Thema 3: Extrazelluläre Veränderungen / Bindegewebspathologie |
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Ergüsse
Den Übertritt von Flüssigkeit in eine präformierte
Körperhöhle oder in ein Gelenk bezeichnet man im pathologisch-anatomischen
Sinne als einen Erguß. Umgangssprachlich werden auch Blutungen
in ein Gewebe oder Ansammlungen seröser Flüssigkeit, z.B. in einer
Operationshöhle, also Hämatome und Serome, mit dem Begiff Ergüsse
belegt. Ergüsse können entsprechend ihrer biochemischen und zytologischen
Zusammensetzung in Transsudate (Proteingehalt gering, <
30 g/l, spezifisches Gewicht < 1018) und Exsudate (höherer
Proteingehalt, > 30 g/l, spezifisches Gewicht > 1018) eingeteilt
werden.
Transsudate sind vergleichsweise zellarm und enthalten,
z.B. als Pleuraerguß, meist nur abgeschilferte Mesothelzellen
und wenige Leukozyten. Diese hell-gelben, wässrig-klaren Ergüsse
werden an entsprechender Lokalisation als Hydrothorax, Hydroperikard,
Hydrosalpinx usw. bezeichnet.
Das Auftreten eines Exsudats weist auf eine stärkere
Serosa- bzw. Endothelschädigung hin. Exsudate erscheinen gewöhnlich
getrübt aufgrund des meist höheren Zellgehalts. Man kann man sie
entsprechend weiterer Beimischungen als fibrinös, hämorrhagisch,
chylös, eitrig (purulent) oder jauchig bezeichnen. Ein eitriges
Exsudat in einer präformierten Körperhöhle (Pleura, Bauchhöhle,
Gelenk, Bursa etc.) bezeichnet man als ein Empyem (Pyothorax,
Pyaskos, Pyometra usw.).
Entsprechend der Pathogenese findet man hämodynamische
oder kolloid-osmotische Ergüsse (meist Stauungsergüsse der Pleura
und des Perikard bei globaler Herzinsuffizienz, Ascites bei portaler
Hypertension), urämisch-toxische (urämischer Perikarderguß), entzündliche,
infektiöse und trauma-tische Ergüsse. Traumata können nicht nur
hämorrhagische oder infektiöse, sondern, wenn sie den Ductus thoracicus
in Mitleidenschaft ziehen, auch chylöse Ergüsse (Chylothorax,
Chylaskos) zur Folge haben. Exsudate aufgrund einer Tumorinfiltration
seröser Häute (z.B. Pleura- oder Peritonealkarzinose) nennt man
maligne Ergüsse.
Die Klärung der Natur von Ergüssen ist ein wesentliches
Aufgabengebiet der zytologischen Diagnostik.
Extrazelluläre Ödeme
Flüssigkeitsansammlungen im Interstitium bezeichnet
man als Ödeme. Diese können loklisiert oder generalisiert
auftreten und nicht nur sichtbar, sondern auch tastbar sein. Generalisierte
Ödeme werden Anasarka genannt (hydrops ana sarka, "über
dem Fleisch", hsarx). Zu ihrer Ausbildung
bedarf es allerdings großer Flüssigkeitsmengen. Bei intakten Endothelverhältnissen
ist die Ödemflüssigkeit ein Transsudat, bei Kapillarschäden
handelt es sich um ein Exsudat.
Ebenso wie die entsprechenden Ergüsse sind Ödeme
vielfach durch einen erhöhten Kapillardruck infolge der
Insuffizienz verschiedener Kreislauforgane verursacht. Akutes
Linksherzversagen erzeugt ein zuerst alveoläres und dann auch
interstitielles Lungenödem. Rechtsherzversagen zieht Ödeme der
übrigen Kreislaufperipherie nach sich (kardiales Ödem).
Der erhöhte Kapillardruck bei portaler Hypertension trägt als
einer von mehreren Faktoren zur Ödem- und der Aszitesbildung im
Pforaderabflußgebiet bei. Langes Stehen führt zu hydrostatischen
Ödemen an den Füßen und Unterschenkeln. Als weitere Ursache
eines erhöhten Kapillardrucks sind ein krankhaft oder iatrogen
erhöhtes Blutvolumen zu nennen, das entweder durch Wasser- bzw.
