen zwischen
beiden Kreisläufen bestehen: durch einen Vorhofseptumdefekt, Ventrikelseptumdefekt
oder einen offenen Ductus arteriosus.
Auch bei der korrigierten Transposition entspringt die
Aorta ventral vom Truncus pulmonalis aus einem links gelegenen
und an den linken Vorhof angeschlossenen, anatomisch aber rechten
Ventrikel. Entsprechend entspringt der Truncus pulmonalis aus
einer dorsalen Position aus einem rechts gelegenen, anatomisch
aber linken Ventrikel, der an den rechten Vorhof angeschlossen
ist. Die physiologische Umschlingung der beiden großen Gefäße
ist nicht vorhanden, so daß beide Gefäße in paralleler Lage zueinander
aufsteigen. Somit ist die Transposition funktionell korrigiert
und die Prognose dieser Patienten gut, falls keine weiteren Fehlbildungen
vorliegen.
Bei der Fallot-Tetralogie handelt es sich um eine Kombination
von Fehlbildungen und adaptativen Formveränderungen des Herzens
mit folgenden vier Komponenten: 1. Pulmonalstenose (infundibulär,
valvulär, supravalvulär), 2. Ventrikelseptumdefekt, 3. nach rechts
über dem Ventrikelseptumdefekt überreitende Aorta und 4.
Rechtsherzhypertrophie. Die Fallot-Tetralogie ist der häufigste
Herzfehler mit Zyanose. Der Grad der Pulmonalstenose bestimmt
den postnatalen Verlauf. Bei geringer Stenose wird die Lunge noch
ausreichend durchblutet und über den VSD führt die Aorta sauerstoffreiches
Mischblut. Bei starker pulmonaler Obstruktion kommt es frühzeitig
zum Rechts-links-Shunt mit rechtsventrikulärer Hypertrophie und
starker Zyanose. Der Pulmonalisstamm, die Lungengefäße und der
linke Vorhof erhalten dann zu wenig Blut und werden hypoplastisch.
Obstruktive Herzfehler
Beim hypoplastischen Linksherzsyndrom sind der linke Ventrikel
und die Aorta ascendens unterentwickelt. Zusätzlich besteht eine
Mitralatresie und Aortenatresie oder eine Mitralstenose mit Endokardfibroelastose.
Die systemische Durchblutung erfolgt über einen offenen Ductus
arteriosus Botalli. Wenn keine chirurgische Intervention erfolgt,
sterben die Kinder in den ersten Lebenstagen.
Die Aortenisthmusstenose (=Koarktation) ist eine isolierte
Enge der Aorta in unmittelbarer Nachbarschaft des Ductus arteriosus
Botalli. Es werden der juvenile Typ (=präduktale Isthmusstenose)
und der adulte Typ (=postduktale Isthmusstenose) unterschieden.
Beim juvenilen Typ liegt die Stenose (tubuläre Hypoplasie
des Aortenbogens) vor dem offenen Ductus arteriosus Botalli. Das
Blut staut sich ins linke Herz und in die Lungen zurück, wodurch
es zu einer Rechtsherzbelastung kommt. Ein Teil des venösen Blutes
aus dem rechten Ventrikel und dem Truncus pulmonalis fließt unter
Umgehung der Lungen über den offenen Ductus arteriosus Botalli
in die Aorta descendens ab. Dadurch entsteht eine Zyanose in der
unteren Körperhälfte. Da der Blutdruck proximal und distal der
Stenose etwa gleich ist, bilden sich keine Kollateralen. Beim
adulten Typ liegt die Stenose distal des ehemaligen, jetzt
verschlossenen Ductus arteriosus Botalli. Es entsteht ein hoher
Druckgradient zwischen Brust- und Bauchaorta. Über die Aa. thoracicae
internae und den Aa. intercostales können sich Kollateralkreisläufe
ausbilden, die charakteristische Druckusuren am Unterrand der
Rippen hervorrufen. Es besteht ein Bluthochdruck in der oberen
Körperhälfte, ein niedriger Blutdruck in der unteren Körperhälfte.
Kongenitale Stenosen der Aorten- und Pulmonalklappe
Im Abgangsbereich von Aorta und Truncus pulmonalis kommen isolierte
Stenosen vor. Diese liegen entweder supravalvulär, also oberhalb
der Klappenebene, valvulär (in der Klappenebene) oder subvalvulär,
d.h. unterhalb der Klappenebene.
Mechanischer Herzersatz, Herztransplantation
....folgt.......
