Alport-Glomerulopathie

Ein 20-jähriger Mann entwickelt eine zunehmende Schwerhörigkeit, dabei sind insbesondere höhere Frequenzen betroffen. Aus der Familienanamnese sind weitere Fälle von Schwerhörigkeit bekannt, ein Großvater sei am Nierenversagen gestorben. Im Urin finden sich wenige Erythrozyten (Mikrohämaturie) und ein erhöhter Proteingehalt. Es wird zur weiteren Abklärung eine Nierenbiopsie durchgeführt.

Normale Glomerulus-Schlinge
Glomerulus-Schlinge bei Alport-Erkrankung

Die Niere des vorliegenden Falles zeigt ein normales lichtmikroskopisches Bild. Die glomeruläre Basalmembran ist aber, nur elektronenmikroskopisch erkennbar, stark verändert. Man findet ein Nebeneinander von Basalmembranabschnitten, die deutlich verschmälert sind, neben verbreiterten Abschnitten mit Lamellierungen, Aufsplitterungen und fokal aufgehellten Arealen zumeist unterhalb der Endothelzellschicht

Es handelt sich um eine Alport-Glomerulopathie. Bei der Alport-Erkrankung liegen Mutationen des COL4A5 Gens vor, das Prokollagen a5(IV) kodiert und auf dem X-Chromosom bei Xq22 lokalisiert ist. In der Niere, im Innenohr und am Auge setzt sich das Basalmambran-Kollagen (Kollagen Typ IV) u.a. aus diesem Prokollagen zusammen. Bei der Alport-Erkrankung wird daher ein atypisches, in Abhängigkeit von den jeweiligen Mutationen unterschiedlich stark dysfunktionelles Basalmembran-Kollagen Typ IV gebildet. Die Patienten zeigen in frühen Stadien eine Hämaturie, in manchen Fällen auch eine zusätzliche stärkergradige Proteinurie bis hin zum nephrotischen Syndrom. In späteren Stadien tritt eine Einschränkung der exkretorischen Nierenfunktion auf, möglicherweise bis hin zur terminalen, dialysepflichtigen Niereninsuffizienz. Männer sind bei der X-chromosomalen Form der Alport-Glomerulopathie (ca. 80% der Fälle) stärker betroffen und können bereits im Alter von 20-40 Jahren (je nach Art der Mutation) dialysepflichtig sein. Frauen können im Falle eines Konduktorinnen-Status u.U. nur durch eine Hämaturie und geringe Proteinurie auffallen und entwickeln (wenn überhaupt) erst zu einem späteren Zeitpunkt eine Niereninsuffizienz. Wichtig ist jedoch, dass diese Frauen den Gendefekt an ihre Söhne weitergeben können.

Konventionell-lichtmikroskopisch findet man zu Beginn der Symptomatik oft noch unverndert ercheinende Glomeruli, häufig aber auch nicht altersent-sprechend ausgereifte Glomeruli mit prominenten Deckzellen. Im Interstitium können Schaumzellnester auftreten. Immunhistologisch findet man, abgesehen von gelegentlich nachweisbaren uncharakteristischen IgM-Ablagerungen, keine signifikanten Immunglobulin- oder Komplementablagerungen.

Eine seltene, jedoch dramatische Komplikation des Alport-Syndroms nach Nierentransplantation ist das Auftreten einer nekrotisierenden (rapid-progressiven) intra- und extrakapillären Glomerulonephritis vom Typ einer anti-Basalmembranen-Antikörper-Glomerulonephritis (ca. 3-7% der Transplantierten bei Alport-Syndrom). Die Tatsache, dass offenbar nur ein Teil der Patienten diese Komplikation entwickeln und dies gehäuft innerhalb einer “Alport-Familie” auftritt, läßt vermuten, dass bestimmte Mutationen dafür prädisponieren. Ursache ist die Entwicklung von Autoantikörpern gegen bestimmte (Basalmembran-)Kollagen Typ IV-Epitope.

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