Salzretention (renales Ödem z.B. bei Nierenversagen, nephritischem
Syndrom oder primärem Hyperaldosteronismus) oder durch inadäquat
balancierte Infusions- oder Transfusionstherapie zustandekommen
kann.
Ödeme können auch durch einen zu geringen onkotischen
Druck infolge erniedrigter Plasmaproteinkonzentration bewirkt
werden. Die Ursachen sind dabei vielfältig: ungenügende Proteinbildung
bei chronischen Lebererkrankungen oder Unterernährung (Hungerödem),
Eiweißverlust bei schweren Darmerkrankungen, großflächigen Verbrennungen
oder Proteinurie (nephrotisches Syndrom). Umgekehrt findet man
Ödeme bei einem erhöhten onkotischen Druck im Interstitium, wenn
dort salz- und flüssigkeitsbindende Bestandteile der extrazellulären
Matrix wie Glukosaminoglykane vermehrt abgelagert werden (Beispiel:
Myxödem bei Hypothyreose).
Ödeme bilden sich auch bei erhöhter Gefäßpermeabilität,
z.B. im Zuge einer akuten exsudativen oder allergischen Entzündung
durch Wirkung von Entzündungsmediatoren, durch Einwirkung endogener
oder exogener Toxine, durch ionisierende Strahlen, durch hypoxische
Endothelschädigung oder auch durch unbekannte Ursachen (z.B. lokalisierte
angioneurotische Ödeme)
Bei alveolären Lungenödem wirken diese verschiedenen
Faktoren des hydrostatischen, gewebs- und blutonkotischen Drucks
zusammen mit dem Inspirationsdruck (alveolärer mechanischer Unterdruck).
Geringe Veränderungen eines dieser Faktoren kann daher schnell
zur Bildung eines Ödem führen.
Ein Lymphödem entsteht durch behinderten
Lymphabflußentweder durch Zerstörung (operative Lymphadenektomie,
Bestrahlung), äußere (Tumoren) oder innere Obliteration (Lymphangiosis
carcinomatosa, Parasitosen) von Lymphbahnen. Bei chronischem Lymphödem
mit konsekutivem Umbau des Bindegewebes kann das Bild der Elephantiasis
auftreten. Der chronische Entzündungsreiz prädestiniert auch zur
Bildung von Lymphangiosarkomen (Stewart-Treves-Syndrom).
Ein Hirnödem bildet sich bei toxischer oder
hypoxischer Schädigung der Blut-Hirn-Schranke. Morphologisches
Korrelat der Blut-Hirn- bzw. Blut-Liquor-Schranke sind die nachbarschaftlichen
Verbindungen der Kapillaren, der Astroglia und des Vertrikel-Ependyms.
Je nach Ausmaß und Lokalisation des Schadens kann das Hirnödem
generalisiert oder lokalisiert bzw. perifokal (z.B. um Tumoren
oder Abszesse) auftreten. Infolge der Plastizität der Hirnmasse
und der beschränkten räumlichen Verhältnisse kann ein Hirnödem
gravierende Folgen zeitigen: initial kommt es zu einer Verstreichung
und Abflachung der Hirnwindungen, danach wird Hirngewebe in das
Hinterhauptsloch gepreßt. Es entstehen charakteristische Schnürfurchen
am Kleinhirn ("Kleinhirntonsillen") und am Uncus hippocampalis.
Die Kompression der Medulla oblongata kann mit dem Ausfall vitaler
Steuerungsfunktonen (Atemstillstand) einhergehen.
Ablagerungen
Extrazelluläre Ablagerungen sind oft Alterserscheinungen
und damit Ausdruck degnerativer, teils aber auch reparativer oder
adaptativer Veränderungen.
Fette
Neutralfett-Tröpfchen findet man in Knorpelgewebe,
Menisci, Sehnen und Bändern Erwachsener, ohne daß diesem Befund
schon ein eindeutiger Krankheitswert zukäme. Nach traumatischer
Schädigung von Fettgewebe treten Neutralfette im Gewebe als sog.