Gefäße
Atherosklerose / Arteriosklerose
Die Begriffe Arteriosklerose und Atherosklerose werden heutzutage
gewöhnlich synonym gebraucht. Als diese Begriffe vor über
100 Jahren jedoch eingeführt wurden, wurden durchaus getrennte
Entitäten darunter verstanden. Während die Atherosklerose
primär durch einen Intimaschaden entsteht und als
(Ernährungs-)Wohlstandserkrankung seinerzeit weitaus seltener
war als heute, entsteht die Arteriosklerose Typ Mönckeberg
als Mediokalzinose primär
innerhalb der Media. Es kommt durch spangenförmige
Verkalkungen der Media an den betroffenen Gefäßen,
oft der unteren Extremitäten, aber auch innerhalb von mittelkalibrigen
Organarterien, die z. B. in Hysterektomie- oder Strumektomiepräparaten
beobachtetet werden können, zum Bild der "Gänsegurgelarterie".
Die Mediokalzinose tritt bei Diabetes mellitus vermehrt auf.
Die Ätiologie der Atheromatose ist noch weitgehend unbekannt.
Man kennt eine Reihe von Risikofaktoren, wobei als Risikofaktoren
erster Ordnung die Hypertonie, die Hyperlipidämie, das Rauchen
und der Diabetes mellitus gesichert sind. Risikofaktoren zweiter
Ordnung sind die Adipositas, Bewebungsmangel, Stress, Hyperurikämie
und hormonelle Faktoren. Die Vorstellungen zur Ätiologie
und zur kausalen Pathogenese der Atherosklerose leiten sich überwiegend
von morphologischen Befunden zur formalen Pathogenese der Erkankung
ab. Daher ist es sinnvoll, den Verlauf dieser Erkrankung nachzubezeichnen.
Die initiale Läsion ist offenbar ein Endothelschaden an
Orten, die einem erhöhten Druck ausgesetzt sind. Hierfür
spricht, daß sich die Atherosklerose zunächst an Stellen
vermehrter Druckbelastung an den Arterienabgängen entwickelt
und daß sich distal einer Stenose nur selten eine Atherosklerose
findet. Durch diesen initialen Intimaschaden kommt es zu flüchtigen
Parietalthromben und zu einer herdförmigen Entzündung,
als deren Folge Blutplasma in die Intima eintritt (Intimaödem).
Dieses Ödem kann jedoch nicht über die weitgehend undurchlässige
Lamina elastica interna drainiert werden. Es kommt somit zu trophischen
Störungen von Intimazellen in Form einer Verfettung, so dass
ein Lipidfleck (Lipoidose, fatty streak) resultiert. Histologisch
findet man in diesen Flecken subintimal gelegene Schaumzellen
mit intrazellulärer Lipidansammlung. Diese Vorgänge
spielen sich in westlichen Ländern bereits in den ersten
25 Lebensjahren ab. Da das innere Drittel der Wände großer
Arterien per diffusionem versorgt wird und die äußeren
zwei Drittel durch Vasa vasorum, führt die Verdickung der
Intima zu weiteren trophischen Störungen. Durch Zelluntergang
werden Lipide freigesetzt, die sich schließlich zusammen
mit nekrotischem Material extrazellulär ablagern. Es entsteht
ein Atherom. Die Lipide sind in dem subintimalen Milieu
unlöslich; histologisch fallen die gut erkennbaren Cholesterinkristalle
aus. Die Inhaltsstoffe des Atheroms bewirken einen Fremdkörperreiz,
was sich gut an den mehrkernigen Riesenzellen um Cholesterinkristalle
ablesen läßt. Durch diese Entzündung und die Freisetzung
von Mediatoren kommt es im weiteren Verlauf zu einer Aktivierung
von intimalen Myofibroblasten, die eine an interstitiellen Kollagenen
reiche extrazelluläre Matrix produzieren. Mit diesem Narbengewebe
entsteht eine liposklerotische Plaque. Diese Vorgänge
finden sich ab dem dritten und vierten Lebensjahrzehnt. Ein weiteres
Element im Aufbau komplexer (komplizierter) Plaques ist die Kalzinose,
also die Ablagerung von Kalksalzen innerhalb der bradytrophen
Narbenareale. Größere Fibroatherome enthalten
oberhalb des Atheroms eine fibröse Kappe, die besonderen
Scherkräften an der Schulter des Atheroms im Übergang
zur noch normalen Gefäßwand ausgesetzt sind. Möglicherweise
bewirken aber auch Umbauvorgänge innerhalb der extrazellulären
Matrix eine Lockerung, so daß das Fibroatherom rupturieren
kann. An der Rupturstelle entsteht ein parietaler Thrombus, u.U.
