Fibrinöse Entzündung: Fibrinöse Perikarditis
Sektionsfall
einer 64-jährigen Frau mit metastasiertem und lokal rezidiviertem
Plattenepithelkarzinom der Zervix uteri. Beide Ureteren sind durch
derbes Tumorgewebe ummauert und hochgradig stenosiert. Im Herzbeutel
etwa 80 ml einer bernsteinfarbenen, leicht trüben Flüssigkeit.
Beide Blätter des Herzbeutel sind mit grauweissen, nicht
abwischbaren Zotten überzogen. Der makroskopische Befund
entspricht einem "Zottenherzen" (Cor villosum).
Im
histologischen Präparat vom linken Ventrikel sind Streifen
regelrecht texturierten Myokards und darüber ein Saum reifen subepikardialen
Fettgewebes mit Hyperämie dort befindlicher Kapillaren zu erkennen.
Entlang des Epikards dann Verlust der Deckzellschicht und Anlagerung
eines feinzottigen eosinophilen, hyalinen Exsudats entsprechend
Fibrin. Unmittelbar unterhalb des Epikards ein leukozytäres Infiltrat
geringer Dichte, vorwiegend aus Lymphozyten und Plasmazellen.
Kein erhöhter Kapillargehalt.
Es
handelt sich um eine frischere fibrinöse Perikarditis, wobei der
zottige Aspekt durch das Abziehen des Epikards vom Perikard zustande
gekommen ist. Ein gleichartiges Phänomen kann man an einem Butterbrot
beobachten, wenn man die mit Butter eingestrichenen Flächen zusammenklappt
und wieder auseinanderzieht.
Die fibrinöse Perikarditis wird in der Mehrzahl
der Fälle nicht klinisch , sondern im Sektionssaal diagnostiziert,
da nur die stark ausgeprägten Formen gut hörbare pulssynchrone
Reibegeräusche mit retrosternaler Schmerzsymptomatik verursachen
("Lederknarren"). Die Perikarditis tritt als fortgeleitete
Entzündung bei Pneumonie, lokalisiert über einem Myokardinfarkt
oder als Ausscheidungsperikarditis bei Urämie auf, in letzterem
Fall oft auch mit hämorrhagischem Erguß. Der Mehrzahl
der Fälle läßt sich jedoch ursächlich nicht
zuordnen ("idiopathische" Perikarditis). Sehr selten
sind infektiöse Perikarditiden nach Trauma bzw. als Punktionsfolge.
Die fibrinöse Perikarditis geht aus dem exsudativen Stadium
(vorliegendes Präparat) in ein resorptives Stadium über,
das sich durch die Buildung eines kapillarreichen Produkts einer
granulierenden und resorptiven Reaktion auszeichnet. Die dabei
einwandernden Phagozyten lösen das leukozytäre Infiltrat
auf. Anschließend verdichtet sich das Granulationsgewebe,
wird kapillararm und vernarbt. Es bildet sich eine Perikardschwiele.
Im ungünstigen Fall bilden sich hierbei Verwachsungen der
Perikardblätter mit Ausbildung eines Panzerherzen (Cor constrictivum).
|