Ölzysten auf, die von Makrophagen langsam resorbiert werden. Cholesterinkristalle
resultieren aus dem Abbau von Membranen und kommen z.B. als Blutungsresiduen
an den verschiedensten Stellen vor. Man sieht derartige Kristalle
in Gefäßwand-Atheromen, in regressiv veränderten Strumen oder
als Cholesteringranulome bei Mittelohrentzündungen. Trotz ihrer
Herkunft aus körpereigenen Stoffen setzen Cholesterinkristalle
einen starken Fremdkörperreiz und bewirken eine charakteristische
histiozytäre Reaktion mit Ausbildung riesenzelliger Fremdkörpergranulome.
Verkalkungen
Lokalisierte Calciumphosphat-Ablagerungen betreffen
zumeist wenig stoffwechselaktive (bradytrophe) Gewebe, wobei man
nach der Pathogenese dystrophische und metastatische Verkalkungen
unterscheiden kann.
Dystrophische Verkalkungen finden sich aufgrund
von Calciumphosphat-Anreicherung über die Löslichkeitsschwelle
hinaus in Nekrosen und insbesondere in degenerativ verändertem
Bindegewebe, so in Leiomyomen, Strumen, Herzklappen, Gelenkkapseln,
Bändern und Sehnen (z.B. kalzifizierende Tendopathie), Gefäßwänden
bei Atherosklerose und auch in parenchymatösen Organen wie Niere,
Leber, Myokard, Darm.
Metastatische Verkalkungen treten bei Störungen
des Calcium-Metabolismus (vermehrte Aufnahme, verminderte Ausscheidung,
Vitamin-D-Intoxikation, Hyperparathyreoidismus) auf.
Mukoide Substanzen
Eine mukoide Degeneration des Bindegewebe entsteht
durch lokalisierte Ablagerung von Proteoglykane in zu größer Menge
und andersartiger Zusammensetzung (erhöhter Anteil an Mukopolysacchariden).
Auf diese Weise kommt es zu verstärkter Bindung von Wasser und
Ausbildung eines viskösen gallertigen Materials als Inhalt von
Pseudozyten (Ganglien) und generell im kutanen und subkutanen
Bindegewebe (Myxödem bei Hypothereose, siehe oben).
Hyalin
Ablagerungen, die lichtmikroskopisch ohne erkennbare
Struktur (ualos = gläsern) sind und sich mit sauren Farbstoffen
wie dem Eosin färben lassen, bezeichnet man als Hyalin ec. Biochemisch
können verschiedene Substanzklassen zur Hyalinbildung beitragen,
so Immunglobuline, Gerinnungsfaktoren und andere Plasmaproteinen
sowie Proteine der extrazellulären Matrix u.v.a.m.
Intrazelluläres Hyalin (Mallory-Körper: denaturierte
Zytoskelettproteine / Intermediärfilamente) wurde an anderer Stelle
besprochen.
In präformierten Räumen kann Hyalin in Blutgefäßen
zum einen in Form hyaliner Mikrothromben oder auch in Form "kautschukhyaliner"
Thromben (z.B. als Inhalt von Aneurysmata) auftreten.Bei respiratorischen
Distress-Syndrom oder beim Atemnot-Syndrom der Neugeborenen können
hyaline Membranen Alveolen auskleiden und die Diffusionsstrecke
verlängern. In Nierentubuluslichtungen finden sich bei ungennügender
Rückresorption von proteinen hyaline Zylinder, die z.T. auch in
der Urinzytologie zu finden sind).
Gefäßwandhyalin in Form einer Verbreiterung und
Verquellung der Wände präkapillärer Arteriolen ist das morphologische
Korrelat der diabetischen Mikroangiopathie. Aufgrund des hohen
Gehalts an Polysacchariden sind diese Ablagerungen PAS-positiv.