kommt es gleichzeitg zur Einschwemmung von Blut in das Atherom
und ggf. zu einer Größenzunahme des Herdes. Bei Ruptur
eines Atheroms ist auch die hämatogene Verschleppung von
Atherominhalt (Atherombreiembolie) bzw. zu einer Mobilisierung
und Embolisierung von Atherominhalt möglich. Dieses betrifft
insbesondere die Aorta. Besonders häufig werden derartige
Embolien iatrogen durch Katheterisierung ausgelöst, wobei
Arteriolen der Nieren und der unteren Extremität verschlossen
werden können. Die Atheromatose mittel- und kleinkalibriger
Arterien bewirkt oft eine hämodynamisch wirksame Stenose
mit der Folge einer relativen, also bei Belastung eintretenden,
bzw. absoluten, also schon im Ruhezustand wirksamen, Ischämie.
Findet die Ruptur in einer mittel- bis kleinkalibrigen Arterie
statt, z. B. einer Koronararterie, so ist nicht selten der Verschluss
des Gefäßes durch die Thrombose und ein Infarkt in
der nachfolgenden Gefäßprovinz die Folge. Bei Ablösung
größerer Thromben kann durch Aufreiten des Thrombus
auf der Aortengabel eine Ischämie beider unterer xtremitäten
entstehen (Leriche-Syndrom). Durch Zunehmende Zerstörung
und Schwächung der Media können zudem an umschriebener
Stelle atherosklerotische Aneurysmen auftreten.
Ätiopathogenetische Modelle der Arteriosklerose
Die Bedeutung der Hyperlipidämie, insbesondere von LDL-Cholesterin,
der Adipositas und auch die Zusammensetzung der Lipide innerhalb
der Atherome stellen die Grundlage für die lipogene Hypothese
dar, die die Bedeutung des Einstroms der kleinen low density Lipoproteine
(LDL) in den Vordergrund stellt. Die Perfusionshypothese baut
auf der Beobachtung eines initialen Ödems und der relativen
Undurchlässigkeit der Lamina elastica interna auf. Die Ähnlichkeit
von Thrombenorganisaten nach Thrombembolie mit den Narben innerhalb
einer fibrösen Plaque bei Atherosklerose und die Beobachtung,
daß die Myofibroblasten einer fibrösen Plaque monoklonaler
Herkunft sind, also von einer Ursprungszelle abstammen, ist die
Grundlage der thrombogenen bzw. fibroplastischen Hypothese. Die
primäre Undurchlässigkeit der Lamina elastica interna
nach initialem Ödem ist als Perfusionshypothese bekannt geworden.
Bei anderen Hypothesen stehen immunologische Vorgänge und
Infektionen im Vordergrund. Da in arteriosklerotischen Beeten
auch leukozytäre Infiltrate nachweisbar sind, wurde immer
wieder vermutet, daß Erreger die Erkrankung auslösen
können. Als möglicher Erreger werden derzeit Chlamydien
und Helicobacter diskutiert, allerdings steht der Beweis, daß
es sich hierbei nicht nur um Epiphänomene handelt, noch aus.
Aneurysmata
Der Begriff Aneurysma bezeichnet die irreversible, also durch
Wanddefekte oder Wandumbau entstandene irreversible Ausweitung
einer Arterienwand. Ausweitungen von Venenwänden werden Varizen
genannt. Die die Wandspannung sich aus den Faktoren Druck und
Radius ergibt, haben einmal entstandene Aneurysmata die Tendenz,
sich zu vergrößern und zu platzen. Grössere Aneurysmata
sollten daher operiert werden. Die Einteilung der Aneurysmata
berücksichtigt den Wandaufbau, die Pathogenese, die Lokalisation
und die Form.
Zunächst lassen sich echte Aneurysmata (Aneurysma verum)
von falschen Aneurysmata (Aneurysma spurium) unterscheiden.
Beim Aneurysma verum bestehen die Wandschichten aus der (umgebauten)
Gefäßwand, beim Aneurysma spurium dagegen aus einem
nach Kontinuitätstrennung der Gefäßwand neugebildeten
Narbengewebe. EIn Aneurysma spurium entsteht daher z.B. nach Nekrosen
oder Verletzungen der Gefäßwand, nach Gefäßnähten
oder an Stellen vorhergegangener Arterienpunktion.
