Staublungenerkrankungen: Asbestose

Ein 72-jähriger Mann stirbt unter dem Bilde der Rechtsherzinsuffizienz. Arbeitsanamnestisch war eine mehrjährige im Marineschiffbau während des Zweiten Weltkrieges, bei der eine Asbeststaubbelastung bestanden haben soll, bekannt. Die Berentung wegen zunehmender Luftnot war jedoch abgelehnt worden. In einem Sektionsgutachten soll im Auftrag der Berufsgenossenschaft u.a. geklärt werden, ob der Tod mit einer Berufserkrankung nach Ziffern 4103 bis 4105 BeKVO im Zusammenhang steht.

Pleuraplaque

Der Hauptberfund wird an den Lungen erhoben. Die Lungen sind verfestigt und schwer, aus den Bronchien entleert sich abschnittsweise schaumige Flüssigkeit, z.T aber auch eitriger Schleim. Das Lungengewebe ist rarefiziert, das Lungengerüst diffus verbreitert. Die Pleura ist verdickt und grau-schwarz. An der Pleura parietalis und der Pleura diaphragmatica finden sich verkalkte Pleuraplaques. Gewebsproben werden aus allen Lungenlappen für die Histologie und die Quantifizierung der Asbstfaserbelastung asserviert.

Asbestkörperchen
ferruginous bodies

Am histologischen Schnitpräparat fallen auch ohne längeres Suchen Gruppen von bräunlich gefärbten länglichen Asbestkörperchen auf. Im Zentrum eines Teils dieser Körperchen (“ferruginous bodies”) läßt sich eine Asbestfaser erkennen, die von kleinen Protein-/Eisenpigment-Partikeln umgeben wird. Infolge der Eisenpigment-Imprägnation der Hülle lassen sich die Fasern histochemisch gut darstellen (Berliner-Blau-Reaktion). Im Lungengerüst findet sich eine Firbose, eine Teil der Alveolen ist im Sinne eines Emphysems umbebaut und erweitert, Reste der Aveolarwände lassen sich als stummelartige Reste noch erkennen. Stellenweise findet man ein alveoläres Ödem und eine Destruktion der Wände kleiner Bronchien mit trasnmuralem Übergriff des des entzündlichen Infiltrats auf das angrenzende Lungengewebe (Durchwanderungs-Bronchopneumonie).

Alveolen
Asbestfasern
Berliner-Blau-Reaktion

Asbest ist ein Sammelbegriff für faserförmie Siklikatmineralien, Serpentinasbeste (weißer Asbest) und Amphibolasbeste, darunter der Blauasbest (Krokydolith) und Braunasbest (Amosit). Etwa 90 % des industriellen Asbestverbrauchs entfällt auf Weißasbest, der weniger rigide Fasern als die Amphibolasbeste aufweist. Insbesondere Fasern um 10 Mikrometer Länge und einem Durchmesser von unter 0,5 Mikrometer erreichen die Alveolen, wo sie die Deckzellschicht durchspießen und z.T. in das Interstitium gelangen. Die chemisch inerten Fasern werden von Makrophagen aufgenommen, die diese jedoch nicht auflösen können und Entzündungsmediatoren, darunter fibrogene Faktoren, freisetzen. Zwar wird der größte Teil der Fasern wird auf dem Bronchialwege wieder abgegeben, die restlichen Fasern bewirken jedoch eine progrediente diffuse interstitelle Lungenfibrose. Die Fasern werden über die Jahre hin in Richtung Pleura (Pleuradrift) verlagert. An der Pleura kommt es dadurch zur Bildung diffuser Fibroseherde, insbesondere an der Pleura parietalis (Pleura costalis und Pleura diaphragmatica) entstehen die hyalinen sog. Pleuraplaques, die sekundär verkalken können. In diesen Pleuraplaques sind allerdings keine Fasern nachweisbar!

Asbestose

Alle Asbestformen wirken in Abhängigkeit von der eingeatmeten Menge fibrogen, die Amphibolasbeste sind jedoch ungleich gefährlicher, da sie mit dem Auftreten des malignen Mesothelioms an der Pleura, dem Perikard und dem Peritoneum assoziiert sind.Die Asbestose ist auch mit dem gehäuften Auftreten von Bronchialkarzinomen (5-fach erhöhtes Risiko), vor allem im Zusammenhang mit dem Zigarettenrauchen (55-fach erhöhtes Risiko), sowie mit dem Kehlkopfkrebs verbunden. Mit der Diagnose eines Mesothelioms liegt auch ohne eine entsprechende Arbeitsanamnese bereits ein (meldepflichtiger) Verdacht auf eine Berufskrankheit vor, dem dann von Amts wegen weiter nachgegangen wird. Etwa 2/3 der Mesotheliome sind mit beruflicher Asbestexposition assoziiert. Nicht jede Asbestose ist jedoch notwendigerweise berufsbedingt entstanden: In der Türkei und in Australien liegen Asbestvorkommen z.T. nahe an der Oberfläche, so daß Asbestfaserstaub mit dem Wind verteilt werden kann. Die Inzidenz von Mesotheliomen ist in diesen Gegenden erhöht.

Die Asbestfasern lassen sich aus dem Lungengewebe durch Veraschung oder chemischer Auflösung (Chlorbleiche) gewinnen so daß ihre Anzahl bestimmt und auf das Gewebevolumen bezogen werden kann.

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