Bindegewebshyalin entsteht durch degenerative Abwandlung
vor allem interstitieller Kollagen und läßt sich in Haut- und
Organnarben (hypertrophe Narben, Keloide), bei Sklerodermie, in
Strumaknoten, bei der Mastopathie, in Herzinfarktnarben ("Infarktschwielen"),
Silikosegranulomen, narbig abgewandelten Gallenblasenwänden ("Porzellangallenblase"),
in Organkapseln (Perisplenitis cartilaginea = "Zuckergußmilz"),
in Pleuraplaques bei Asbestose, regressiv veränderten Leiomyome
u.a. beobachten.
In Keimzentren von Lymphfollikeln findet man als
Zeichen vorhergegangener Funktionssteigerung oft PAS-positive
hyaline Präzipitate von Immunglobulinen. Bei exzessiver Produktion
ggf. atypischen und schlecht löslichen Immunglobulins (z.B. beim
Immunozytom) treten derartige Ablagerungen u.U. auch im Knochenmark
und in der Milz auf.
Amyloid
Als Amyloid werden eosinophile, lichtmikroskopisch
strukturlose ("hyaline") Proteinablagerungen bezeichnet, denen
gegenüber anderem Hyalin bestimmte histochemische und biophysikalische
Eigenschaften gemeinsam sind. Amyloid ist aufgrund des hohen Anteils
an Glykokonjugaten mit Lugol'scher Lösung färbbar (daher amyloid
= stärkeähnlich). Diese unspezifische Färbereaktion läßt sich
gut an Organpräparaten durchführen.
Makroskopisch findet man an den von der Amyloidose
stärker betroffenen Organen eine grau-weisse, speckige Färbung
und eine gummiähnliche, vermehrte Konsistenz. Die Amyloidose
der roten Milzpulpa hat daher die Pathologen des vorigen Jahrhunderts
schon vernalaßt, den Begriff der "Schinkenmilz"
zu prägen. Die Amyloidose der weissen Milzpulpa führt
dagegen zu einer Zeichnungsvermehrung der Follikel, es entsteht
die sog. "Sagomilz".
Amyloid bindet den Farbstoff Kongorot und wird dadurch polarisations-optisch
doppelbrechend ("apfelgrüne" Färbung im polarisierten Licht).
Diese Reaktion beweist die Amyloidnatur einer Ablagerung und wird
in der histologischen Diagnostik eingesetzt.
Ultrastrukturell findet man in den Ablagerungen
Fibrillen unterschiedlicher Länge, aber ähnlichen Durchmessers
von etwa 10 nm in einer ß-Faltblattstruktur. Hinsichtlich der
Zusammensetzung
ist Amyloid uneinheitlich. Einen Anteil von etwa 5% bilden die
Amyloid-P-Komponente und einige weitere Glykoproteine, die allen
Amyloidablagerungen gemeinsam sind. 95% des Amyloids werden jedoch
von der fibrillären Bestandteile gebildet, die von verschiedenen
Proteinen abstammen können. Man kennt inzwischen etwa 20 verschiedene
Vorläuferproteine,
die chromatographisch und z.T. auch immunhistologisch unterschieden
werden können. Neben dieser Einteilung nach strukturellen Gesichtspunkten
kann man entsprechend der Gewebsverteilung generalisierte (systemische)
und isolierte (lokalisierte), sowie entsprechend der Genetik familiäre
(hereditäre, primäre) und sekundäre (erworbene) Amyloidosen unterscheiden.
Daneben findet man noch weitere klinisch orientierte Bezeichnungen
(seniles, endokrines, zerebrales, perivaskuläres, kutanes Amyloid
etc.).
Unter den Vorläuferproteinen sind vor allem
das Serum-Amyloidprotein A und Immunglobulin-Leichtkettenproteine bedeutsam.
Die resultierenden Ablagerungen werden als AA- bzw. AL-Amyloid
klassifiziert. Die Amyloidose vom Typ AA findet man insbesondere
bei chronischen Entzündungszuständen, AL-Amyloid dagegen
bei Paraproteinämien aufgrund solcher Plasmozytome und Immunozytome,
deren Leichtketten so beschaffen sind, daß ein Amyloidprotein
entstehen kann. Dieses ist allerdings nur bei einem Teil der Plasmoyztome
der Fall.
Andere Stoffwechselprodukte
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Extrazelluläre Matrix
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