Nach ihrer Form unterscheidet man kugelige und spindelförmige
(fusiforme), eher symmetrische, von sackförmigen (sakkulären)
asymmetrischen Aneurysmata. In ihrer Mehrheit sind die Aneurysmata
atherosklerotischer Herkunft und
in der infrarenalen Aorta abdominalis lokalisiert. Eine weitere
Prädilektionsstelle des atherosklerotischen Aneurysmas sind
die großen Beckenarterien, danach die thorakale Aorta. Parietale
Abscheidungsthromben liegen oft vor, u.U. ist das Aneurysma weitgehend
durch jahresringartig geschichtete kautschukhyaline Thromben ausgefüllt.
Davon zu unterscheiden ist das Aneurysma
dissecans, dessen Entstehung durch Nekrosen und Umbauvorgänge
in der Media elastischer Arterien begünstigt wird. Bei diesen
Vorgängen kommt es zum Verlust elastischer Fasern und Ersatz
durch eine an sauren Mukopolysacchariden reiche extrazelluläre
Matrix. Die Ursache dieser Vorgänge ist meistens unklar (idiopathische
zystische Medianekrose Erdheim-Gsell), in einem Teil der Fälle
können genetische Defekte in Matrixbestandteilen angeschuldigt
werden (z.B. beim Marfan-Syndrom). An Stellen hoher mechanischer
Belastung, gewöhnlich in der Aorta ascendens knapp oberhalb
der Aortenklappe, kann die Intima einreißen und das Blut
sich innerhalb der defekten Media vorwühlen. Die Dissektion
kann dann u.U. große Teile der Aorta umfassen und sich in
die großen Halsgefäße ausdehnen. Kommt es am
Ende der Dissektionsstrecke zur Rückruptur, so liegen ein
echtes und ein falsches Gefäßlumen vor. Meistens aber
verläuft die Ruptur des Aneurysma dissecans, das auch bei
Arteriosklerose auftreten kann, in Richtung Adventitia und es
entsteht eine Massenblutung in den Herzbeutel oder die Weichteile
des Halses, des Mediastinums bzw. des Abdomens. Die Ruptur in
den Herzbeutel ist deshalb häufig, weil am Übergang
zwischen Pericard und Gefäßrohr die mechanische Beanspruchung
besonders hoch ist. Es kommt zu einem Hämatoperikard bzw.
einer Herzbeuteltamponade, durch die das Niederdrucksystem,
der rechte Ventrikel, komprimiert wird. Die Folge ist ein akutes
Rechtsherzversagen.
Von diesen Aneurysmen ist das Aneurysma der Hirnbasisarterien
als eine Sonderform abzugrenzen. Diese sackförmigen Aneursymata
("berry-aneurysm") entstehen an Orten angeborener Gefäßwandschwäche,
oft an Gefäßverzweigungen, und führen bei Ruptur
(meistens zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr) zu Blutungen in
den Subarachnoidalraum mit Hirndruck und nachfolgend zur Einklemmung
des Gehirns im Foramen magnum.
Aneurysmen, die auf Grund einer Entzündung der Arterienwand
entstanden sind, werden mykotische Aneurysmata genannt.
Der Begriff bedeutet allerdings nicht, daß Pilzerkrankungen
die Ursache wären, sondern daß die Arterienwand durch
Erreger, meistens Bakterien, geschädigt wurde. Die Aneurysmawand
ist besonders dicht von Entzündungszellen infiltriert. Je
nach Ausmaß der Wanddestruktion kann es sich um ein Aneursyma
verum oder um ein Aneurysma spurium handeln. Eine Sonderform des
entzündlichen Aneurysmas stellt das syphilitische Aneurysma
dar, das in der thorakalen Aorta bei Mesaortitis aortae durch
Vaskulitis der Vasa vasorum entstehen kann.
Mikroangiopathien
Ebenso wie die Atherosklerose entstehen die häufigsten Mikroangiopathien
im Gefolge der Hypertonie und des Diabetes mellitus. Im Vordergrund
stehen dabei allerdings die Nieren, der Augenhintergrund, die
Haut und periphere Nerven.
Arteriolosklerose
Durch den Hochdruck kommt es an Arteriolen durch Insudation von
Blutplasma zu Umbauvorgängen, die mit einer Verbreiterung
und hyalinen Verquellung der Gefäßwand durch Ablagerung
PAS-positiven Materials einhergehen. Die durch diese Verquellung
bedingte Ischämie führt an der Niere zu Tubulusschäden
und zur Atrophie und Vernarbung von Glomerula. Durch die gleichmäßig
verteilten, kleinen Narben erscheint die Nierenoberfläche
fein granulär, im Endstadium sind die Nieren atroph. Das
erhaltene Gewebe erscheint an der Oberfläche vorgewölbt
und gut durchblutet (rote Granularatrophie). Diese sich langsam
entwickelnde Form der Arteriolosklerose der Niere wird als benigne
Nephrosklerose bezeichnet.
