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Vorlesung:Granulomatöse
Entzündungen
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Einleitung
Granulomatöse Entzündungen stellen eine besondere Form chronischer
Abwehrreaktionen dar, deren Charakteristikum die Ausbildung kleiner
knötchenförmiger (granulum = Körnchen) Ansammlungen von Entzündungszellen,
hauptsächlich Makrophagen und ihre Abkömmlinge sowie
Lymphozyten, ist. Diese Granulome sind meist nur wenige Millimeter
groß, sie können damit aber bereits makroskopisch sichtbar und
tastbar werden. Mitunter erreichen Granulome auch deutlich größere
Durchmesser, so z.B. Granulome vom rheumatoiden Typ und Fremdkörpergranulome.
Der lateinische Wortstamm findet sich übrigens auch in anderen
Begriffsbildungen (Granulozyt, granulierende Entzündung,
Granulationsgewebe,
Lymphogranulomatose usw.), die allsamt nichts mit dem entzündlichen
Granulom zu tun haben.
  
Granulomatöse Entzündungen werden auch als "spezifische" Entzündungen
bezeichnet. Dieser Begriff ist historisch und geht auf die damalige
Auffassung zurück, man könne aus dem histologischen Bild auf die
Ursache der Entzündung schließen. Man hatte allerdings bald festgestellt,
daß es nicht nur morphologisch verschiedene Granulomtypen gibt,
sondern auch verschiedene Erreger und unbelebte Noxen die Bildung
gleichartig aufgebauter Granulome induzieren können. Der Nachweis
von Granulomen erlaubt also nur sehr eingeschränkt Rückschlüsse
auf die Ursache der Entzündung. Eine Aussage zur Ätiologie erfordert
gewöhnlich weitere Untersuchungen.
  
  
Ein Granulom entwickelt sich unter dem Einfluß
granulomogener Reize. Dies können z.B. Zellzerfallsprodukte
oder Mediatoren sein, die einerseits chemotaktisch auf Monozyten
wirken, sie zur Extravasation und zur Differenzierung zu (Gewebs-)-Makrophagen
(Histiozyten) veranlassen. Sofern der granulomogene Reiz auch
antigene Eigenschaften hat, können solche Antigene von den
Makrophagen den T-Lymphozyten präsentiert werden. Sobald
sich Antigen-spezifische T-Helfer-Lymphozyten eingefunden oder
gebildet haben, erfolgt eine Aktivierung der Makrophagen. Sowohl
die Makrophagen als auch die T-Lymphozyten setzen zahlreiche unterschiedliche
Zytokine frei, unter denen TNF- (Tumor-Nekrose-Faktor)-alpha und
IL-(Interleukin)-1 von Seiten der Makrophagen und IFN-(Interferon)-gamma
sowie IL-2 von Seiten der T-Lymphozyten wesentliche Funktionen
in der Verstärkung der Reaktion haben. Neben der Rekrutierung
durch Chemotaxis spielen auch die Migrations-Hemmung durch MIF
(Migrations-inhibitorischer Faktor) aus T-Zellen sowie offenbar
auch die Proliferation von Makrophagen in situ eine Rolle.
 
  
Epitheloidzellen entwickeln sich unter dem
Einfluß von T-Helfer-Zellen durch Differenzierung aus Makrophagen
/ Histiozyten. Die Epitheloidzellen zeigen eine enge Verzahnung
ihrer Zellmembranen untereinander und weisen daher ein epithelähnliches
("epitheloides") Bild auf. In den voll ausgebildeten Granulomen
umschließen die Epitheloidzellen das Granulomzentrum wie ein Wall
oder eine Palisade,
so daß einerseits Erreger bzw. Noxen vom übrigen Gewebe abgegrenzt
und andererseits Enzyme u.a. bakterizide Stoffwechselprodukte
lokal konzentriert werden können.
  
