Abszedierende Bronchopneumonie

Ein 46-jähriger Alkoholkranker wird mit Dyspnoe und Beußtseins-störungen notfallmäßig in ein Krankenhaus aufgenommen. Er stirbt in der folgenden Nacht unter den Zeichen repsiratorischer Insuffizienz und des Kreislaufversagens. Die Obduktion ergibt schwere, flüssigkeitreiche Lungen mit kleineren, teils aber auch großflächig konfluierten, leicht trockenen und auf der Schnittfläche hervorstehenden Herden, bevorzugt in den Unterlappen. In einigen größeren Herden sind zentrale Gewebsanteile zerfließlich und übelriechend. In den Bronchien abschnittsweise schaumige Flüssigkeit, in mehreren Stellen aber auch Eiter.

Abszedierende Bronchopneumonie
Abszedierende Bronchopneumonie
Abszedierende Bronchopneumonie

Das histologische Präparat eines dieser konsolidierten Herde zeigt ein buntes Bild. Im Präparat sind mehrere Bronchial- und Gefäßanschnitte erfaßt, in den Bronchien findet man ein eitriges Exsudat, darin aus dem Gewebsverband gelöste Lamellen des respiratorischen Epithels. In der benachbarten Schleimhaut ein mehr lymphoplasmazellulär betontes Infiltrat. Im Lungenparenchym durch ein Fibrinnetzwerk, etwas Blut und nur wenige Leukozyten ausgefüllte Alveolen, in benachbarten Lobuli dann Alveolen mit überwiegend eitrigem Exsudat, an einigen Stellen sogar mit Einschmelzung der Alveolarwände. In den Zentren der Herde immer wieder Bronchiolen mit eitrigem Exsudat. Nebenbefundlich ist eine deutliche Anthrakose zu erkennen. In den mittelkalibrigen Bronchien eine deutliche muskuläre Hypertrophie. In den Gefäßen eine Intimafibrose.

Es handelt sich um eine Lobulärpneumonie vom Typ der Broncho-pneumonie. Der bronchopulmonale Übertritt der Erreger wird in diesen Fällen durch fokalen Strukturumbau, z.B. im Zusammenhang mit chronischen Lungenerkrankungen, und durch eine momentane Abwehrschwäche begünstigt. Da die Ausbreitung der Erreger nicht gleichmäßig voranschreitet, entsteht ein mosaikartiges Bild unterschiedlicher Entzündungsstadien innerhalb eines Lappens. Auf die einzelnen Herde bezogen gleicht der Verlauf der Lobulärpneumonie jedoch demjenigen der Lobärpneumonie. In einigen dicht eitrig durchsetzen Abschnitten ist es durch Degranulation der Granulozyten, Freisetzung der Proteasen und Elastasen nicht nur zur Verflüssigung des Fibrinfilzes, sondern auch zur Zerstörung des Lungengerüsts gekommen. Es liegt damit als Komplikation eine abszedierende Bronchopneumonie vor.

Eine Bronchopneumonie findet man, wenn Erreger die Bronchien befallen haben und sich auch auf die Alveolen ausbreiten. Im Gegensatz zur Lobärpneumonie ist die Bronchopneumonie nicht selten, sondern zählt heute zu den häufigsten Todesursachen. Makroskopisch findet man auf der Schnittfläche der Lunge multiple Herdbildungen, in deren Zentrum meist ein kleinerer Bronchus anzutreffen ist. Die für die Lobärpneumonie typischen Stadien können hier innerhalb kleiner Areale nebeneinander zeitgleich vorkommen. Man findet eine fibrinöse, teils auch fibrinös-eitrige Pleuritis. Bei Konfluenz mehrerer Herde kommt es oft zu Einschmelzungen (Abszessen). Diese Komplikation tritt bei verminderter Widerstandsfähigkeit des Organismus, bei Alkoholkrankheit, hohem Alter, Immunsuppression, Agranulozytose usw. vermehrt auf.

Das Erregerspektrum der Bronchopneumonie ist vielfältig, da fast jeder lungenpathogene Keim diese Form der Entzündung auslösen kann. Die häugfigsten nicht-nosokomialen Erreger sind Staphylokokken, Streptokokken und Pneumokokken. Streptokokken breiten sich lymphangisch in den Lungensepten aus, führen auch häufig zu einer Pleuritis und zu Abszessen, die durch Streptokinasewirkung gefördert werden.Häufig gibt es dort Narben innerhalb von Bronchiektasen, oft findet man Streptokokkeninfektionen nach Masern und Grippe. In medizinischen Einrichtungen und besonders nach antibiotischer Therapie dominieren Erkrankungen mit Gram-negativen Erregern, darunter Haemophilus influenzae, Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae, Proteus und coliforme Bakterien. Die Pestpneumonie, die unter dem Bilde einer abzedierenden Bronchopneumonie verläuft, ist heutzutage auf wenige Endemiegebiete beschränkt.

Kommentare sind geschlossen.