Apoptose: Burkitt-Lymphom

Anteile eines mesenterialen Lymphknotens eines 10-järigen Jungen. In der Vorgeschichte Bauchschmerzen, die ohne bleibenden Erfolg symptomatisch behandelt wurden. Schließlich wurde eine Resistenz im rechten Unterbauch getastet und sonographisch als Konglomerattumor von Dünndarmschlingen und des Coecum dargestellt. Die explorative Laparotomie zeigte zusätzlich vergrößerte Lymphknoten im Mesenterium, die zur Schnellschnittuntersuchung eingesandt wurden. Hierbei wurde ein hochmalignes Lymphom festgestellt.

Burkitt-Lymphom
Burkitt-Lymphom

Die weitere histologische Aufarbeitung nach Formalin-Fixierung ergab einen durch Infiltrate mittelgroßer lymphatischer Zellen zerstörten Lymphknoten. Die atypischen Zellen zeigen eine stark zugunsten des Kerns verschobene Kern-Plasma-Relation, die Kerne sind gering entrundet und enthalten einen oder mehrere kleine Nukleolen, in einigen Kernen fällt auch eine angedeutet schollige Struktur des Chromatins auf. In den atypischen lymphatischen Zellen weiterhin zahlreiche Mitosefiguren und kleine geschrumpft erscheinende, stärker blau gefärbte und manchmal in kleine Kügelchen und Segmente zerlegte Kerne. Zwischen den rasenartig beieinanderliegenden (kohärenten) Zellansammlungen immer wieder große Zellen mit hellem Kern und gespeicherten Kerntrümmern, die dem Schnitt bei geringer Vergrößerung (und etwas Phantasie) den Aspekt eines Sternhimmels verleihen. In diesen Zellen findet man jeweils einen kleinen, nicht auffälligen Kern. Diese Zellen stellen Kerntrümmer-Makrophagen (sog. “Sternhimmel”- Makrophagen) dar. Immunhistologisch fand man in den atypischen Lymphozyten Expression verschiedener B-Lymphozyten-Antigene, jedoch keinen Hinweis auf eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus.

Burkitt-Lymphom
Burkitt-Lymphom

Es handelt sich hierbei um ein Burkitt-Lymphom, ein hochmalignes Lymphom der B-Zell-Reihe mit besonderen epidemiologischen, klinischen, morphologischen und zytogenetischen Eigenschaften. Diese Lymphome wachsen sehr schnell, wie man an der Vielzahl der Mitosefiguren ablesen kann. Andererseits zeigen die häufigen Apoptosen und die “Sternhimmel”-Makrophagen, daß zugleich ein Teil der Tumorzellen untergeht. Netto überwiegen aber die Mitosen.

Burkitt-Lymphom
Burkitt-Lymphom
Burkitt-Lymphom

Das Burkitt-Lymphom tritt am häufigsten in Kindern und Jugendlichen auf, in der Mehrzahl der Fälle extranodal. Die Primärlokalisationen sind aber nicht weltweit einheitlich: In Europa und Nordamerika sind am häufigsten die Abdominalorgane betroffen, in Afrika dagegen die Kieferregion und die Orbita. Burkitt-Lymphome sind in einigen Gegenden Afrikas und Südamerikas endemisch. Die afrikanischen Endemiegebiete sind mit dem Verbreitungsgebiet der Malaria weitgehend kongruent, so daß man eine Beziehung zwischen den Erkrankungen annimmt. In einer Zellline, die von einem afrikanischen (endemischen) Burkitt-Lymphom abstammte, wurde 1964 das Epstein-Barr-Virus (EBV) isoliert. Tatsächlich findet man in etwa 80 – 90% der endemischen Burkitt-Lymphome das EBV in den Tumorzellen. In westlichen Ländern sind dagegen nur etwa 10 – 20% der Fälle EBV-assoziiert. Man unterscheidet daher “endemische” (afrikanische) und “sporadische” Burkitt-Lymphome.

Zytogenetisch sind die Burkitt-Lymphome durch eine Translokation charakterisiert, die das c-myc-Gen auf dem Chromosom 8 und einen der Immunglobulin -Genorte betrifft (entweder das Ig-Schwerkettengen auf dem Chromosom 14 oder das Kappa bzw.Lambda-Leichtkettengen auf den Chromosomen 22 bzw. 2), so daß die Translokationen t(8;14)(q24;q32) oder -seltener – t(8;22)(q24;11) bzw. t(2;8)(p11;q24) resultieren. In den B-Lymphozyten sind charakteristischerweise die Immunglobulin-Gene aktiv. Durch Translokation wirkt sich diese Aktivierung nun auch auf das c-myc-Gen aus, wodurch eine Dysregulation der c-myc-Expression resultiert. Dieser Mechanismus ist allerdings nicht die alleinge Ursache für den malignen Phänotyp der Burkitt-Lymphomzellen.

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