Kindlicher Thymus

Thymusmark
Kindlicher Thymus
Hassall’sches Körperchen

Das Präparat stammt von einem Kind, das wegen eines Herzfehlers operiert werden mußte. Bei der Schaffung des Zugangs wurde das retrosternal gelegene Gewebe abgetragen. Makroskopisch handelte es sich um lobulär arealisierte Fragmente homogen grau-weißen, markigen Gewebes mit Teilen einer zarten bindegewebigen Kapsel. Histologisch zeigt sich unter einem Saum randlich miterfaßten reifen Fettgewebes eine dünne Bindegewebsschicht sowie Rinde und Mark des Thymusgewebes. Die Rinde besteht aus dicht gelagerten “unreifen” Lymphozyten mit einem dazwischen gelegenen, von spezialisierten Epithelzellen gebildeten Maschenwerk. Im Mark finden sich weniger dicht gelagerte “reife” Lymphozyten zwischen Epithelzellen, dendritischen Zellen und Makrophagen sowie Gefäße. Charakteristisch für das Mark sind die zwiebelschalartigen Hassall’schen Körperchen, die von Epithelzellen abstammen. Die Funktion der Hassall’schen Körperchen ist unklar.

Der Zellgehalt entspricht dem eines normalen kindlichen Thymus vor der Pubertät. Eine Involution (numerische Atrophie) wie im Thymus eines Erwachsenen liegt nicht vor.

Kindlicher Thymus
Kindlicher Thymus

Der Thymus ist der Hauptort für die Ausreifung der T-Lymphozyten. Funktionslose T-Vorläuferzellen aus dem Knochenmark gelangen in die Thymusrinde, wo sie auch als Thymozyten bezeichnet werden. In der Rinde teilen sich die Thymozyten in rascher Folge (Proliferation, aus einer einzelnen Zelle wird ein Zellklon identischer Zellen). Auf dem Weg von der Rinde zum Mark erwerben die Thymozyten die speziellen Zellfunktionen von T-Lymphozyten (Ausreifung, Differenzierung) und beginnen mit der Expression von Membranproteinen, die T-Lymphozyten bzw. bestimmte Untergruppen der T-Lymphozyten charakterisieren (z.B. CD4 für T-Helfer-Zellen, CD8 für T-Suppressor- und zytotoxische T-Zellen). Wichtiges Kennzeichen der Differenzierung ist die Expression des T-Zell-Rezeptors (TCR), der für die Erkennung der Antigene verantwortlich ist. Ausdruck der in der Rinde stattfindenden Umlagerungen im TCR-Gen ist die Expression der Terminalen Deoxynukleotidyl-Transferase (TdT), eines an der Genumlagerung unmittelbar beteiligten Enzyms. Da bei der Bildung der Antigen-Bindungs-Region des TCR ein zufälliges Rearrangement von Gensegmenten verantwortlich ist, entstehen eine ganze Reihe von Zellklonen, die funktionslos oder die gegen körpereigene Antigene gerichtet sind. Diese Zellen werden durch Interaktion der Lymphozyten mit Epithelzellen, dendritischen Zellen und Makrophagen erkannt und durch Apoptose eliminiert (sogenannte positive und negative Selektion). Die überlebenden T-Lymphozyten gelangen aus dem Mark über Blut- oder Lymphgefäße in die Zirkulation und in die sekundären lymphatischen Organe. Dieser Reifungsprozess findet vor allem bei Kindern vor der Pubertät statt. Wie und in welchem Ausmaß T-Zellen bei Erwachsenen reifen ist unklar. Mengenmäßig nimmt der Bedarf stark ab, da T-Memory-Zellen sehr langlebig sind und dadurch das nötige Repertoire aufrecht erhalten wird. Man nimmt an, daß jedoch einige T-Zellen weiter im Thymusrest oder auch in anderen Geweben reifen.

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