Arteriolonekrose
Von der benignen ist die rascher fortschreitende sog. maligne
Nephrosklerose zu unterscheiden, die z.B. bei schlecht einstellbarer
Hypertonie (maligner Hypertonie) oder bei Sklerodermie entstehen
kann und mit Wandnekrosen der Arteriolen sowie glomerulären
Schlingennekrosen einhergeht.
Diabetes meIlitus
Neben seiner Bedeutung für die Entwicklung der Atherosklerose
(diabetische Makroangiopathie) führt der Diabetes mellitus
auch zur diabetischen Mikroangiopathie. Die Erkrankung kleinerer
Gefäße manifestiert sich als Hyalinose und Ablagerung
PAS-positiver Substanzen, u.U. auch in der Entwicklung von Mikroaneurysmata.
In einem Teil der Fälle entwickelt sich die für den
Diabetes mellitus pathognomonische noduläre Glomerulosklerose
Kimmelstiel-Wilson. Die diabetische Niere zeigt arteriolosklerotische
Rindennarben und ist anfangs blass und vergrößert,
im Endstadium jedoch blass und verkleinert (blasse Granularatrophie).
Amyloidose
Amyloidablagerungen finden sich oft in Gefäßwänden.
In einem Teil der Fälle ist auch die für die Entnahme
submuköser Gewebsproben leicht zugängliche Rektalschleimhaut
betroffen.
Vaskulitis
Im Gegegensatz zu degenerativen Gefäßerkrankungen
sind entzündliche Gefäßerkrankungen (Vaskulitis,
Angitis) vergleichsweise selten. Je nachdem, ob kleinere oder
größere Gefäße befallen sind und/oder Thromben
auftreten, zeigen sich Symptome der relativen oder absoluten Ischämie.
Vaskulitiden können generalisiert auftreten, zeigen jedoch
häufig typische topische Organbeziehungen. Nach ihrer Pathogenese
werden zwei Formen unterschieden: Primäre (idiopathische
Vaskulitiden) und sekundäre Gefäßentzündungen
bei anderen Grunderkrankungen. Entzündungen der Arterien,
Venen und Lymphangien bezeichnet man als Arteriitis, Phlebitis
bzw. Lymphangiitis.
Primäre Vaskulitis
Morphologisch bieten sich zwei übergeordnete Bilder, das
der Endangiitis und das der Panarteriitis. Zur Panarteriitis zählen
neben der klassischen Panarteriitis nodosa verschiedene weitere
mit z.T. charakteristischer Lokalisation, Morphologie und immunologischen
Befunden einhergehende Gefäßentzündungen.
Zu den bei einigen Vakulitiden auftretenden charakterisitschen
Veränderungen zählen der Nachweis von Immunkomplexen,
deren Ablagerung dann auch die Schädigung vermittelt. Bei
anderen Erkankungsformen treten Autoantikörper gegen zytoplasmatische
Antigene neutrophiler Granulozyten (ANCA) auf, die von zumindest
diagnostischer Bedeutung für diese Erkrankungen sind. In
der Immunfluoreszenz können diese Antikörper in solche,
die diffus zytoplasmatisch reagieren (c-ANCA, Autoantigen: Proteinase-3
u.a.) und solche, die betont perinukleär reagieren (p-ANCA,
Autoantigen: u.a. Myeloperoxidase), unterscheiden werden. Der
Morbus Wegener zeigt z.B. ausschließlich c-ANCA, die klassische
Panarteriitis nodosa p-ANCA und auch das Churg-Strauss-Syndrom
c-ANCA und p-ANCA.
Endangiitis (Thrombangiitis) obliterans (Winiwarter-Buerger)
Diese Erkrankung unbekannter Ursache manifestiert sich an den
Arterien der unteren Extremitäten noch jüngerer, d.h.
etwa 30-40 Jahre alter, männlicher Zigarettenraucher. Anfangs
finden sich auf die Intima beschränkte entzündliche
Infiltrate, die zu obturierenden Thrombosen führen. Die Läsionen
vernarben später. Die Erkrankung verläuft gewöhnlich
rasch und führt zur Gangrän, so daß Amputationen
notwendig werden.