  
Mehrkernige Riesenzellen sind oft Bestandteile
von Granulomen, ihr Nachweis ist für die Diagnose eines Granuloms
jedoch nicht unabdingbar. Diese Riesenzellen entstehen durch Konfluenz
zahlreicher Histiozyten bzw. Gewebsmakrophagen unter Ausbildung
eines Synzytiums. Dieses ist einerseits durch Zellkulturversuche
belegt, kann aber auch leicht immunhistologisch durch Nachweis
weitgehender Antigengemeinschaft dieser Riesenzellen mit Monozyten,
Histiozyten, Makrophagen, Epitheloidzellen etc. nachgewiesen werden
(z.B. durch den Nachweis des CD68-Antigens).
Riesenzellen, zumindest diejenigen vom Fremdkörpertyp, entstehen
auch ohne das Zutun von T-Lymphozyten. Riesenzellen können Hunderte
von Kernen enthalten. Die Größe dieser Zellen kann man nachempfinden,
wenn man sich vergegenwärtigt, daß benachbarte Lymphoyzten einen
Durchmesser von etwa 9 mm
aufweisen und die Schnittdicke gewöhnlich zwischen 5 und 8 mm
beträgt. Die tatsächliche Kernzahl wird am zytologischen Präparat
offenbar. Die Kerne können geordnet oder ungeordnet vorliegen.
Geordnete Riesenzellen (z.B. Langhans'sche Riesenzellen)
findet man in Tuberkulose-Granulomen, ungeordnete Riesenzellen
typischerweise in Fremdkörpergranulomen. Im Zytoplasma insbesondere
der Langhans-Zellen des Sarkoidose-Granuloms findet man gelegentlich
konzentrisch angeordnete Asteroidkörperchen
und sternförmige Schaumann-Körperchen, gelegentlich auch sog.
Konchoidkörper. Fremdkörper-Riesenzellen können phagozytiertes
Fremdmaterial (z.B. Fadenreste)
enthalten.
  
  
Als begleitende Zellen enthalten Granulome Lymphoyzten
und Plasmazellen in unterschiedlicher Anzahl und Verteilung, meist
in der Peripherie des Granuloms. Die
peripher gelegenen T-Lymphozyten produzieren diverse für die
Granulombildung wichtige Zytokine, darunter auch einen Makrophagen-Migrationshemmfaktor,
der dafür sorgt, daß die Makrophagen im Granulom verbleiben. In
Granulomen vom Pseudotuberkulose-Typ treten neutrophile Granulozyten
hinzu.
Man unterscheidet unter den epitheloidzelligen
Reaktionsformen
- kleinherdige Epitheloidzellansammlungen ("sarcoid-like
lesions"),
- Epitheloidzell-Granulome ohne verkäsungsartige
Nekrose
(Sarkoidose-Typ),
- Epitheloidzell-Granulome mit verkäsungsartiger
Nekrose
(Tuberkulose-Typ),
- Epitheloidzell-Granulome mit zentralem Abszeß
(Pseudotuberkulose-Typ),
- Granulome vom rheumatoiden Typ
und unter den histiozytären granulomatösen Reaktionsformen.
- Granulome vom rheumatischen Typ,
- Granulome vom Fremdkörpertyp
sowie schließlich
- gemischtzellige Granulome.
Kleinherdige Epitheloidzellansammlungen
bestehen aus Gruppen weniger Epitheloidzellen und treten im lymphatischen
Gewebe z.B. bei der Toxoplasmose (Piringer'sche Lymphadenitis)
und auch in Assoziation mit Tumoren auf. In letzterem Falle handelt
es sich mehrheitlich um Begleitreaktionen im Abflußgebiet von
zerfallenden Tumoren, zumeist Karzinomen. Riesenzellen treten
nur sehr selten in diesen "sarcoid-like lesions" auf. Epitheloidzellgruppen
findet man aber auch bei einigen malignen Lymphomen wie dem Hodgkin-Lymphom
(epitheloidzellreiche Form des Hodgkin-Lymphoms vom Mischtyp)
oder bei manchen Non-Hodgkin-Lymphomen der T-Zell-Reihe. Der Nachweis
vereinzelter Epitheloidzellansammlungen besagt für sich genommen
noch gar nichts, sollte aber Anlaß sein, Tumoren, darunter insbesondere
Lymphome, sowie "spezifische" Entzündungen differentialdiagnostisch
zu erwägen; denn schließlich fangen auch die Epitheloidzellgranulome
unterschiedlicher Typen ganz klein als Ansammlung einzelner Epitheloidzellen
an.
  
