Potentiell reversible Schäden: Fettleber

34-jähriger Mann, seit 2 Jahren in einem Getränkehandel tätig, klagt über plötzlich aufgetretenen heftigen Kopfschmerz und trübt in den nächsten Studen zunehmend ein. Radiologisch zeigt sich ein rupturiertes Aneurysma einer Hirnbasisarterie. Eine Notfalloperation bleibt ohne Erfolg. Exitus letalis. Bei der Sektion findet man eine prall vergrößerte, feste, hellgelbe Leber von 1760 g mit abgerundetem Rand.

Fettleber

Histologisch findet sich eine weitgehend normale Läppchenarchitektur. Die Portalfelder sind gering fibrosiert und nur gering mit Lymphozyten und Plasmazellen infiltriert. Gallengänge und Gefäße sind normal. Keine nennenswerte perisinusoidale Fibrose, lediglich eine diskrete Faservermehrung in der Umgebung der terminalen hepatischen Venulen (= Zentralvenen). Fast alle Hepatozyten zeigen optisch leere Vakuolen, deren Durchmesser mehrheitlich größer als derjenige der Zellkerne ist. Sie sind also grobtropfig verfettet (klein- und grobtropfig = Fettropfen kleiner bzw. größer als Hepatozytenkerne). Die verfetteten Hepatozyten sind ohne Bevorzugung einer Zone diffus verteilt. Die Vakuolen enthielten Neutralfette, die im Zuge der Einbettungsprozedur (siehe dort) herausgelöst wurden.

Mittels einer Fettfärbung kann an einem Kryostatschnitt, der von frischem oder eingefrorenen Gewebe hergestellt wird, jedoch der Fettgehalt des Gewebes dargestellt werden.

Es liegt eine Fettleber vor, da mehr als 50 % der Leberepithelzellen verfettet sind (unter 50 % = Leberverfettung).

Als Ursache einer Leberzellverfettung komen insbesondere alimentäre (“Fettmast”) bzw. metabolische, hypoxische, toxische (Chlorkohlenwasserstoffe, z.B. Tetrachlorkohlenstoff), medikamentös-toxische (Steroidtherapie) und insbesondere nutritiv-toxische (Weingeist = Ethanol) Noxen in Betracht.

Bei alimentärer Verfettung finden sich die betroffenen Hepatozyten meist grobtropfig verfettet und periportal lokalisiert, bei Chlorkohlenwasserstoff-Vergiftung ebenso wie bei Sauerstoffmangel perizentral in den Läppchenanteilen mit geringerem Sauerstoffpartialdruck. Bei alkoholischer Verfettung ist die Verfettung überwiegend diffus verteilt. Für eine nutritiv-toxische Schädigung spricht in unserem Fall auch die zwar erst geringe, jedoch schon manifeste perizentale Vermehrung interstitiellen Kollagens.

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