Strahlung: Thorotrastose der Leber

Sektionsfall einer 72-jährigen Frau, die nach Schenkelhalsfraktur an einer Pneumonie starb. Die Leber ist leicht bräunlich verfärbt, jedoch normal geformt und ohne Herdbefunde. Die Milz ist gering vergrößert.

Thorotrastose
Thorotrastose

Die Histologie der Leber zeigt eine Vielzahl vorwiegend innerhalb der Portalfelder in Gruppen zusammenliegender zytoplasmareicher Zellen mit Speicherung eines grobgranulären bräunlichen Pigments. Gleichartige Phagoyzten werden in der roten Milzpulpa angetroffen.

Es handelt sich um den Leberbefund bei Thorotrastose, also der Speicherung des in den 30er bis 50er Jahren gebräuchlichen Röntgenkontrastmittels Thorotrast. Dieses Kontrastmittel enthielt kolloidale Partikel aus Thorium unter Eischluß des langlebigen, alpha-Teilchen emittierenden Isotops 232Th. Die Partikel des Röntgenkontrastmittels werden durch die Phagozyten von Leber, Milz und Knochenmark aus dem Blutstrom eliminiert und, da sie chemisch inert sind, ähnlich dem Kohlenstaub bei Anthrakose gespeichert. Einerseits kann die Strahlung eine Fibrose bewirken (allerdings nicht im vorliegenden Fall zu beobachten). So wurde bei Patienten mit 20 Jahre zurückliegender Thorotrast-Administration eine deutlich erhöhte Inzidenz der Leberzirrhose beobachtet. Die in situ emittierten alpha-Teilchen werden andererseits aber vor allem für die erhöhte Inzidenz von Lebertumoren (hepatozelluläre und cholangiozelluläre Karzinome, Angiosarkome), Milztumoren (Angiosarkome) und Leukämien bei Thorotrastose verantwortlich gemacht.

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