  

zeichnen sich durch den Aufbau aus Epitheloidzellen mit einem
peripheren Lymphozytensaum aus. Mehrkernige Riesenzellen, meistens
solche vom Langhans-Typ mit hufeisenförmig angeordneten Kernen
und Asteroidkörperchen, können, müssen aber nicht hinzutreten.
Diese Granulome enthalten keine Nekroseherde.
Man findet diesen Granulomtyp bei der Sarkoidose (M. Boeck),
hauptsächlich in Lymphknoten, aber auch in inneren
Organen und in der Haut mit einer in späteren Stadien perigranulomatösen
und die Granulome septierend unterteilenden Fibrose. Bei chronisch-entzündlichen
Darmerkrankungen, hauptsächlich - aber keineswegs ausschließlich
- beim M.
Crohn und bei der primären
biliären Leberzirrhose (PBC) können ebenfalls Granulome vom
Sarkoidosetyp vorkommen, ebenso nach Inhalation von Beryllium-,
Aluminium- oder organischen Stäuben. Wichtig ist auch, daß Granulome
vom Sarkoidose-Typ, also ohne Nekrose, bei der Tuberkulose auftreten
können können, und zwar einerseits bei guter Abwehrlage, andererseits
aber auch in jungen, kleinen Granulomen, die noch keine erkennbaren
Nekrosen entwickeln konnten. Es ist daher wichtig, vor einer immunsuppressiven
Therapie auf jeden Fall eine Tuberkulose auszuschließen.
zeigen das Bild der Granulome vom Sarkoidose-Typ mit zentralen
verkäsungsartigen Nekrosen. Diese Granulome sind für die Tuberkulose
charakteristisch, aber nicht pathognomonisch, da man bei anderen
Mykobakteriosen
(z.B. tuberkulöse Form der Lepra) und auch bei tertiärer Syphilis
gleichartig aufgebaute Granulome findet. Granulome vom Tuberkulose-Typ
können auch im Zuge der Gewebsreaktion auf Polyvinylpyrrolidon
(PVP), Stärkekörner, Talkum (Handschuhpuder), nekrotisches Tumorgewebe,
Prostatasekret (granulomatöse Prostatitis) und schließlich beim
epitheloidzellreichen klassischen Hodgkin-Lymphoms vorkommen.
Bei der Tuberkulose zeigen epitheloidzellige Granulome
eine intakte T-Zell-Immunabwehr an, da sich die Granulome nur
unter T-Zell-Hilfe entwickeln können. Umfangreiche Nekrosen sind
ein Ausdruck höherer Virulenz des Erregers bzw. beeinträchtigter
Immunabwehr. Fehlende T-Zell-Immunität führt zu ungehemmter Vermehrung
der Mykobakterien in Makrophagen mit diffuser Verteilung der infizierten
Zellen in den Geweben (Sepsis tuberculosa gravissima
Landouzy, Landouzy-Sepsis).
treten bei einer Reihe von Infektionskrankheiten auf, so bei
der durch Yersinia
pseudotuberculosis hervorgerufenen retikulozytär-abszedierenden
mesenterialen Lymphadenitis. Andere Erkrankungen, bei denen diese
Granulomform charakteristischerweise auftritt, sind die Katzenkratzkrankheit
(Erreger: Afipia felis), das Lymphogranuloma venereum (Geschlechtskrankheit
!; Erreger: Chlamydia
lymphogranulomatosis), die Hasenpest (Tularämie,
Erreger: Francisella tularensis), die Coccidiomykose
(Erreger: Coccidioides immitis) und verschiedene Parasitosen.
Einige der Erreger lassen sich färberisch darstellen (Gram-Färbung,
Versilberungsreaktionen u.a.), so daß in einigen Fällen schon
histologisch weiterführende Aussagen möglich sind.
findet man bei rheumatoider Arthritis (primär-chronische Polyarthritis,
PCP), beim Granuloma
anulare und, seltener, im Zusammenhang mit verschiedenen Hauterkrankungen.
Bei der rheumatoiden Arthritis sind vorwiegend druckbelastetes
kutanes und periartikuläres Bindegewebe (Unterarme, Ellenbogen,
Handgelenke, Sakralregion usw.), gelegentlich auch der Herzklappenapparat,
seröse Häute und parenchymatöse Organe betroffen. Die Granulome
("Rheumaknoten") können mehrere cm groß werden.
Die Granulome zeigen eine zentrale "fibrinoide" Nekrose des kollagenen
