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Vorlesung:Granulomatöse
Entzündungen
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Granulom vom rheumatischen Typ:
Rheumatische Myokarditis
Historisches Schnittpräparat eines nach einer
febrilen Erkrankung gestorbenen jungen Mannes.
 Im
Schnittpräparat sind innerhalb der Verschiebeschichten gemischtzellige
Granulome (Aschoff-Knötchen) in Nachbarschaft zu Gefäßen
zu sehen. Das interstitielle Bindegewebe ist herdförmig fibrinoid
verquollen und durch den Untergang vieler angrenzender Herzmuskelzellen
verbreitet. Die Granulome bestehen aus unterschiedlich dicht eingestreuten
Lymphozyten, Plasmazellen, vereinzelten Granulozyten und Histiozyten
sowie einigen Zellen mit besonderer Morphologie: den mehrkernigen
Aschoff- und den mononukleären Anitschkow-Zellen. Die Anitschkow-Zellen
sind vergrößerte Histiozyten mit im Längsschnitt
raupenförmig gefälteltem Kernchromatin ("Raupenkern",
daher auch "caterpillar cells", im vorliegenden Präparat
nicht injeder Schnittstufe repräsentiert). Im Querschnitt
sind diese Kerne rundlich und prominent, so daß der Aspekt
von "Eulenaugenzellen" entsteht (nicht zu verwechseln
mit den Eulenaugenzellen bei Cytomegalovirus-Infektion!).
Es handelt sich um charakteristische myokardiale
Manifestationen des rheumatischen Fiebers. Dieses ist eine akute,
immunologisch vermittelte Systemerkrankung, die innerhalb weniger
Wochen nach einer Infektion mit Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus
pyogenes, ß-hämolysierende Streptokokken) einsetzen
kann. Meist handelt es sich bei der auslösenden Erkrankung
um eine eitrige Pharyngitis oder Tonsillitis. Die rheumatische
Pankarditis war zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch eine häufige
Erkrankung. Die Inzidenz hat in Europa und Nordamerika seither
stark abgenommen, wobei die verbesserten sozialen und hygienischen
Bedingungen, ein mutmasslicher Rückgang der Virulenz der
Erreger und seit mehreren Jahrzehnten auch die Verfügbarkeit
frühzeitiger antibiotischer Therapie als ursächlich
angenommen werden. In der Dritten Welt ist das rheumatische Fieber
jedoch nach wie vor ein wesentliches Gesundheitsproblem.
Das klinische Bild des rheumatischen Fiebers ist
durch eine Konstellation bestimmter Haupt- und Nebenbefunde gekennzeichnet.
Die Hauptbefunde sind (1) eine transiente Polyarthritis großer
Gelenke, (2) die rheumatische Karditits, (3) subkutane Knötchen,
(4) das Erythema marginatum, und (5) die Sydenham'sche Chorea
(Chorea minor). Die Nebenbefunde umfassen uncharakteristische
klinische und klinisch-chemische Entzündungszeichen wie Fieber,
Arthralgie und Anstieg von Akutphasenproteinen. Zur Diagnose des
rheumatischen Fiebers sind neben dem Nachweis einer vorhergegangenen
Streptokokken-Infektion zwei Hauptbefunde oder ein Hauptbefund
und zwei Nebenbefunde erforderlich (Jones-Kriterien).
Die schwerwiegendsten Folgen hat das rheumatische
Fieber am Herzen. Es können alle drei Schichten der Herzwand
betroffen sein. Am Epikard entwickelt sich eine (sero-)fibrinöse
Entzündung, die meist folgenlos ausheilt. Am Myokard, vor
allem des linken Ventrikels, bilden sich die o.g. Aschoff-Granulome,
nach deren Abheilung spindelförmige perivaskuläre (rheumatische)
Narben zurückbleiben. Es resultiert eine feinfleckige Myokardfibrose
und, je nach dem Umfang der Schäden, eine Herzinsuffizienz
und ggf. eine Störung der Erregungsleitung. Am Endokard sind
insbesondere die Chordae tendineae der Mitralklappe und die Klappenschließungsränder
der Mitral- und Aortenklappen betroffen. Über fokalen Bindegewebsläsionen
der Klappenmatrix bilden sich Endokardschäden und durch Anlagerung
von Fibrin wenige Millimeter große "Vegetationen",
die unter Ausbildung narbiger Verziehungen abheilen. Diese Oberflächendefekte
können degenerativ verkalken und die Grundlage schwerer Klappenstenosen
und sekundärer bakterieller Endokarditiden bilden.
Die Pathogenese des rheumatische Fiebers ist nach
wie vor unklar. Man nimmt eine Hypersensitivitätsreaktion
mit Ausbildung kreuzreagierender Antikörper an. Ein Großteil
der Streptokokken-spezifischen Antikörper ist gegen das Gruppenpolysaccharid
und gegen das Typen-spezifische M-Protein gerichtet. Da offenbar
nur bestimmte Typen von Gruppe A-Strepotokokken das rheumatische
Fieber präzipitieren, werden die M-Protein-spezifischen Antikörper
für die myokardialen und Gelenkschäden verantwortlich
gemacht. Die Antikörper sollen mit Bindegewebsdeterminanten
im Herzen und in Gelenken kreuzreagieren und durch Komplement-Bindung
Schäden setzen. Nach einer ersten Manifestation des rheumatischen
Fiebers entsteht eine zunehmende Empfindlichkeit gegenüber
weiteren Streptokokken-Infektionen. Die Erkrankung wiederholt
sich an den individuellen Prädilektionsstellen und führt
zu kumulativen Schäden.
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