Chemische Noxen: Tetrachlorkohlenstoff-Vergiftung

CCl4

Tetrachlorkohlenstoff (Tetrachlormethan, CCl4) und verwandte Chlorkohlenwasserstoff-Verbindungen sind hervorragende Lösungsmittel, die vielfältig als Reinigungs- und Extraktionsmittel eingesetzt werden. CCl4 wird weniger in der chemischen Reinigung von Textilien als vielmehr industriell zur Reinigung von Öltanks verwendet. Die Gase vieler Lösungsmittel, insbesondere von Chloroform, aber auch von CCl4, haben narkotisierende Wirkung auf das ZNS und können Polyneuropathien verursachen. CCl4 wird in der Leber mikrosomal verstoffwechselt, wobei stark hepato- und nephrotoxische Metabolite entstehen. Dadurch können Leber- und Nierenschäden bei langfristiger Exposition auch gegenüber geringen Dosen entstehen. Durch berufliche Exposition gegenüber organischen Lösungsmitteln entstandene Schäden können ggf. als Berufkrankheiten anerkannt werden.

Durch Abspaltung von Chloratomen durch die hepatozellulären Monooxygenasen entstehen Radikale, die insbesondere in den Läppchenanteilen mit geringer Sauerstoffsättigung, also im Läppchenzentrum (bzw. Zone III des Azinus) Membranschäden und dadurch bei entsprechender Dosis Leberzellnekrosen bewirken. Weniger ausgedehnte Nekrosen können vollständig durch Abräumung und hepatozelluläre Regeneration ausheilen. Bei chronischer Vergiftung entstehen jedoch Schäden, die sich u.U. nur schwer von nutritiv-toxischen (verklausuliert für: Alkohol-) Schädigungen abgrenzen lassen.

Die akute und chronische Leberschädigung durch CCl4 bei Ratten und Mäusen wird als Modellsystem für Lebererkrankungen, z.B. auch die Alkoholkrankheit des Menschen, verwendet. Das Modell kann jedoch nur hinsichtlich einiger Aspekte auf menschliche Erkrankungen übertragen werden, da die Nagerleber ein viel größeres Regenerationspotential als die menschliche Leber hat und die Schäden, anders als beim Menschen, auch bei höheren Dosen fast vollständig ausheilen.

Rattenleber
Rattenleber

Die Abbildungen zeigen eine Rattenleber 72 Stunden nach einmaliger Gabe einer geringen Dosis von CCl4. Die Hepatozyten der Zone III in der Umgebung der terminalen hepatischen Venole (Zentralvene) sind untergegangen und bereits durch Makrophagen abgebaut worden. Die immunhistologische Markierung mit einem gegen Zytokeratin gerichteten Antikörper, der die Hepatozyten und Gallengangsepithelzellen darstellt, zeigt den zonalen Leberzellausfall. Die Markierung mit einem Antikörper gegen das Intermediärfilemant Vimentin stellt die nicht-epithelialen Zellen (Endothelzellen, Kupfferzellen, Lebersternzellen) in loco typico und als Reaktionsprodukt in der Zone III dar, wo sie vorübergehend den Defekt ausfüllen.

Kommentare sind geschlossen.