Klassische Panarteriitis (Poly-, Periarteriitis) nodosa
Es handelt sich um eine herdförmige Erkrankung, die alle
Wandabschnitte mittlerer und kleinerer muskulärer Arterien
erfaßt, so daß makroskopisch kleine entzündungsbedingte
Knötchen der Arterienwände auftreten. Die Erkrankung
macht sich durch Verschlüsse mit entsprechender Ischämiesymptomatik
bemerkbar. In einem Teil der Fälle sind Immunkomplexe nachweisbar,
häufig besteht auch eine Hepatitis B-Virus-Antigenämie.
Einige Fälle zeigen Autoantikörper des Typs p-ANCA.
Arteriitis temporalis Horton, Takayasu-Arteriitis
Die Arteriitis Horton findet sich in der Arteria temporalis, die
verhärtet und geschlängelt hervortritt und schmerzhaft
ist. Im akuten Stadium sind oft Riesenzellen nachweisbar, daher
auch der Name Riesenzellarteriitis. In späteren Stadien ist
das Gefäß vernarbt. Aufgrund der Gefäßverschlüsse
im akuten Stadium droht die Erblindung auch der noch nicht betroffenen
Seite, so daß eine eilige Diagnostik und Therapie eforderlich
ist. Eine Variante der Erkankung am Aortenbogen wird als Takayasu-Erkrankung
bezeichnet.
Wegenersche Granulomatose
Es handelt sich um eine Vaskulitis kleinerer Gefäße,
de oft mit Granulomen und glegentlich auch mit Riesenzellen eihergeht.
Durch Verschlüsse werden ausgedehnte Nekrosen in repiratorischer
Schleimhaut bewirkt. Die Erkrankung beginnt typischerweise im
Nasen-Rachen-Raum mit ulzerierenden Granulomen, befällt häufig
die Lungen und recht regelmäßig die Nieren. Oft werden
in Gewebssproben erkrankter Nasenschleimhaut aufgrund der Nekrosen
keine wegweiseden Veränderungen gefunden, im Zusammenhang
mit dem Nachweis von Autoantikörpern des Typs c-ANCA legen
die Befunde die Diagnose eines M. Wegener nahe.
Allergische Granulomatose Churg-Strauss
Im Gegensatz zur einfachen Wegnerschen Granulomatose finden sich
hier in den befallenen Arterien reichlich eosinophile Granulozyten.
Auch hier ist die Lunge häufig betroffen.Die Erkrankung ist
oft mit einer allergischen Diathese verquickt.
Kawasaki-Syndrom
Es handelt sich um eine in Europa seltene Erkrankung kleiner
Kinder, die allgemeine Infektzeichen mit vergrößerten
Lymphknoten zeigen. Typisch sind entzündliche Veränderungen
an den Handinnenflächen und Fußsohlen und an der Mundhöhlenschleimhaut
(Muko-kutanes Syndrom). Die Erkrankung ist in der Regel harmlos
und heilt spontan ab, in etwa 3% aller Fälle kommt es jedoch
zu einer nekrotisierenden Vaskulitis, nahezu ausschließlich
der Koronararterien, die zu Myokardinfarkten und z.T. später
auch zu Koronaraneurysmata führen kann.
Hypersensitivitatsangiitis
Die Erkrankung befallt nahe ausschließlich kleine Arterien
der Haut mit petechialen Blutungen und Nekrosen. Immunhistologisch
sind Immunkomplexe nachweisbar, lichtmikroskopisch sieht man reichlich
neutrophile Granulozyten (Ieukozytoklastische Vaskulitis).
Purpura Schoenlein-Henoch
Diese Erkankung geht ebenfalls auf Immunkomplexe zurück,
die möglicherweise durch Infekte getriggert werden. Typischerweise
finden sich Immunkomplexe, Thromben und Nekrosen in den befallenen
Blutgefäßen. An der Haut kommt es zu petechialen Blutungen
(Purpura), an den Nieren zu Schlingennekrosen der Glomerula. Die
Thrombose führt zu einer sekundären Verbrauchskoagulopathie.
Sekundäre Vaskulitis
Alle Erkrankungen aus der sehr heterogenen Gruppe der sogenannten
Kollagenosen können kleinere oder größere Gefäße
befalle, so die rheumatoide Arthritis, der systemischen Lupus
erythematodes (ANA-positiv), Dermatomyositis und Polymyositis,
die Sklerodermie, das Sjögren-Syndrom und der M. Behcet.
