Belebte Noxen/Toxine: Muskulatur bei Gasbrand

Ein 27-jähriger Mann wird mit einer offenen Unterschenkelfraktur aufgenommen. Zwei Tage nach operativer Versorgung kommt der Patient in Kreislaufversagen, das eine Intensivtherapie erfordert. Eine Rötung des Oberschenkels und knisternde Geräusche bei Druck auf die Weichteile in Nähe der Wunde fallen auf. Die Wunde und ihre Umgebung werden weiträumig exzidiert und eine Verlegung zur Durchführung einer hyperbaren Sauerstofftherapie eingeleitet.

Muskelfasern bei Gasbrand
Muskulatur bei Gasbrand

Das histologische Präparat stammt aus wundfernen Anteilen des Resektats. Man erkennt Skelettmuskulatur, die arealweise noch die Querstreifung der Muskelfasern und die peripher angeordneten Kerne erkennen läßt. Daneben dann Areale mit nur partiell erhaltener Querstreifung und Kernverlust. Benachbarte Bündel sind bereits schollig verfallen. Nur ganz vereinzelt trifft man hier auf kernhaltige Zellen, zumeist Leukozyten. Dann wiederum Areale mit ausgedehnten Nekrosen und einem vorwiegend interstitiell, aber auch innerhalb der schollig zerfallenden Muskelbündel anzutreffenden segmentkernigen Granulozyten. Im weiter peripher gelegenen Fettgewebe liegen gleichfalls Nekrosen vor.

Es handelt sich um Skelettmuskulatur bei Gasbrand durch Clostridien-Infektion, vorwiegend mit Clostridium perfringens. Die Nekrosen sind nicht nur auf die unmittelbare Besiedelung durch Bakterien zurückzuführen, sondern wesentlich auf die Einwirkung des Gasbrandtoxins Lecithinase. Das Toxin diffundiert vom Ort der Infektion entlang der Muskelbündel, zerstört Zellmembranen und führt auf diese Weise zu ausgedehnten, rasch fortschreitenden Myonekrosen. Im vorliegenden Präparat ist eine demarkierende leukozytäre Reaktion zu erkennen, die darauf schließen läßt, daß das Wachstum und die Toxinproduktion der Bakterien bereits zum Stillstand gekommen waren. Clostridium perfringens produziert CO2 und Wasserstoffgas. In allerdings nur einem kleineren Teil der Fälle entsteht ein sichtbares und hörbares Emphysem. Das Konzept hyperbarer Sauerstofftherapie gründet sich auf der Tatsache, daß Clostridien mehrheitlich Anaerobier sind. Im histologischen Präparat (Gram-Färbung) stellen Clostridien sich als große, plumpe Gram-positive Stäbchen dar.

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