|
|
|
Thema 14: Stoffwechselerkrankungen |
|
Präparat AP-14-7
Mukoviszidose: Lunge
 
Sektionsfall eines 28-jährig an respiratorischer Insuffizienz
verstorbenen Mannes mit bekannter, lebenslang behandelter Mukoviszidose.
In diesem Präparat sind Anteile der Lunge eingebettet, die
einige für die Erkrankung charakteristische Befunde repräsentieren.
Der Schnitt ist mittels der PAS-Reaktion
gefärbt. Man erkennt Anteile der Pleura; es handelt sich
somit um peripheres Anteile der Lunge, die nur noch kleinste Bronchiolen
aufweisen sollten. Hier jedoch findet man sackförmig ausgeweitete
Bronchialquerschnitte, die in diesem Kaliber nur weiter zentral
und dann durch Knorpelspangen verstärkt auftreten sollten.
Die Wände der ektatischen Bronchien sind verdickt, enthalten
hypertrophe Muskulatur und ein vorwiegend lymphoplasmazelluläres
Entzündungsinfiltrat. Die Ausweitung ist mit einem Umbau
der Bronchialwand verbunden und somit irreversibel. Definitionsgemäß
handelt es sich also um Bronchiektasen. Im Lumen findet man intensiv
PAS-positiven, hochviskösen Schleim, der auch in kleineren
Bronchien anzutreffen ist. Das angrenzende Lungengewebe ist in
diesem Präparat noch altersentsprechend und weitgehend intakt.
Die Mukoviszidose (zystische Fibrose) ist mit einer Inzidenz
von etwa 4 auf 10.000 Neugeborene die häufigste tödlich
verlaufende autosomal-rezessiv vererbte Stoffwechselerkrankung
in Westeuropa. Etwa 4 % der Bevölkerung sind heterozygote
Träger. Das betreffende Gen liegt auf dem Chromosom 7 und
kodiert ein Chlorid-Ionenkanalprotein (CFTR, cystic fibrosis transmembrane
regulator). Am häufigsten (etwa 70 % der Fälle) ist
eine Deletionsmutante (deltaF508), die zu einem frameshift und
komplettem Fehlen des CFTR an der Zellmembran führt. Der
Defekt hat eine Störung des aktiven Chloridionen-Sekretion
in allen mukösen Drüsen zur Folge. Durch Retention von
Na-Ionen und Wasser kommt es zur Bildung eines hochviskösen
Schleims. Die übrigen 30% der Fälle weisen unterschiedliche
Mutationen auf, die z.T. nur mäßige Funktionseinbußen des CFTR-Proteins
zu Folge haben. Bei diesen Patienten verläuft die Erkrankung dann
weniger dramatisch.
Die Mukoviszidose ist eine Multiorganerkrankung, die aber nicht
alle Organe mit gleicher Häufigkeit einbezieht. Der Respirationstrakt
ist bei weniger als der Hälfte der Patienten betroffen. Hier
führt die M. zu Obstruktionen, Bronchiektasie und rezidivierten
Infektionen (insbesondere mit Pseudomonas aeruginosa und Staphylokokken).
In der Lungenperipherie kommt es zur Überblähung, ggf.
auch zur Ruptur pleuraler Bullae und nach Entwicklung eines Emphysems
u.U. zum Cor pulmonale. Die Lebenserwartung von Mukoviszidose-Patienten
liegt bei etwa 30 Jahren und wird wesentlich von den Lungenveränderungen
bestimmt, da die viel häufigeren Symptome am Verdauungstrakt
erfolgreicher zu therapieren sind (siehe hierzu Präparat
14-8).
Neben der symptomatischen Therapie, die durch Mukolyse u.a.
die Beschwerden zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung
zu verzögern trachtet, werden derzeit neue Wege verfolgt.
Nach der Identifizierung und Klonierung des CFTR-Gens ist die
transiente Expression von Wildtyp-CFTR im respiratorischen Epithel
durch direkte Übertragung von cDNA prinzipiell möglich
und wird in klinischen Studien untersucht. Die cDNA wird dabei
entweder durch Träger wie Liposomen oder durch rekombinante
Adenoviren in die respiratorischen Zellen eingebracht. In
ersten Versuchen wurde in vitro und in vivo an Nasenschleimhaut
gezeigt, daß mit beiden Methoden tatsächlich eine Normalisierung
der Chloridionen-Sekretion erzielt werden kann. An den unteren
Atemwegen wird der Erfolg mit rekombinanten Viren jedoch durch
die Entzündungsreaktion gemindert. Andere, pharmakologisch
orientierte Therapiekonzepte zielen auf eine Steigerung der CFTR-Genexpression
insbesondere in solchen Fällen ab, die durch eine nur begrenzte
Funktionsminderung gekennzeichnet sind. Eine deratige Therapie
böte auch die Möglichkeit, andere Organe als die Atemwege
zu behandeln.
|