Dünndarm-Tuberkulose

Autopsiefall einer 80 Jahre alt gewordenen Frau. Der Dünndarm zeigt makroskopisch umschriebene, zum Teil zirkulär verlaufende Ulcera, die darunter gelegene Darmwand ist verdickt. Das Lumen des betroffenen Darmsegments ist eingeengt. Auf der Serosa finden sich kleine Knötchen. Einzelne mesenteriale Lymphknoten weisen verkäsungsartige Nekrosen auf.

Granulome vom Tuberkulosetyp
Mehrkernigen Riesenzellen
Dünndarm-Tuberkulose

Histologisch handelt sich um Granulome, die z.T. auch innerhalb der Peyer’schen Plaques liegen. Hierbei handelt es sich wie im vorherigen Präparat um Granulome vom Tuberkulosetyp aus Epitheloidzellen, mehrkernigen Riesenzellen vom Langhans-Typ und unterschiedlich großen zentralen verkäsungsartigen Nekrosen. In der Peripherie der Granulome vermehrt Lymphozyten und Plasmazellen.

Die Darmtuberkulose durch Infektion mit Mycobacterium bovis ist in Gegenden, in denen Kuhmilch pasteurisert und der Rinderbestand veterinärmedizinisch überwacht wird, selten. Die Darmtuberkulose kann auch bei Patienten mit kavernöser Lungentuberkulose durch Verschlucken von Mykobakterien enthaltendem Sputum auftreten. In beiden Fällen können färberisch säurefeste Stäbchen nachgewiesen werden. Die Anzahl histologisch ohne Anreicherungstechniken nachweisbarer säurefester Stäbchen ist jedoch in Abhängigkeit von der individuellen Abwehrlage unterschiedlich. Die fehlende Nachweisbarkeit schließt bei sonst auf eine Tuberkulose deutender Befundkonstellation eine Mykobakteriose keineswegs aus! Die Differenzierung der Erreger erfolgt kulturell oder molekularpathologisch mittels der Polymerase-Kettenreaktion (PCR).

Die im vorherigen Abschnitt besprochenen Begriffe der Primär- und Postprimärperiode der Lungentuberkulose lassen sich auf die Darmtuberkulose sinngemäß anwenden. Auch hier kommt es bei der Primärinfektion und noch völlig fehlender Abwehr zu einer exsudativen Entzündung, in deren Rahmen Mykobakterien in den tributären Lymphnoten eingeschwemmt werden, so daß ein Primärkomplex entsteht. Wenn bei normaler Abwehrlage der Aufbau einer T-Zell-Immunität gelingt, eine proliferativ-granulomatöse Entzündungsysreaktion einsetzt und der Primärkomplex vernarbt, dann ist die Primärinfektionsperiode abgeschlossen. Bei Hyp(o)ergie oder Anergie kann eine kanalikuläre (Darmlumen) oder lymphogene Streuung erfolgen, bei Anergie eine Mykobakteriensepsis Landouzy eintreten. Nach abgeschlossener Primärinfektionsperiode führt jeder weitere Genuß Mykobakterien-belasteter Milch zu einer Sekundinfektion im Sinne einer postprimären Reaktion.

Atypische Mykobakterien findet man fast ausschließlich bei Patienten mit Immunschwäche-Syndromen und dann oft in der Darmschleimhaut. Neben der obligatorischen Ziehl-Neelsen-Färbung zum Nachweis säurefester Stäbchen hilft in diesen Fällen eine zusätzliche PAS-Färbung, atypische Mykobakterien von M. tuberculosis hominis bzw. bovis zu differenzieren, denn nur die atypischen Mykobakterien reagieren PAS-positiv.

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