|
|
|
Thema 3: Extrazelluläre Veränderungen / Bindegewebspathologie |
|
Ödem: Chronische Rhinitis
Bei einer 30-jährigen Frau sind rezidivierende eitrige
Infekte der Nasennebenhöhlen bekannt. Bei zunehmender Nasenatmungsbehinderung
und kürzer werdenden Intervallen zwischen den Entzündungsschüben
wird im weitgehend symptomfreien Intervall eine Revision der Nase
und der Nasennebenhöhlen durchgeführt. Das Exzidat besteht aus
polypösen, glasigen Schleimhautstücken mit einigen Knochenlamellen.
Das
histologische Bild zeigt Fragmente respiratorischer Schleimhaut
mit polypöser Obeflächenkontur. Ganz überwiegend findet man an
der Oberfläche ein zilientragendes Zylinderepithel mit fokaler
Hyperplasie der basalen Zellschicht. An anderen Stellen sieht
man auch atrophes Saumepithel. Die Basalmembran ist an einigen
Stellen verbreitert und rötlich hyalinisiert (= lichtmikroskopisch
strukturlos und eosinophil). Stellenweise ein leicht vermehrter
Gehalt des Saumepithels an schleimbildenden (Becher-)Zellen. Im
Schleimhautstroma ein kräftiges Oedem, das die Bindegewebsfasern
und Gefäße auseinander drängt, und überweigend lockere, nur fokal
verdichtete leukozytäre Infiltate, vorwiegend aus Plasmazellen
und eosinophilen Granulozyten. In tieferen Abschnitten dann etwas
faserdichteres Bindegewebe. Die sonst in derartigem Material anzutreffenden,
überwiegend serösen, in erkrankten Schleimhäuten aber auch teilweise
seromukösen oder gar mukösen Drüsenkomplexe fehlen im vorliegenden
Schnittpräparat. Anteile des fibrovaskulären Schwellkörpers
der Nasenmuscheln sind gleichfalls nicht repräsentiert.
Über weite Strecken handelt es sich hier um eine
akut exsudativ rezidivierte chronische Entzündung in respiratorischer
Schleimhaut (bei der vorliegenden Lokalisation also als Rhinitis
zu bezeichnen) mit polypösem Umbau der Schleimhaut. Der vermehrte
Gehalt an eosinophilen Granulozyten, die verstärkte Schleimbildung,
die Hyalinose und Verdickung der Basalmembran, wenn hier auch
nur diskret, sprechen für eine allergische Entzündungskomponente.
Die Verquellung der Schleimhaut durch Einlagerung von Oedemflüssigkeit
bedingt eine Abflußbehinderung des Sekrets, Superinfektionen,
Oberflächendefekte und Vernarbungen und mündet damit schliesslich
in einen circulus vitiosus immer häufiger wiederkehrender
Entzündungsschübe mit dem Resultat einer sich verstärkenden polypösen
Umwandlung. Eine Sinusitis entwickelt sich üblicherweise aus einer
Rhinitis, wobei neben allergischen Mechanismen auch durch Kälte
und andere Reize induzierte lokale Zirkulationsstörungen eine
Abwehrschwäche bedingen und den Boden für eine Ausbreitung einer
Infektion bereiten. Häufige Erreger von Entzündungen respiratorischer
Schleimhaut sind Rhinoviren, die zytotoxisch wirken und zu Superinfektionen
hauptsächlich mit Staphylokokken und Streptokokken prädisponieren.
|