Fremdkörper-Reaktion: Gichttophus
Am Schnittpräparat sieht man durch bindegewebige
Septen unterteilte Massen eines schwach eosinophilen Materials,
in dem man bei näherer Betrachtung streifenförmige, in Büscheln
gelagerte Abdrücke eines herausgelösten Materials erkennen kann.
Man findet immer wieder mehrkernige Riesenzellen vom Fremdkörpertyp
mit ungleichmäßiger Anordnung der Kerne.
 
Es handelt sich um eine Fremdkörperreaktion auf
Uratkristalle, die hier innerhalb eines bradytrophen Bindegewebes
in Form eines Gichttophus gelagert sind. Die Kristalle bewirken
eine Fremdkörperreaktion. Da das Material konventionell fixiert
und eingebettet wurde, ist das Urat in den wässrigen Fixations-
und Einbettungsschnitten komplett herausgelöst und kann damit
nur noch anhand der Form der Abdrücke bzw. Spalten erahnt werden.
Am nativen Material (Gefrierschnitt) lassen sich die Kristalle
jedoch polarisationsmikroskopisch weiter differenzieren.
Gichttophi bilden sich oft in der näheren Umgebnung
eines von der Gicht betroffenen Gelenks. Beim akuten Gichtanfall
(nach Häufigkeit: Podagra, Chiragra, Gonagra) kristallisieren
Urate innerhalb des Gelenkspalts aus, werden von Granulozyten
aufgenommen und führen zu deren Degranulation mit Freisetzung
von Entzündungsmediatoren und Proteasen. Die Folge ist neben
der Schmerzsymptomatik eine Schädigung der Gelenkhaut und
des umgebenden Bindegewebes, in dem die Kristalle unter Bildung
des Tophus abgelagert werden können. Traumatisierung eines
Tophus führt wieder zur akuten Entzündung.
Der Gichttophus ist ein Beispiel einer Fremdkörperreaktion
auf endogene, unter physiologischen Bedingungen im Gewebe nicht
gebildete Stoffe. Ein gleichsinniges Reaktionsmuster findet man
bei Cholesterinkristallen in Blutungsresiduen oder in Atheromen,
wobei ebenfalls eine lebhafte Fremdkörperreaktion mit Ausbildung
mehrkerniger Riesenzellen hervorrufen wird.
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