Nebenschilddrüse bei sekundärem Hyperparathyreoidismus

Nebenschilddrüsen

Die 63-jährige Patientin mit bekannter chronischer dialysepflichtiger Niereninsuffizienz klagt über Rückenschmerzen. Bei der Röntgenuntersuchung fällt eine Osteoporose mit Kompressionsfrakturen mehrerer Lendenwirbelkörper auf. Klinisch-chemisch werden ein mit 2,3 mmol/l normales Serumcalcium und erhöhte Parathormon (PTH)-Spiegel gefunden.

Die Patientin wurde operiert, dabei wurden alle vier Gll. parathyroideae dargestellt. Alle waren von rehbrauner Farbe, mäßig vergrößert (7 bis 11 mm) und von etwas festerer Konsistenz.

Histologisch findet man in allen vier Nebenschilddrüsenkörperchen gleichsinnige Veränderungen: die Epithelverbände liegen in organoider Anordnung wie in einem alterentsprechenden Epitehlkörperchen vor. Die Anzahl der Parenchymzellen ist jedoch erhöht, der Aufbau variabel solide bis trabekulär oder auch pseudofollikulär, es liegen mehrheitlich Hauptzellen vor. Der Fettgehalt des Gewebes ist unter der Norm.

Es handelt sich um eine Hyperplasie der Epithelkörperchen bei sekundärem Hyperparathyreoidismus. Die erhöhten PTH-Spiegel bewirken eine Funktionssteigerung der Osteoklasten und führen damit zu einem verstärkten Calcium-Mobilisation aus dem Knochengewebe mit konsekutiver Osteoporose.

Nebenschilddrüse
Nebenschilddrüse

Die Hyperplasie von NSD-Hauptzellen ist in seltenen Fällen eine Facette des Syndroms der multiplen endokrinen Neoplasien (MEN) Typ I oder Typ IIa, das daher differentialdiagnostisch erwogen werden muß.

Die Symptomatiken des sekundären und des primären Hyperparathyreoidismus ähneln einander. Beim primären Hyperparathyreoidismus liegt ein Tumor, meist ein Adenom, selten ein Karzinom, in einer der Nebenschilddrüsen vor. Ein Adenom ist von einer Hauptzellhyperplasie histologisch nicht zu unterscheiden, so daß diese Diagnose nur in Kenntnis des Befundes an allen Epithelkörperchen zu stellen ist (z.B. eine große und drei kleine NSD = Adenom, vier vergrößerte NSD = Hyperplasie). Ein tertiärer Hyperparathyreoidismus liegt vor, wenn auf dem Boden eines sekundären Hyperparathyreoidismus ein hormonell aktives NSD-Adenom bzw. -Karzinom entsteht.

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