Bindegewebes, umgeben von einem epitheloidzelligen Randwall mit,
wenn überhaupt, nur vereinzelten Riesenzellen und einem weiter
peripher angeordneten Saum von T-Lymphozyten und Plasmazellen.
Der Begriff "fibrinoid" bezieht sich auf die Färbeeigenschaften,
die diesem nekrotischen Material und Fibrin teilweise gemeinsam
sind.
finden sich im Mykoard als Korrelate des rheumatischen Fiebers,
einer Folgeerkrankung nach kürzlich vorausgegangenem Streptokokken-Infekt.
Das rheumatische Fieber ist aufgrund der verbesserten hygienischen
Verhältnisse und der Möglichkeit antibiotischer Therapie bei längerdauernden
Infekten ein in unseren Breiten seltener Befund, weltweit jedoch
nach wie vor eine häufige Ursache erworbener Herzerkrankungen.
Die rheumatischen Granulome des Myokard (Aschoff-Knötchen) gruppieren
sich entlang kleinerer Gefäße um nekrotische Kollagenfasern (fibrinoide
Nekrose), enthalten jedoch nicht in erster Linie Epitheloidzellen,
sondern eigentümliche Makrophagen (Anitschkow-Zellen) mit "raupenähnlichem"
("caterpillar cells") bzw. eulenaugenähnlichem Erscheinungsbild
des Nukleolus. Die Eulenaugenzellen dürfen nicht mit denjenigem
bei Cytomegalovirus (CMV)-Infektion verwechselt werden ! Dazu
gesellen sich mehrkernige Makrophagen mit basophilem Zytoplasma
(Aschoff-Zellen) sowie wenige Lymphozyten und Plasmazellen. Nach
Abheilung hinterläßt das Granulom eine spindelförmige Narbe.
Granulome vom Fremdkörper-Typ
bestehen aus mehrkernigen Riesenzellen mit ungeordneten Ansammlungen
gleichmäßig großer (isomorpher) Kerne um Fremdmaterial und bilden
sich auch unabhängig von T-Zellen. Auslöser dieser Fremdkörperreaktion
können sowohl kristalline als auch nicht-kristalline, körpereigene
und körperfremde Stoffe und Partikel sein. Unter den körpereigenen
Kristallen sind Urate
und Cholesterin
zu nennen, als nicht-kristalline körpereigene Stoffe Hornlamellen
z.B. aus rupturierten epidermalen Zysten und Amyloid.
Auch ölige Flüssigkeiten erzeugen u.U. eine Fremdkörperreaktion,
die in diesen Fällen auch Makrophagen mit wabigem Zytoplasma (sog.
Schaumzellen) meist reichlich enthält. Hierzu zählen Fettgewebsnekrosen
und Schleimextravasate (lipophage bzw. muziphage Granulome) oder
Reaktionen auf Talg wie beim Hagelkorn (Chalazion) zu beobachten.
Unter den körperfremden Fremdkörpern als Auslösern von Granulomen
findet man oft Nahtfäden, aber auch Insekten- und Zeckenanteile
(Rüssel, Stachel usw.), Seeigelstachel, Holzsplitter und Dornen
sowie verschiedene Stein- und Metallstäube, Endoprothesenabrieb
und ferner Silikonöl aus Mammaimplantaten. Einige exogene Fremdkörper
sind polarisationsoptisch
doppelbrechend und mit Hilfe dieser mikroskopischen Zusatzuntersuchung
weiter charakterisierbar.
zeigen ein etwas bunteres Bild, das eine Einordnung in die vorstehend
genannten Kategorien nicht zwanglos möglich macht. Diese Granulome
enthalten in wechselnder Zusammensetzung Epitheloidzellen, Histiozyten
und Riesenzellen mit z.T. charakteristischen zytomorphologischen
Details ("Rindfleischzellen" beim Typhus abdominalis etc.), Lymphozyten,
Plasmazellem, neutrophile und eosinophile Granulozyten, Nekrosen,
Verkalkungsherde u.a. Zu den Erregern, die derartige gemischtzellige
Granulome hervorrufen, zählen Brucellen,
Listerien, Salmonella typhi u.a. Bakterien, Pilze und Parasiten.
Im Falle bestimmter Erreger treten gemischtzellige Granulome insbesondere
bei Patienten mit Phagozytosedefekten (siehe Immunpathologie,
Thema 11) auf, so kann man in den Granulomen vom Pseudotuberkulosetyp
bei septischer Granulomatose Pilzelemente finden.
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