Z.T. wird eine leukozytoklastische Vaskulitis wie bei der Hypersensitivitätangiitis
beobachtet. Differentialdiagnostisch ist gerade für ihrerseits
mit Granulomen einhergehende Vaskultiden die Abgrenzung der Sarkoidose
an kleineren Gefäße, z.B. der Lunge, wichtig. Auch
hierbei ist die Kenntnis immunologischer Befunde (keine Immunkomplexe,
keine ANCA, keine ANA). Zahlreiche Medikamente und Drogen können
ebenfalls Vaskulitiden induzieren. Gefäßwandveränderungen
auch unter dem Bild der Vaskulitis können als Bestrahlngsfolge
entstehen (Strahlenvaskulitis). Das Intervall zwischen initialer
Bestrahlung und dem resultierenden vaskulären Strahlenschaden
kann dabei Jahrzehnte betragen. Nicht zuletzt ist die Abstossungsreaktion
gegen Gefäßendothelien transplantierter Organe als
sekundäre Vaskulitis anzusprechen.
Venenerkrankungen
Irreversible Aufweitungen von Venen (Varizen) finden sich
vor allem an den Beinen, jedoch auch an anderen Lokalisationen
(Hämorrhoiden, Ösophagusvarizien, Caput medusae, Varikozele).
Die Ektasie führt zur Insuffizienz der Venenklappen. Für
die Pathogenense der Varikosis der der äußeren Beinvenen
ist die Insuffizienz der Klappen der Vv. perforantes, die zwischen
den tiefen und den oberflächlichen Beinvenen kommunizieren,
verantwortlich. Das Blut der tiefen Venen wird durch die Muskelbewegung
in die oberflächlichen Venen statt kranial gepresst, die
Vena saphena und ihre Äste sind vergrößert, erweitert
und geschlängelt. Risikofaktoren für Beinvenen sind
neben einer genetischen Disposition das weibliche Geschlecht,
Adipositas, langes Stehen und Faktoren, die einen erhöhten
Venendruck bewirken. Zu den Komplikationen zählen die: Stauungsdermatitis
und -ulzera und, damit oft verbunden, die Phlebitis, die Thrombophlebitis,
die Phlebothrombose und die tiefe Beinveventhrombose mit dem Risiko
der Lungenarterien-Thrombembolie. Die Phlebits migrans,
zumeist der unteren Extremität, ist oft als ein paraneoplastisches
Syndrom auf ggf. noch unbekannte Malignome zurückzuführen.
Bei diesem Krankheitsbild sollte also nach einer Tumorerkrankung
gefahndet werden.
Unter den Lymphgefässerkankungen ist zunächst die Lymphangiitis,
die durch den Übergriff einer bakteriell induzierten, eitrigen
Entzündung (Phlegmose, Abszess usw.) auf die Lymphbahnen
zum tributären Lymphknoten zurückzuführen. Die
Lymphgefäße treten als schmerzhafte, rote Streifen
hervor. Das interstitielle Lymphödem beruht auf der
Okklusion von Lymphgefässen bei Lymphangiosis carcinomatosa,
nach Lymphadenektomie, Bestrahlung, Vernarbung nach Entzündung
oder Parasitenbefall, z.B. durch Filarien. Gerade durch parasitär
bedingte Lymphödeme können Extremitäten oder das
Skrotum bizarr vergrößert werden (Elephantiasis).
Lymphangiektasien sind umschriebene Erweiterungen von Lymphspalten,
die, die je nach Lokalisation Symptome produzieren können,
so z.B. Malabsorption bei Lokalisation in der Dramschleimhaut
oder chylöse Ergüsse bei Ruptur in eine Körperhöhle.
Gefäßfehlbildungen- und neoplasien
Angiome sind Fehlbildungen von Blut- und Lymphgefässen (Hämangiome
bzw.Lymphangiome). Wenn überwiegend kapilläre
oder überwiegend weite (kavernöse) Lichtungen vorliegen,
bezeichent man sie als kapilläre bzw. kavernöse
Angiome. Sofern nicht nur ein Gefäßtyp in die Fehlbildung
einbezogen ist, spricht man von einer vaskulären Malformation
(ggf. arterio-venös, überwiegend arteriell, überwiegend
venös usw. Sichtbare Angiome sind u.U. Anteile einer auch
tieferreichenden Gefäßfehlbildung, u.U. unter Einbeziehung
des ZNS. So betreffen die Hämangiome beim Sturge-Weber-Syndrom
Haut, Halsweichteile und das ZNS, beim von Hippel-Lindau Syndrom
den Hirnstamm, das Kleinhirn und die Retina). Juvenile Hämagiome
zeigen ein besonderes Verhalten dahingehend, daß sie
sich in der Mehrzahl der Fälle vollständig zurückbilden,
so daß ggf. eine Operation dann nicht erforderlich ist.
