Ödem: Chronische Rhinitis

Bei einer 30-jährigen Frau sind rezidivierende eitrige Infekte der Nasennebenhöhlen bekannt. Bei zunehmender Nasenatmungsbehinderung und kürzer werdenden Intervallen zwischen den Entzündungsschüben wird im weitgehend symptomfreien Intervall eine Revision der Nase und der Nasennebenhöhlen durchgeführt. Das Exzidat besteht aus polypösen, glasigen Schleimhautstücken mit einigen Knochenlamellen.

Respiratorische Schleimhaut

Das histologische Bild zeigt Fragmente respiratorischer Schleimhaut mit polypöser Obeflächenkontur. Ganz überwiegend findet man an der Oberfläche ein zilientragendes Zylinderepithel mit fokaler Hyperplasie der basalen Zellschicht. An anderen Stellen sieht man auch atrophes Saumepithel. Die Basalmembran ist an einigen Stellen verbreitert und rötlich hyalinisiert (= lichtmikroskopisch strukturlos und eosinophil). Stellenweise ein leicht vermehrter Gehalt des Saumepithels an schleimbildenden (Becher-)Zellen. Im Schleimhautstroma ein kräftiges Oedem, das die Bindegewebsfasern und Gefäße auseinander drängt, und überweigend lockere, nur fokal verdichtete leukozytäre Infiltate, vorwiegend aus Plasmazellen und eosinophilen Granulozyten. In tieferen Abschnitten dann etwas faserdichteres Bindegewebe. Die sonst in derartigem Material anzutreffenden, überwiegend serösen, in erkrankten Schleimhäuten aber auch teilweise seromukösen oder gar mukösen Drüsenkomplexe fehlen im vorliegenden Schnittpräparat. Anteile des fibrovaskulären Schwellkörpers der Nasenmuscheln sind gleichfalls nicht repräsentiert.

Über weite Strecken handelt es sich hier um eine akut exsudativ rezidivierte chronische Entzündung in respiratorischer Schleimhaut (bei der vorliegenden Lokalisation also als Rhinitis zu bezeichnen) mit polypösem Umbau der Schleimhaut. Der vermehrte Gehalt an eosinophilen Granulozyten, die verstärkte Schleimbildung, die Hyalinose und Verdickung der Basalmembran, wenn hier auch nur diskret, sprechen für eine allergische Entzündungskomponente. Die Verquellung der Schleimhaut durch Einlagerung von Oedemflüssigkeit bedingt eine Abflußbehinderung des Sekrets, Superinfektionen, Oberflächendefekte und Vernarbungen und mündet damit schliesslich in einen circulus vitiosus immer häufiger wiederkehrender Entzündungsschübe mit dem Resultat einer sich verstärkenden polypösen Umwandlung. Eine Sinusitis entwickelt sich üblicherweise aus einer Rhinitis, wobei neben allergischen Mechanismen auch durch Kälte und andere Reize induzierte lokale Zirkulationsstörungen eine Abwehrschwäche bedingen und den Boden für eine Ausbreitung einer Infektion bereiten. Häufige Erreger von Entzündungen respiratorischer Schleimhaut sind Rhinoviren, die zytotoxisch wirken und zu Superinfektionen hauptsächlich mit Staphylokokken und Streptokokken prädisponieren.

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