Granulationsgewebspolypen (Granuloma pyogenicum bzw. teleangiectaticum)
sind Überschußbildungen von Granulationsgewebe an Schleimhäuten
Lippen, Stomata usw.
Echte Gefäßneoplasien sind selten. Das Glomangiom
ist eine fast immer benigne Neoplasie von Glomuszellen. Glomuskörperchen
sind neuromyoarterielle Rezeptoren um arteriolo-venöse Anastomosen,
in denen eine Schicht thermosensitiver Zellen den Blutfluß
reguliert. Diese Körperchen liegen in großer Anzahl
in den Akren vor. Glomangind meist nur wenige mm groß, häufig
in den Fingerbeeren und Nagelbetten lokalisiert und gewöhnlich
schmerzhaft. Das Hämangioendotheliom ist eine Gefäßneoplasie
eher niedrigen Malignitätsgrades, oft in der Leber. Die neoplastischen
Endothelzelle zeigen ein gewöhnlich papilläres Wachstumsmuster.Das
Hämangioperizytom geht von den Perizyten, einem myofibroblastoiden
Zelltyp der Wände von Arteriolen und Kapillaren aus. Diese
Sarkome treten öfter in den Extremitäten und im Retroperitoneum
auf, sie metastasieren hämato- und lymphogen. Das Angiosarkom
ist ein hochmaligne Neoplasie von Endothelzellen mit häufigster
Primärlokalisation in der Haut, der Mamma und der Leber.
Sofern Gefäßspalträume entwickelt sind, zeigen
die Tumoren eine rote Färbung. Dedifferenzierte Angiosarkome
sind eher grau-weiß und u.U. nur noch immunhistologisch
durch den Nachweis von Differenzierungsantigenen
des Endothels (CD31, CD34, Faktor VIII) als solche zu diagnostizieren.
Risikofaktoren für die Entwicklung von Angiosarkomen der
Leber und der Milz sind die Thorotrastose
(Ablagerung des in den 30er bis 50er Jahren verwendeten, den alpha-Strahler
Thorium enthaltenden Röntgenkontrastmittels Thorotrast) und
die Exposition gegenüber Vinylchlorid (Plastikherstellung)
und Arsen (in Pestziden). Als Stewart-Treves-Syndrom wird das
Angiosarkom bei Lymphödem nach vor Jahren erfolgter axillärer
Lymphadenektomie und/oder Bestrahlung wegen Mammkarzinoms bezeichnet.
Das Kaposi-Sarkom wurde
in seiner klassischen (europäischen) Form von Kaposi 1872
als ein seltener, indolenter Hauttumor bevorzugt an den unteren
Extemitäten alter Männer beschrieben. Tumoren mit gleichartiger
Morphologie, aber in fast allen Organen und Geweben, die Lymphgefäße
aufweisen, wurden in den 80er Jahren dann als ein Spätsymptom
des erworbenen Immunschwäche-Syndroms (AIDS) entdeckt. Das
höchste Risiko besteht bei Homosexualität. Das Kaposi-Sarkoms
tritt in Einzelfällen auch bei anderen Immundefizienzen,
so nach Trasplantation und trat (vor der Ära der Radiochemotherapie)
z.B. beim Hodgkin-Lymphom auf. Auch wurde auch als endemische
(afrikanische) Form bevorzugt bei jungen Männern beschrieben.
Das Kaposi-Sarkom (und ein bestimmtes malignes Lymphom der Pleura,
das mit Ergußbildung einhergeht) sind mit dem Humanen Herpes-Virus
(HHV)-8 eng assoziiert. Das HIV ist nur ein Kofaktor im Sinne
der Auslösung de Immunschäche. Das HHV-8 zählt
mit dem Epstein-Barr Virus (EBV) zu den g-Herpesviren
mit onkogenem Potential. Die Tumoren sind anfangs dissemierte
Flecken, später Knötchen und Plaques, die histologisch
schlitzförmige, von Erythrozyten ausgefüllte Spalten
aufweisen. Immunhistologisch kann die endotheliale Natur der Tumorzellen
belegt werden.
Eine nicht-neoplastische, aber klinisch und histologisch mit dem
Kaposi-Sarkom zu verwechselnde, auch bei AIDS auftretende Erkrankung
ist die Bazilläre Angiomatose, die sich durch herdförmige
reaktive vaskuläre Proliferate auszeichnet, durch Bartonella
(Rochalimea) Henselae verursacht wird und daher auf Antibiotika
anspricht.
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